Stuttgarter Rap-Kollektiv startet neue Musik-Reihe Mach einen Song und ein Musikvideo dazu, du hast einen Tag!

Musik- und Videoproduktion bei den ESY-Sessions wird innerhalb eines Tages abgewickelt. Foto: © Ivan Shvachko

Die wenigsten Hits wurden schnell mal auf der Serviette im Café geschrieben. Das Kollektiv ESY aus Stuttgart wagt etwas ähnlich Ambitioniertes und bringt regionale Künstler:innen einen Tag lang zusammen. Gewünschtes Ergebnis: neuer Song plus Video.

Stadtkind: Petra Xayaphoum (px)

Paul McCartney wachte nachts von einem Traum auf und hatte, zack, den Text zu „Yesterday“ im Kopf, den er schnell runterschrieb. Elton John komponierte die Melodie von „Your Song“ innerhalb von zehn Minuten, während Bernie Taupin den Liedtext dazu auf ein Blatt Papier auf dem Frühstückstisch schrieb. Der Großteil der Musikstücke braucht in seiner Entstehung jedoch länger als eine HIIT-Trainings-Session. Das Stuttgarter Kollektiv ESY (gesprochen wie das englische „easy“ und in Eigenschreibweise geschrieben „€$¥“) versucht sich jedoch mit seinem neuen Projekt „€$¥-Sessions“ an einer ähnlich ambitionierten Timeline und setzt sogar noch einen drauf: Nicht nur Text und Melodie sollen innerhalb eines Tages entstehen, sondern auch das passende Musikvideo dazu.

 

Ein Song, ein Video, 14 Stunden

Für das Projekt lädt die Crew rund um die Rapper des €$¥-Kollektivs, Yung Obama, Slowmoe und 9T9, verschiedene Künstler:innen aus der Region zur eintägigen Zusammenarbeit ein. Für die erste Session, deren musikalisches Endergebnis gestern Abend auf Youtube Premiere gefeiert hat, haben sich die Stuttgarter Produzenten Dexter und Luzifersfinest sowie die Rapper- und Sänger:innen Baron, Fritz, Leo aus der Band „Keine Revolte“, Elithesleepgod und 9T9 selbst zusammengefunden, um gemeinsam kreativ und produktiv zu werden. Das Ergebnis gibt es hier zu sehen und zu hören:

Gefördert wurde die erste Session vom Pop-Büro Region Stuttgart sowie der Stadt Stuttgart. Nach dem Release hoffen die Macher auf weitere Förderung, sodass es zügig mit weiteren Sessions und anderen Künstler:innen weitergehen kann. „Mit dem Projekt möchten wir etablierte erfahrene Artists, wie diesmal Dexter und Luzifersfinest, mit Newcomern und Künstler:innen aus der Subkultur zusammenbringen“, erklärt Joshua Lampe aka Yung Obama. „Dabei achten wir bei der Auswahl darauf, dass sie auch aus unterschiedlichen Musik-Bereichen kommen. Uns ist in Stuttgart nämlich aufgefallen, dass viele einzelne Grüppchen existieren, die noch nicht gut miteinander vernetzt sind.“ Die ESY-Sessions sollen das ändern.

Wie kann man sich die Planung und den Ablauf einer Session vorstellen? „Es beginnt damit, dass wir Künstler:innen scouten und uns dabei überlegen, wer sich musikalisch ergänzen oder auch einen Gegensatz bilden könnte“, sagt Joschua weiter. Sobald das Team stand, wurde im Voraus unter der Leitung des ESY-Kollektivs eine grobe Songidee, in welche Richtung der Song gehen soll, ermittelt, sodass die Produzenten bereits ein paar Beats, Samples und so weiter heraussuchen konnten, die infrage kämen. Am Produktionstag trafen sich dann Producer und Vokalist:innen um 9 Uhr im Studio und schrieben und produzierten gemeinsam bis 17 Uhr den gemeinsamen Titel, um sich im Anschluss im Studio Amore zum Videodreh zu treffen. In der Maske wurde nochmal kurz durchgeprobt und dann wurde es ernst: Der neue Song musste live performt und aufgenommen werden, in einem Onetake, also ohne Schnitt. Sieben Versuche später war um 23 Uhr das Endprodukt im Kasten.

Filmisch aufgenommen wurde dabei nicht nur der letzte Teil – der ganze Tag wurde begleitet. Die dokumentarischen Behind-the-scenes-Aufnahmen machen den kreativen Prozess, die Black Box hinter jedem künstlerischen Werk oder den sagenumwobenen „Elton-John-Bernie-Taupin-Frühstückstisch-Moment“ wenn man so will, fürs Publikum nachvollziehbar. In unserer Bildergalerie sind ebenfalls Making-of-Fotografien der ersten Session zu finden.

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