Stuttgarter Sängerin Linda Kyei Elektropop mit einer Seele aus Jazz
Die Sängerin und Musikerin Linda Kyei kann beides: Elektro und Jazz. Nun veröffentlicht sie mit ihrer Band ein Debüt-Album mit vielen Facetten.
Die Sängerin und Musikerin Linda Kyei kann beides: Elektro und Jazz. Nun veröffentlicht sie mit ihrer Band ein Debüt-Album mit vielen Facetten.
Stuttgart - Sanft, aber bestimmt reklamiert die Stimme der Stuttgarter Musikerin Linda Kyei den Klangraum für sich auf dem ersten Album der nach ihr benannten Band. Kraftvoll intoniert sie die Hymne „Behind your Eyes“, mit dunklem Timbre singt sie zum tanzbaren Beat von „Spell is gone“. Fast erzählerisch wirft sie melodische Halbsätze auf die synthetischen Klangflächen in „Chase away“. Im ätherischen „Gonna fly“ scheinen Musik und Stimme abzuheben.
„Mich haben immer Sound-Ästhetiken interessiert, nicht einzelne Elemente, sondern das Gesamte“, sagt sie. „Man soll sich wie in einer Klangwolke fühlen, als wäre man ganz eingehüllt.“ Linda Kyeis kreativer Partner ist der Schlagzeuger und Produzent Andrew Zbik, der auch bei Hitboutique die Stöcke schwingt. „2010 gab es ein erstes loses Bandprojekt, und da haben wir gemerkt, dass wir gut zusammenarbeiten“, sagt sie. „Ich war davor viel im Jazz unterwegs, hatte aber Lust auf elektronischen Sound, und da hat Andrew alles mitgebracht.“
Die Band entwickelte sich allmählich von einer klassischen Besetzung zum Elektro-Act. „Irgendwann konnten wir auch als Duo auftreten, ich spiele dann Synthesizer, Klavier und Violine, Andrew sorgt für die elektronische Klangkulisse.“ Auf der Bühne kamen oft weitere Musiker dazu, der Holzbläser Carsten Netz irgendwann als drittes Bandmitglied.
Kyei und Zbik haben sich Zeit gelassen mit dem Album. Nun präsentieren sie unter dem Titel „A Room with a View“ acht Facetten dessen, was sie „Popular Electronic Jazz“ nennen. „Man hört unsere unterschiedlichen Phasen“, sagt sie. „Eine Zeit lang war ich im House-Feeling unterwegs. Als Carsten dazukam, war klar, dass wir noch mehr aufs Sphärische gehen und das offener gestalten.“
Linda Kyei ist in Reutlingen aufgewachsen, ihr Vater stammt aus Ghana. Schon früh war für sie klar, dass Musik in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielen würde. „Als Kind denkt man ja, man wird alles Mögliche, Politikerin oder Feuerwehrfrau“, sagt sie. „Mit 13 wollte ich nur noch eins: Violine studieren, die Klassik war meine Welt.“ Sie nahm Unterricht bei der württembergischen Philharmonie, doch ein Ekzem an den Händen bremste sie aus.
„Ein Gospel-Workshop war mein Einstieg in die Popularmusik“, erzählt Linda Kyei. „Ich habe angefangen zu singen und schon während der Schulzeit Kontakte nach Stuttgart aufgebaut.“ Ihre Vorbilder sind nicht andere Sängerinnen, „eher Musik, die als Ganzes wirkt. Ich mag zum Beispiel Beady Belle aus Norwegen, die haben schon vor 15 Jahren auf der Bühne mit elektronischen Sounds gearbeitet.“
Dem klassischen Jazz ist Linda Kyei nach wie vor treu: Neben der Band hat sie auch eine Swing-Combo – in der auch Zbik trommelt und Netz Saxofon spielt. „Wir arbeiten in einem festen Kreis von 15 bis 20 Musikern in unterschiedlichen Konstellationen“, sagt Linda Kyei. Dieses Kollektiv ist ein Grund, warum für sie „Berlin gar keine Option mehr ist. Ich fühle mich hier im Süden sehr wohl, ich mag, dass es beschaulich ist und vielleicht auch sauberer. Ich habe hier ein Gefühl von Zuhause.“
Release-Konzerte: 30.7., 21 Uhr, im Bix; 8.8., 17.30 Uhr, Open Air im Römerkastell.