Stuttgarter radelt nach Marokko Mit dem Fahrrad in den Surfurlaub

Mit leichtem Gepäck dem Ozean entgegen: Gerade ist Adrian Walz in Spanien unterwegs. Foto: privat

Der 19-jährige Stuttgarter Adrian Walz ist gerade unterwegs nach Marokko zum Surfen. Statt in den Zug oder ins Flugzeug zu steigen, radelt er jeden Tag 200 Kilometer seinem Ziel entgegen. Wie kam es dazu?

Psychologie/Partnerschaft: Florian Gann (fga)

Die Strecke, die sich Adrian Walz vorgenommen hat, entspricht in der Länge fast jener der Tour de France, und er braucht dafür auch nicht länger als die Profis: Der 19-Jährige radelt gerade die 3300 Kilometer von Stuttgart-Sillenbuch nach Marokko, mehr als die Hälfte ist schon geschafft, an diesem Freitag startete er von Murcia im Südosten Spaniens in seine nächste Etappe. Er plane, kommenden Donnerstag oder Freitag in Taghazout an der Atlantikküste anzukommen, erzählt Walz im Gespräch mit unserer Zeitung. Er hätte die Strecke dann in weniger als 20 Tagen auf dem Fahrrad geschafft. Aber warum macht er das überhaupt auf dem Fahrrad?

 

An Tag 4 wollte Adrian Walz schon abbrechen

„Die letzten vier, fünf Wochen war ich nur am Lernen, hatte kaum soziale Kontakte“, sagt Walz. „Deswegen habe ich jetzt ein Abenteuer gebraucht.“ Weil er aber auch surfen wollte, kam der Plan mit Marokko zustande. „Und weil es eine mehr oder weniger machbare Strecke mit dem Fahrrad ist“, sagt Walz. Er will täglich 200 Kilometer fahren. Einerseits als sportliche Herausforderung. Andererseits, weil er nicht endlos Zeit hat. Ende April geht sein Maschinenbaustudium am KIT in Karlsruhe weiter. Relativ günstig sei die Art des Reisens auch, mit 1000 Euro rechnet Adrian Walz für den mehrwöchigen Trip inklusive Rückreise.

Als Adrian Walz am vergangenen Montag in Stuttgart auf seine Fahrradtour startete, hatte er gleich auf den ersten Kilometern heftigen Regen, dann einen Platten und am Abend eine Ankunft im Dunkeln. Der Tiefpunkt sollte trotzdem erst später kommen. Am vierten Tag hatte er etwas Falsches zu Essen erwischt, der Magen verweigerte alle Nahrungsmittel. Walz stand kurz vor dem Abbruch. „Ich habe mich gefragt: Bringt es überhaupt noch etwas?“, erzählt er. Er hat nicht die Zeit, es viel langsamer anzugehen. Walz berät sich via Telefon mit seinem Vater zu Hause. Der sagt: „Mach einfach weiter, abbrechen kannst du auch später, falls es wirklich nicht mehr geht.“

Neun bis zehn Stunden pro Tag im Sattel

Also radelt Adrian Walz seine straffen Tage weiter. Am Morgen gönnt er sich meist eine heiße Schokolade, dann sitzt er für die 200 Kilometer neun bis zehn Stunden im Sattel, Pausen für Essen und Einkaufen nicht eingerechnet. Am Ende des Tages dann: Einen Platz für sein Zelt oder eine feste Unterkunft suchen. Viel Zeit für Sightseeing ist dabei nicht. Man sehe ja unterwegs viel, sagt Walz.

Adrian Walz hat schon mehrere intensive Fahrradtouren hinter sich. 2023 ging es mit Touren wie Köln-Amsterdam und München-Venedig los. Eine Vorbereitung auf die erste richtig große Tour: Nach dem Abitur im gleichen Jahr umrundete er die beiden Hauptinseln Neuseelands, etwa 4500 Kilometer in einem Monat, auch ein straffes Programm. Alleine unterwegs, einen halben Erdball von den Eltern entfernt: „Da bist du ausgesetzt, das war nochmal ein anderes Gefühl von Abenteuer“, erzählt Walz. Später kam noch ein Trip von Stuttgart nach Paris, 600 Kilometer in 35 Stunden, am Stück durchgefahren. Die aktuelle Tour nimmt er auch als Vorbereitung für einen Triathlon, bei dem er im Juni antreten will.

Hitze, Wasservorräte: Klappt das Radeln in Marokko?

Mit Marokko steht der herausforderndste Teil von Adrian Walz’ aktueller Tour wahrscheinlich noch bevor. „Ich muss schauen, wie es ist, in Marokko Fahrrad zu fahren. Vor allem wegen der Hitze und ob ich genug Wasser mitschleppen kann für längere Strecken, in denen kein Dorf kommt“, sagt Walz. Notfalls werde er auch mit dem Bus weiter nach Taghazout fahren. Und fest steht auch: Wenn er gegen Ende April zurückreist, wird das mit dem Flugzeug sein.

Minimalistisches Gepäck am Fahrrad

Taschen
Zwei kleine Taschen hat Adrian Walz an der Fahrradgabel für Camping-Kocher, Fahrrad- und Regenklamotten montiert. Das Zelt ist am Lenker befestigt. Snacks und Elektronik sind in Rahmentaschen verstaut.

Geschwindigkeit
Schlafsack und Schlafklamotten in der sogenannten Arschrakete, einer trichterförmigen Tasche unter dem Sattel. Das sei etwas aerodynamischer als mit Taschen auf dem Gepäckträger, sagt Walz. Bei seinen Durchschnittsgeschwindigkeiten von oft mehr 20 km/h macht das einen Unterschied.

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