Stuttgarter Philharmoniker mit Makoto Ozone Launig zwischen allen Stühlen

Von Susanne Benda 

Die Stuttgarter Philharmoniker haben Gershwin und Schostakowitsch gespielt

Der Pianist Makoto Ozone Foto: Veranstalter
Der Pianist Makoto Ozone Foto: Veranstalter

Stuttgart - Ist das nun Klassik, oder ist es Jazz? Als George Gershwin 1924 seine „Rhapsody in Blue“ für Klavier(e) und Orchester komponierte, ging es ihm um die Schöpfung einer neuen Art von bodenständiger amerikanischer Kunstmusik. Als beim Konzert der Stuttgarter Philharmoniker am Dienstagabend der japanische Pianist Makoto Ozone auf dem Klavierhocker saß, ging es ihm um die Wurzeln des Stücks, die auch die seinen sind. Ozone ist ein Jazzmusiker, und weil der Chefdirigent Dan Ettinger am Pult des Orchesters dies wusste und wollte, ließ er seinem Solisten so viel Freiheit, wie dieser brauchte und einforderte.

Das war allerdings ziemlich viel, denn Ozone weitete das Rhapsodische des Stücks, indem er dessen freie Teile ergänzte und durch zahlreiche eigene Improvisationen erweiterte, die mal nach Mozart, mal nach Debussy und mal nach Chick Corea klangen. Das verstärkte zwar die ohnehin additive Anmutung des Stücks, und es machte die Koordination mit dem naturgemäß starreren klassischen Apparat schwierig (was immer wieder deutlich zu hören war). Ozone agierte aber mit so viel Überzeugungskraft, Schwung und Energie, dass man die Defizite des Dialogs, die mangelnde Flexibilität seines ziemlich perkussiven Anschlags und den gerade im lustvollem Improvisieren gelegentlich vernehmbaren Verlust an Genauigkeit nicht allzu schwernehmen musste. Wirklich zusammen sind die zwei Königskinder Klassik und Jazz nicht gekommen, aber dieses Scheitern hat ziemlich viel Spaß gemacht.

Und Klassik pur gab es dann ja noch bei Dmitri Schostakowitschs erster Sinfonie, die in derselben Zeit wie die „Rhapsody in Blue“ entstand. Dan Ettinger, dessen Vorliebe für wirkungsvolle Kontraste und große Gesten das studentische Werk des Komponisten auf ideale Weise entgegenkam, dirigierte das Stück als packende, freche, mit zahlreichen Überraschungen gespickte Geschichte über Anpassung und Ausbruch, Wahrhaftigkeit und groteske Überzeichnung. Seine Darbietung glich einem detailreichen, monumentalen Gemälde. Das Publikum saß davor und konnte sich nicht satt sehen.