VfB-Profis wie Thomas Berthold und Fernando Meira oder auch Primaballerina Marcia Haydée kamen zum Physiotherapeuten Uli Gaiser aus Hoffeld. Ende des Jahres hört er nun auf.
„Es war ein Heimspiel für mich, ich komme ja aus Degerloch“, sagt Uli Gaiser. Vor fast 37 Jahren eröffnete er seine Physiotherapie-Praxis mit dem Bewegungsbad im Hoffelder Seniorenheim Lothar-Christmann-Haus. „Ich war noch keine Woche hier, da war mein Terminkalender schon voll“, berichtet er. Seitdem war er im Dauereinsatz. Die Woche über massierte er Schmerzen weg, machte Lymphdrainagen, setzte Tapes und brachte Leute nach Unfällen oder Sportler nach Verletzungen wieder auf die Beine.
„Die dankbarsten Patienten waren oft die älteren Menschen“, zieht Gaiser Bilanz. Wenn ein Patient nach der Behandlung zu ihm kam und sagte, er könne sich wieder schmerzfreier bewegen und habe wieder mehr Lebensfreude, war das für ihn ein bewegender Moment.
Bademeister im Bad Berg und Physio für die Stuttgarter Kickers
Andererseits jagte im Alltag ein Termin den nächsten. Zwölf-Stunden-Tage waren in „Uli’s Physiopark“ für ihn und sein Team keine Besonderheit: „Wenn ein längerer Anruf reinkam, dann bist du deinem Zeitplan den ganzen Tag hinterhergehechelt“, berichtet Gaiser. Gestört hat ihn das nicht: „Ich stand zwar unter Strom, aber schaffen tu ich ja gern“, sagt der Schwabe. Auf die Nerven ging ihm die überbordende Bürokratie. „Mich würde wirklich mal interessieren, wer das alles liest, was wir da festhalten“, sagt er. Zu Beginn seien es vier oder fünf Stunden pro Woche gewesen. Zuletzt beschäftigte ihn der Papierkram jedes Wochenende um die 15 Stunden. Der pure Irrsinn.
Ansonsten liebte er aber seinen Beruf. Die Behandlungen seien im Laufe der Jahre ganzheitlicher geworden. „Früher ist man direkt auf den Schmerz losgegangen“, erklärt Gaiser. Heute werde vieles differenzierter betrachtet: „Wenn an einer Stelle etwas blockiert oder auf den Nerv drückt, kann der Schmerz woanders entstehen. Das ist wie bei einem Wasserschlauch. Wenn ich da drauftrete, dann kommt 50 Meter weiter vorne kein Wasser mehr heraus.“
In den 1980er Jahren, als er noch im Mineralbad Berg als Masseur und medizinischer Bademeister arbeitete, war er auch nebenbei fürs Profi-Team der Stuttgarter Kickers als Physiotherapeut tätig. Inzwischen kümmern sich in den Top-Clubs ganze Stäbe aus Ärzten, Physios, Ernährungsdocs und Reha-Teams um die gesundheitliche Optimierung hochdotierter Kicker. Sein oder Nichtsein? Das hängt auch von der Verletzungsanfälligkeit ab. „Umso glücklicher sind die Kicker, wenn du sie wieder fit bekommst“, sagt Gaiser. VfB-Profis wie Thomas Berthold, Frank Verlaat, Fernando Meira oder auch der inzwischen verstorbene Rolf Geiger, der noch unter Sepp Herberger spielte, kamen zur Behandlung zu ihm. Auch Eishockeyspieler, Rollschuhtänzer und Ballettstar Marcia Haydée ließen sich von ihm durchkneten.
Manche Freundschaft ist so entstanden: „Für den Eishockeyspieler Frank Petrozza war ich Trauzeuge“, sagt Gaiser. Die Wände in seinem Massagezimmer sind zugepflastert mit Fotos und Autogrammen. Stünde da nicht die Massageliege, könnte man meinen, dass er sich hier seine eigene ‚Starschnitt‘-Ecke eingerichtet habe. In der Jugend war er selbst ein ganz guter Fußballer. Als Teenager spielte er für die Weiß-Roten in Cannstatt. Auf einem alten Mannschaftsfoto ist er selbst als 13- oder 14-Jähriger im VfB-Dress und mit langen Haaren zu sehen. Zwei Spieler weiter hockt VfB-Ikone Günther Schäfer in der ersten Reihe. Beide spielten in den 70er Jahren in der C-Jugend zusammen.
Ausbildung bei der Schickeria in Bad Füssing
Mit 16 Jahren packte Uli Gaiser seine Koffer. 1978 ging er nach Bad Füssing. Dort ließ er sich zum medizinischen Bademeister und Masseur ausbilden. Bäderkönig Eduard Zwick, der später vor dem Fiskus in die Schweiz flüchtete, gehörten damals die Thermalquellen. Die Schickeria pilgerte dorthin zur Kur. Ministerpräsident Franz Josef Strauß sei auch hin und wieder mit dem Hubschrauber aus München angeflogen und auf dem Dach des Bäderzentrums gelandet, erinnert sich Gaiser. Ihn selbst zog es aber wieder zurück nach Stuttgart. Im Mineralbad Berg heuerte er Anfang der 1980er Jahre als junger Masseur und Bademeister in der Ära Blankenhorn an und führte im ‚Neuner‘ die Wassergymnastik ein. Später machte er sich selbstständig.
Zum Jahreswechsel heißt es für Gaiser nun: Abpfiff. Aus dem Hallenbad und dem Physiopark entsteht eine Tagespflegestätte. Der 63-Jährige freut sich auf mehr Ruhe. Und auf seinen Freundeskreis: „Wenn dieser sich bisher zum Essen traf, musste ich sagen: Leider ohne mich.“ Das wird sich jetzt sicher ändern.