Stuttgarter Power Couples: Marina und Predrag Das Team hinter der "the ratskeller"-Kampagne

, aktualisiert am 27.04.2023 - 09:00 Uhr
In unserer Reihe „Power Couples“ stellen wir euch unzertrennliche Stuttgarter Duos vor, die im Kessel gemeinsame Sache machen. Heute: Marina Achthoforidou und Predrag Vargovic von der Agentur Studio Brot. Foto: privat

In unserer Reihe „Power Couples“ stellen wir euch unzertrennliche Stuttgarter Duos vor, die im Kessel gemeinsame Sache machen. Marina Achthoforidou und Predrag Vargovic von der Agentur Studio Brot arbeiten und leben zusammen und haben uns verraten, warum das bei ihnen so gut funktioniert.

Stuttgart - Moment, war hier nicht mal...? Ja, genau. Die Agentur Studio Brot auf der Tübinger Straße befindet sich im ehemaligen Bordell Eve Paris. Laut Google ist das immer noch so, doch in der Tübinger Straße 87 wird jetzt „fetzige Reklame“ gemacht.

 

Zusammen leben und zusammen arbeiten

Unter anderem steckt die Agentur hinter dem Branding von „the Ratskeller“, dessen Namensgebung im vergangenen Jahr zu hitzigen Diskussionen in der Stadt sowie in den Facebook-Kommentarspalten führte. Wir wollen heute aber nicht über "the", "der", "die" oder "das" mit Marina Achthoforidou (39) und Predrag Vargovic (36) diskutieren, sondern nachfragen: Wie machen sie das eigentlich? Zusammen leben und zusammen arbeiten? Eine eigene Agentur gründen, Mitarbeiter:innen einstellen, lustige Instagram-Storys teilen und ganz nebenbei noch auf „Shitstörmle“ reagieren?

2016 lernten sie sich am Arbeitsplatz kennen: „Wir waren sehr lange nur Arbeitskolleg:innen.“ Richtig geklickt hatte es bei der Zusammenarbeit für ein zufällig entstandenes Projekt für das Brautatelier Tara von Verica Pavlovic: „Das war unser erstes inoffizielles gemeinsames Projekt.“ Fazit: It was a match!

„Wo fühlt man sich verstanden?“

Predrag zieht den Vergleich: „Ähnlich wie bei 'Let’s Dance', wenn einfach random Leute zusammengesteckt werden und es auf der Tanzfläche dann richtig harmoniert.“ Sie lachen und Marina ergänzt: „Vor allem in der Kreation stellt sich häufig die Frage: Bei wem traut man sich, jeden noch so dummen Gedanken auszusprechen, wo fühlt man sich verstanden?“

Damals haben die beiden noch sehr verschiedene Leben geführt: Marina, die aus dem Stuttgarter Umland frisch in die Stadt gezogen ist und Predrag aus Speyer, der damals in Winnenden gewohnt hat. „Ich habe mich zu der Zeit auch echt schwergetan mit Stuttgart und wollte viel lieber nach Hamburg ans Wasser oder so“, erzählt er. Statt Elbe war jedoch der Neckar angesagt. Sie schlossen sich als Kreativteam zusammen, bewarben sich gemeinsam, zogen zusammen, arbeiteten in kleineren Agenturen und später bei Jung von Matt.

„Schon damals kamen natürlich oft die Fragen auf, ob wir das wirklich durchziehen wollen, also zusammen leben und auch zusammen arbeiten. Davon haben wir uns anfangs noch verunsichern lassen, aber schnell gemerkt, dass wir als Team besser funktionieren.“

Mit Henry und Charlotte zum Brot

Immer wieder arbeiteten sie auch außerhalb der Agentur an eigenen Projekten - unter anderem für Gastrokonzepte wie das Gardener’s Nosh. „Der Selbstständigkeitsgedanke war schon länger da“, so Predrag. Marina ergänzt: „Wir wurden immer unzufriedener im Job, weil wir gemerkt haben, dass wir mehr sein wollen als nur Dienstleister.“ Und so ist auch das Brot in ihr Leben gekommen. Predrag erinnert sich: „Ich habe irgendwie versucht, etwas zu machen, dass einen gewissen Ausgleich schafft und dann angefangen, Sauerteigkulturen zu züchten – Henry und Charlotte. Allerdings hat nur eine überlebt.“

„Das ist echt so abgelaufen, dass wir nachts nach Hause kamen und Predrag noch den Teig streicheln musste und die Temperatur überprüft hat. Unsere Küche wurde zum Labor umfunktioniert. Das hatte fast schon etwas Meditatives und war am Ende absoluter Eskapismus vom Alltag.“ Währenddessen entstand die Analogie und spätere Studio-Brot-Philosophie: „So sollte es doch laufen: Kreationen muss gefüttert werden, wir brauchen Infos von den Kunden und dann muss man rühren und dann braucht es Zeit, mal mehr, mal weniger. Es ist kein standardisierter Prozess. Dadurch haben wir einfach gemerkt, was unser Problem ist und was wir ändern wollen.“

„Agenturen nehmen sich meistens viel zu ernst“

So viel zum Brot-Part im Agenturnamen. „Wir haben eigentlich länger über Büro, Atelier oder Studio diskutiert“, stellt Marina fest. Predrag nickt: „Außerdem nehmen sich Agenturen meistens viel zu ernst.“ „Eben, und am Ende geht es ja um Atmosphäre und ein losgelöstes Umfeld, sodass Dinge entstehen können. Deswegen fanden wir, muss es auch ein bisschen albern klingen.“ Predrag lacht: „Und wenn das am Ende nicht funktioniert, hat man mit "Studio Brot" einen offenen Namen, der Spielraum lässt.“

Seit Mai 2019 ist das Paar nun selbstständig. „Wir hatten keine finanziellen Puffer und sind ein echtes Risiko eingegangen. Parallel haben wir uns über Existenzgründung und Fördermöglichkeiten informiert.“

Anfangs wurde viel von zu Hause aus gearbeitet, später im ersten eigenen Büro in der Hauptstätter Straße und nun in der neuen Fläche im ehemaligen Eve Paris auf der Tübinger Straße. Zu dieser Location kamen sie rein zufällig. „Wir wussten, dass wir uns vergrößern wollen, aber es war kein Druck dahinter. Bei einem Spaziergang haben wir gesehen, dass die Location umgebaut wird und da wir ja selbst in der Gegend wohnen und uns hier wohlfühlen, war das schon ein ziemlich perfekter Spot. Also ist Marina einfach vorbeigegangen, hat eine Karte dagelassen und dann ging alles relativ zügig.“

Spiegelfolien-Selfies und Brot-Kunst

Jetzt ist Studio Brot „endlich front row“ in der Hood. „Agenturen verstecken sich ja sonst auch gerne. Dabei wollen wir für Kunden genau das Gegenteil erreichen.“ Die Devise sei, Aufmerksamkeit zu erregen und bewusst Verwirrung zu stiften. So komme man immerhin ins Gespräch. Und interessante Alltagsbegegnungen gibt es so einige – sei es alte Eve Paris-Kundschaft, Menschen, die Spiegelfolien-Selfies schießen oder sich einfach mal erkundigen wollen, was das hier denn ist. „Es kam auch schon mal ein älterer Herr vorbei, der uns Brot-Kunst verkaufen wollte.“

Zum gemischten Doppel mit Hund Kevin Bacon haben sich nun vier weitere „Brote“ dazugesellt – alles Freund:innen, nicht nur Mitarbeiter:innen – und seit mehr als einem Jahr gibt’s sogar ein kleines „Brötchen“. Plötzlich selbstständig, plötzlich Chefs und ganz neu: Eltern. Wie macht man das?

Urvertrauen, Offenheit und Akzeptanz

Predrag überlegt kurz: „Urvertrauen und Offenheit.“ Marina stimmt zu: „Ja, es gibt nichts, was ich Predrag nicht sagen würde, selbst wenn es wehtut. Außerdem gleichen wir uns aus. Das funktioniert mittlerweile fast automatisch. Es ist selten so, dass wir beide gleichzeitig eine Power- oder Lowphase haben. Ist der eine down, zieht der andere ihn wieder hoch.“

Vertrauen sei generell der Schlüssel im Studio-Brot-Kosmos: „Jetzt mit Angestellten ist es auch so, als würden uns beim Failen, Wachsen und Lernen noch vier andere Personen zuschauen, weil wir nicht mehr alleine sind.“ Vor allem sei es auch die Akzeptanz, die Marina und Predrag sowohl als Paar als auch Businesspartner:innen zusammenhält: „Jeder hat seinen eigenen Weg – wichtig ist, dass das Ziel ein gemeinsames ist.“

Am Ende geht es eben um Freundschaft: mit Kund:innen, im Team und in der Beziehung. „Und dann macht es auch jeden Tag Bock aufzustehen und zur Arbeit zu gehen.“

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