Stuttgarter Prüfkonzern Dekra will Zugriff auf Fahrzeug-Daten

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Der Stuttgarter Prüfkonzern Dekra fordert mehr Sicherheit rund um digitale Themen wie automatisierte Mobilität, Smart Home und Industrie 4.0. Er fordert ein internationales Regelwerk für jedes internetfähige Produkt.

Dekra-Chef  Stefan Kölbl begrüßt  die EU-Initiative zu mehr  Internetsicherheit. Foto: dpa
Dekra-Chef Stefan Kölbl begrüßt die EU-Initiative zu mehr Internetsicherheit. Foto: dpa

Stuttgart - Der Prüfkonzern Dekra mahnt mehr Sicherheit rund um digitale Themen wie automatisierte Mobilität, Smart Home und Industrie 4.0 an. „Das Spiel mit den Daten muss aufhören“, sagte Dekra-Chef Stefan Kölbl bei der Bilanzvorlage in Stuttgart. Die „Wildwestphase“ müsse beendet werden. Angesichts der Vorteile seien die Menschen bereit, Kontrolle und Verantwortung an die Technik abzugeben – vorausgesetzt die Daten seien sicher. Hier sieht Kölbl großen Handlungsbedarf, das Sicherheitsniveau halte mit der rasanten Entwicklung bei der Digitalisierung nicht Schritt.

Negativschlagzeilen über Datenlecks und Datenklau, Todesfälle mit autonomen Fahrzeugen sowie Abhörskandale im Kinderzimmer würden sich häufen. Deshalb forderte er auf internationaler Ebene ein klares Regelwerk ein. Jedes internetfähige Produkt – 2017 waren mehr Geräte miteinander vernetzt als es Menschen auf der Erde gibt, so Kölbl – brauche neue Sicherheitsstandards, die der zunehmenden Vernetzung und den steigenden Cyber-Risiken gerecht würden. Kölbl begrüßt den Vorschlag der EU-Kommission zu einer neuen Verordnung zur Internetsicherheit. Gleichzeitig fordert er den Zugriff auf ungefilterte Daten, die etwa in einem automatisiert fahrenden Auto gesammelt werden. „Nur dann können Sachverständigenorganisationen wie Dekra ihren Sicherheitsauftrag als unabhängige Dritte auch im digitalen Zeitalter zuverlässig erfüllen“, so Kölbl.

Kompetenz in Deutschland, Spanien und Taiwan

Dekra hat sich mit dem Aufbau eines internationalen Testverbunds auf zukünftige Themen vorbereitet. An Standorten in drei Ländern – in Klettwitz und am Lausitzring (Brandenburg), in Malaga/Spanien und in Hsinchu/Taiwan – sei Kompetenz rund um Fahrerassistenzsysteme, vernetztes Fahren, Produktprüfungen und elektrische Mobilität konzentriert. Ein weiteres Zentrum könnte in Nordamerika entstehen; Gespräche darüber liefen.

Der Stuttgarter Tüv-Konkurrent hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung genommen. Alle wichtigen Kennziffern – wie Umsatz, Ergebnis und Mitarbeiter – haben sich seit 2007 mindestens verdoppelt, so Kölbl. 2017 ist der Umsatz um acht Prozent auf 3,1 Milliarden Euro gewachsen. Anders als in den Vorjahren, wo Dekra kräftig zugekauft hat, wurde dieser Zuwachs fast komplett organisch erreicht. Nach wie vor ist das Geschäft rund ums Auto wichtigster Umsatzträger. Mit elf Millionen Hauptuntersuchungen im Jahr und einem Marktanteil von rund 34 Prozent sieht sich Dekra hierzulande als die Nummer eins. Deutlich zulegen konnten die Stuttgarter auch bei der Prüfung von Industrieanlagen.

Mit plus 25 Prozent den größten Umsatzsprung machte Dekra aber im Personnel-Bereich – nach eigenen Angaben sei man siebtgrößter Zeitarbeitgeber und einer der größten privaten Bildungsträger in Deutschland. In der Spitze beschäftigte Dekra im vergangenen Jahr 17 000 Zeitarbeiter. „Wir hätten 15 bis 20 Prozent mehr Geschäft mit unseren Kunden machen können, wenn wir die Mitarbeiter gehabt hätten“, so Kölbl. Dekra bildet auch Osteuropäer zu Fachkräften in der Pflege und im IT-Bereich aus. 2017 seien 1000 Pflegekräfte, die auch die Sprache gelernt haben, vermittelt worden; in diesem Jahr sollen es 1500 werden.

Es läuft weiter gut

2018 sei gut gestartet, im ersten Quartal sei der Umsatz um 7,4 Prozent gestiegen. Kölbl erwartet, dass die Dynamik anhält. Bis Jahresende soll die Zahl der Mitarbeiter auf 45 235 Personen steigen, fast 1200 mehr als Ende 2017, so Dekra-Vorstand Roland Gerdon, der das Unternehmen nun auf eigenen Wunsch verlassen wird.