Stuttgarter Philharmoniker Die große, weite Klangwelt Istanbuls
Die Stuttgarter Philharmoniker haben sich in der Liederhalle Edvard Grieg und Fazil Say gewidmet. Zu Gast war die US-Pianistin Claire Huangci.
Die Stuttgarter Philharmoniker haben sich in der Liederhalle Edvard Grieg und Fazil Say gewidmet. Zu Gast war die US-Pianistin Claire Huangci.
Sie nimmt den virtuosen Finale-Furor mit einem Lächeln, mit großer Geste, kontrolliert und taff: Die US-amerikanische Pianistin Claire Huangci spielt Edvard Griegs Klavierkonzert a-Moll mit heldischem Gestus, kraftvoll, manchmal mit etwas hartem Zugriff. Zum Glück ohne kitschverdächtige Zerdehnungen im Mittelsatz, aber auch ohne Hingabe an den Augenblick. Spontanität ist ihre Sache nicht an diesem Abend im gut besuchten Beethovensaal. Die Stuttgarter Philharmoniker gehen den routinierten Weg. Überraschungen darf man da nicht erwarten.
Als Dirigent ist Karl-Heinz Steffens eingesprungen für den erkrankten Howard Griffiths. Griegs jugendlich stürmendes, drängendes Konzert erklingt in exotischer Rahmung. Vorneweg gibt’s die Ouvertüre zu Carl Maria von Webers Singspiel „Abu Hassan“. Türkisches Kolorit verpasste der Komponist seinem Werk, in dem er – wie damals üblich – die Musik der Janitscharen imitierte, der Militärkapellen der Osmanen. Sein kompositorisches Wohlwollen fand vor allem der wohlstrukturierte Lärm des Schlagwerks, der so schön nach Säbelrasseln klingt. Auf melodischer und harmonischer Ebene erscheint die Aneignung eher unbeholfen, weswegen die Ouvertüre dann ziemlich tschingderassabummt.
Dagegen wirkt Fazil Says final gespielte Istanbul-Sinfonie von 2010, zumindest was die Authentizität türkischer Einflüsse angeht, geradezu wie Balsam in den Ohren. Auch dank der punktuell zum Einsatz kommenden türkischen Instrumente samt Solisten: der seufzenden Ney, einer Rohrflöte (Burcu Karadag), der Kanun, einer Zither (Hakan Güngör), und verschiedener Trommeln (Aykut Köselerli). Say möchte in seiner Sinfonie das Leben in Istanbul dargestellt wissen. Und mittels abgedruckter „Handlung“ im Programm wird das auch hörbar in der Musik: Die Tuba spielt das Schiffshorn, das Stück beginnt und endet in Meeresrauschen, die Großstadt-Gegenwart stimmt melancholisch. Das Stück macht Spaß und holt ein bisschen was von der großen, weiten (Klang-)Welt in den Beethovensaal.