Stuttgarter Schauspielhaus Im Theaterdrama gerät ein Spitzenbeamter ins Visier

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Rollen nach dem Sanierungsdebakel beim Stuttgarter Schauspielhaus nun Köpfe? Finanzminister Nils Schmid will offenbar den Chef seiner Bauabteilung ablösen – nur wie, ist noch offen.

Nils Schmid denkt über Konsequenzen nach Foto: dpa 10 Bilder
Nils Schmid denkt über Konsequenzen nach Foto: dpa

Stuttgart - Es waren drängende Fragen, denen sich Ingo Rust am Gründonnerstag im Stuttgarter Schauspielhaus stellen musste. Nicht nur die Journalisten löcherten den Staatssekretär von Finanzminister Nils Schmid (beide SPD), als er ­zusammen mit Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) die neuen Verzögerungen bei der Sanierung bekanntgab. Auch Mitglieder des Ensembles erkundigten sich sichtlich erregt nach „personellen Konsequenzen“. Man möge ihr doch „Name und Adressen“ der Verantwortlichen nennen, forderte eine Zuhörerin unter dem bitteren Gelächter ihrer Kollegen.

Rust schüttete damals zwar reichlich Asche auf sein Haupt („Das ist eine mittlere Katastrophe“), blieb aber allgemein: Die Spitze des Ministeriums – Schmid weilte noch auf Türkeireise – nehme die Vorgänge „sehr ernst“, sie würden gründlich untersucht. Auch heute ist offiziell nicht viel mehr zu erfahren: Zu Personalfragen, sagt der Sprecher des Ressorts, könne man sich nicht öffentlich äußern. Hinter den Kulissen aber wird nach StZ-Informationen mit Hochdruck auch an personellen Konsequenzen gearbeitet.

Im Mittelpunkt der Überlegungen steht jener Spitzenbeamte, auf den sich der Zorn der Theaterleute schon länger richtet: Ministerialdirigent Thomas Knödler, der Leiter der Abteilung Vermögen und Hochbau. Zu seinem Bereich gehört die Bauverwaltung des Landes, die bei der Sanierung des Schauspielhauses eine höchst fragwürdige Rolle spielte. Auch im Prüfbericht des Rechnungshofes wird ihr ein Gutteil der Verantwortung für das Schamassel zugewiesen. Die Planung sei von Anfang an völlig unrealistisch gewesen, schrieben ihr die Kontrolleure ins Stammbuch. Um das zu erkennen, hätten „schon tradiertes Wissen um das Bauen und die logischen Zusammenhänge der Vorgaben“ genügt. Frühe Zweifel gab es in der Tat, nämlich bei den Theaterleuten. Doch der eigentliche Experte Knödler wischte sie vom Tisch.

Zwei Varianten: Vorzeitige Pension oder Rotation

Nun will Finanzminister Schmid, ehe die Affäre zu seiner eigenen wird, die Abteilungsspitze offenbar umbesetzen. Wie aber macht man den Posten frei? Zwei Möglichkeiten werden dem Vernehmen nach intern geprüft. Die elegante Variante wäre, wenn Knödler vorzeitig in Pension ginge – so wie die Leiterin der Landesbehörde Vermögen und Bau Amt Stuttgart, das sich im Sanierungsdebakel ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckert hat. Ilse Lange-Tiedje – so ihr Name – geht Ende September aus freien Stücken vorzeitig in den Ruhestand. Knödler, den noch wenige Jahre von der Altersgrenze trennen, scheint sich damit allerdings weniger anfreunden zu können. Dabei wurde schon nach Möglichkeiten gesucht, wie sein finanzieller Verlust ausgeglichen werden könnte.

Variante zwei hat einst Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) vorgemacht: eine Rotation unter Spitzenbeamten. Wie er einst die Amtschefs zwischen den Ministerien austauschte – ohne dass sich diese freilich etwas hätten zuschulden kommen lassen –, könnte Nils Schmid innerhalb des Ressorts Abteilungsleiter wechseln lassen. Für seine letzten Dienstjahre müsste sich der Jurist Knödler dann eben in ein völlig neues Gebiet einarbeiten. Potenzielle Nachfolger für die Bauabteilung – von innerhalb und außerhalb des Hauses – werden bereits gehandelt. An guten Leuten, hört man, mangele es nicht.

Ministerium will Verwaltung durchleuchten lassen

Dass es ernst für ihn wird, merkte Knödler auch anderweitig: Schmid untersagte ihm, weiter den Titel „Leiter der staatlichen Hochbauverwaltung“ zu führen. Das habe den extrem selbstbewussten Spitzenbeamten schwer getroffen, verlautet aus dem Ministerium. Dort wird seit Langem kolportiert, dem Abteilungsleiter sei „egal, wer unter ihm Minister ist“.

Auch zwei weitere Maßnahmen darf Knödler getrost als Misstrauensvotum werten. Zum einen will das Ministerium die Vermögens- und Hochbauverwaltung von einem unabhängigen Gutachter durchleuchten lassen. Der Auftrag wurde europaweit ausgeschrieben, untersucht werden soll unter anderem der „Ablauf von Baumaßnahmen“. Zum anderen sollen externe Sachverständige die weiteren Arbeiten im Schauspielhaus begleiten. Von ihnen erwartet Nils Schmid verlässliche Auskünfte darüber, ob und wie der Betrieb wenigstens zur neuen Spielzeit 2013/14 wieder gesichert werden kann.