Die 14-jährige Finja ist eine von 33 Schülerinnen und Schülern, die ein halbes Jahr lang mit Ocean College die Welt erkundet haben. Die Reise startete in Emden. Direkt am ersten Tag sei es an Bord spannend geworden: „Wir kamen in einen Sturm, und ich wurde seekrank“, berichtet sie. Zum Glück hätten sich schon nach kurzer Zeit die hohen Wellen wieder gelegt. Die Kraft des Meeres hat Eindruck bei der Schülerin hinterlassen: „Ich habe immer gehofft, noch mal in einen Sturm zu kommen, weil die Wellen so faszinierend waren“, erzählt sie.
Sie kann jetzt unter anderem Karten lesen und Knoten binden
Nach Stationen in England und Spanien folgte die erste Atlantiküberquerung. Zwei Wochen am Stück ging Finja in dieser Zeit nicht von Bord. „Langweilig wurde es trotzdem nicht“, sagt sie.
Der Tag sei in drei Wachzeiten aufgeteilt gewesen. Sie selbst sei meist von acht bis zwölf Uhr eingeteilt gewesen: „Während der Wache beobachtet man die See und steuert das Schiff“, erklärt Finja. Für die Schülerin, die zuvor noch nie auf einem Schiff gewesen war, war dies etwas „unglaublich Besonderes“. Am Nachmittag habe dann der Unterricht stattgefunden. Die Aufgaben bekam die Zehntklässlerin von ihrem Stuttgarter Gymnasium, Lehrer auf dem Schiff hätten sie unterstützt. „Dadurch muss ich kein Schuljahr wiederholen, sondern kann direkt in meine Klasse zurückkehren“, sagt sie.
Aber es stand natürlich nicht nur Schule auf dem Programm: „Zusätzlich lernten wir alles, was zum Segeln dazugehört“, sagt sie, darunter Karten lesen, Schiffspositionen bestimmen und Knoten binden. Dabei habe sie sich schnell mit ihren Mitreisenden angefreundet. „Nach einer Woche war es schon so, als würde ich alle bereits ewig kennen“, erzählt sie. Finja hat sich mit drei anderen Mädchen eine kleine Koje geteilt. Die Privatsphäre sei deshalb schnell mal in den Hintergrund geraten. Doch an die Enge auf dem Schiff habe sie sich schnell gewöhnt. Neben den Atlantiküberquerungen hat die 14-Jährige besonders die Landaufenthalte genossen.
Endlich wieder festen Boden unter den Füßen
Diese gab es mehrmals auf der Reise, unter anderen haben sie auf spanischen Inseln und in Costa Rica Station gemacht. Aufgrund der Coronapandemie mussten einige Landstationen jedoch entfallen. „Das war sehr schade“, findet Finja. Sie habe vor allem den Kontakt mit neuen Menschen fremder Kulturen geschätzt. „Der Tag, an dem wir Zuckerrohr mit indigenen Völkern abgebaut haben, ist mir besonders in Erinnerung geblieben“, schwärmt sie. Als sie mit ihren Gummistiefeln durch den Regenwald stapfte, sei ihr der Luxus in ihrer Heimat erst richtig bewusst geworden.
Finja selbst ist mittlerweile wieder in ihrer Heimat in Stuttgart angekommen. „Es ist ein schönes Gefühl, wieder zu Hause zu sein“, meint Finja, aber „gleichzeitig bin ich traurig darüber, dass die Reise schon vorbei ist“, sagt sie. Jetzt müsse sie erst mal wieder in den Alltag zurückfinden. Dabei denke sie oft an die Zeit auf dem Schiff zurück. Obwohl sie auf der Reise auf viele Annehmlichkeiten wie abwechslungsreiches Essen oder ihr Handy verzichten musste, habe sich dies mehr als gelohnt. „Die Reise ist, was man draus macht“, sagt die Schülerin. Für sie seien die Monate unterwegs auf dem Schiff ein „unvergessliches Erlebnis“.