Stuttgarter Philharmoniker mit Yeree Suh Hör-Spektakel mit Beethoven und Ligeti

Die Sopranistin Yeree Suh Foto: Marco Borggreve/Marco Borggreve

Am Donnerstagabend haben die Sopranistin Yeree Suh und der Dirigent Ulrich Kern das Konzert der Stuttgarter Philharmoniker mit Leben und viel Humor gefüllt.

Brikamaka! Kamakabri! Kokorokökö! Neben dem Dirigenten steht eine schwarz gekleidete Frau und singt: Makabri, makabri! Es ist die koreanische Sopranistin Yeree Suh, Spezialistin für Altes wie für Neues – hier speziell für drei Arien aus der Oper, deren Urfassung György Ligeti in den späten 1970er Jahren über ein Stück absurdes Theater von Michel de Ghelderode komponierte. Suh gibt in den Arien aus „Le Grand Macabre“ den Chef einer obskuren Geheimpolizei, die Stuttgarter Philharmoniker begleitet ihre aberwitzigen Koloraturen mit Zeitungsgeraschel, rhythmischen Akzenten und solistischen Farbtupfern: ein Spektakel für Augen und Ohren.

 

Für dessen sehr präzise Aufbereitung sorgt im Beethovensaal Ulrich Kern als Gastdirigent. Er zeigt schon bei den kurzen Stücken aus Ligetis Oper zu Beginn – einem Präludium für zwölf Autohupen –, dass Genauigkeit eine Zwillingsschwester des Witzigen ist. Ohne Timing kein Gelächter, und gelacht wird am Donnerstagabend viel. Schließlich tritt die Sängerin auch als Puppe Olympia aus Jacques Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ auf, bewegt, weiß geschminkt, mechanisch die Hände, und der Konzertmeister darf sie zweimal an einer imaginären Schraube am Rücken aufziehen, damit sie ihre schier endlose Arie weitersingen kann.

Rasant erklingt Beethovens Achte

Hier hätte man dem Orchester eine Spur mehr Flexibilität gewünscht. Ansonsten aber lässt der Abend keine Wünsche offen. Auch bei George Gershwins „Ein Amerikaner in Paris“ dürfen die Schlagzeuger kräftig hupen, und Ulrich Kern lenkt die Streicher wie die exzellenten Bläsersolisten elegant, mit viel Sinn für die einkomponierten Tanzformen und für das theatralische Potenzial des Stücks durch die vielen effektvoll gesetzten Noten.

Schließlich Beethovens Achte, das Stiefkind im Neunerzyklus, dem Beethoven den Ruhepol eines langsamen Satzes verwehrte. Kern beleuchtet klar rhythmisch-metrische Kampfzonen. Die Sinfonie erklingt rasant, blitzsauber, vorwärtsdrängend, gewährt dem Solocellisten glänzende Momente und beweist, dass Humor auch subtil sein kann. Etwa bei den „falschen“ Schlüssen im Finale, das gut 500 Takte nach einem passenden Ende sucht. Nicht gefunden – bätsch! Oder, um es mit Ligeti zu sagen: Makabrikaka!

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