Stuttgarter Passarchiv Stuttgarter Passarchiv ist jetzt online

Neues Rechercheinstrument online: Im Passarchiv lässt es sich eindrucksvoll stöbern. Foto: StZ-Screenshot
Neues Rechercheinstrument online: Im Passarchiv lässt es sich eindrucksvoll stöbern. Foto: StZ-Screenshot

Es ist fast so etwas wie das Facebook früherer Zeiten: Das Stuttgarter Passarchivs hat 140.000 Personenakten aus der Zeit von 1914 bis 1945 im Bestand. Diese kann man ab sofort auch online durchstöbern – und dabei etwa auch die eigene Familiengeschichte rekonstruieren.

Politik/ Baden-Württemberg: Thomas Faltin (fal)
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Ludwigsburg – Der Trubel um den Beginn des Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren wird in den nächsten Wochen und Monaten gewaltige Ausmaße annehmen. Eine kleine, aber folgenschwere Begebenheit gerade aus Stuttgarter Sicht wird dann vermutlich untergehen.

Der Erste Weltkrieg hatte nämlich zur Folge, dass 1914 erstmals in Württemberg die allgemeine Passpflicht eingeführt wurde – erst ab dieser Zeit gibt also ein modernes Passwesen. Wer ins Ausland reiste, musste zunächst bei der Stadtdirektion, ab 1922 beim Polizeipräsidium umfangreiche Dokumente samt Fotos einreichen, um einen Pass ausgehändigt zu bekommen. Dieser Bestand, der bis 1945 auf 140 000 Akten zu Stuttgarter Personen angewachsen war, ist komplett erhalten und liegt im Staatsarchiv in Ludwigsburg. Seit neuestem kann er bequem vom heimischen Computer aus durchsucht werden.

Datenbank vor allem für Historiker von Interesse

Diese Datenbank ist ein Glücksfall für Historiker – und für alle Genealogen sowieso. Denn in vielen Fällen sind nicht nur Biografien überliefert, sondern auch Porträtfotos. Peter Müller, der Leiter des Staatsarchivs in Ludwigsburg, erzählt, dass zum Beispiel die Stolperstein-Initiativen den Bestand intensiv nutzen: „Es konnten Aufnahmen von vielen NS-Opfern ermittelt werden, von denen selbst die Angehörigen keine Fotos mehr besaßen.“ So war es beispielsweise bei Alice Allmeyer, die 1921 einen Pass beantragt hatte; sie kam später in Theresienstadt um.

Daneben gibt es auch viele berühmte Stuttgarter, deren Passakten erhalten sind. Peter Müller zählt auf: der bereits abgedankte württembergische König Wilhelm II., der spätere SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher, der Stuttgarter Generalmusikdirektor und Komponist Max von Schillings oder Karl Otto von Weizsäcker, der Vater des späteren Bundespräsidenten.

Stuttgarter können online nach ihren Vorfahren suchen

Jetzt kann also jeder Stuttgarter von zuhause aus prüfen, ob in dem Bestand Akten zu seinen Vorfahren liegen. Im Online-Findmittel sind allerdings nur der Name, das Geburtsdatum und der Beruf einsehbar und nicht die Dokumente selbst; ist man fündig geworden, muss man nach wie vor das Archiv persönlich aufsuchen oder eine Reproduktion anfordern.

Für Peter Müller ist das Stuttgarter Passarchiv fast so etwas wie Facebook heute: „Ein erheblicher Teil der Weltkriegsgeneration in Stuttgart wird dort im Porträt fassbar.“ Seine Einschränkung ist allerdings wichtig: Einen Pass hat damals meist nur beantragt, wer vermögend war und sich Auslandsreisen leisten konnte oder wer beruflich im Ausland zu tun hatte. Einfachere Bevölkerungsschichten sind dort nicht angemessen vertreten.




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