Stuttgarter Sparhaushalt Aus für Klassenassistenzen: Entscheidung ist teuer und unsinnig

Dass die Kinder und Jugendlichen an der Schule Assistenz benötigen, ist unstrittig. Foto: Lichtgut/Kovalenko

Stuttgarts Spardiktat trifft die Margarete-Steiff-Schule. Die Entscheidung, Klassenassistenzen nicht mehr zu finanzieren, wird für die Stadt teuer werden, befürchtet Viola Volland.

Familie/Bildung/Soziales: Viola Volland (vv)

Dass gespart werden musste und muss, ist angesichts der großen Finanzierungslücke wegen des Rückgangs bei den Gewerbesteuereinnahmen keine Frage. Doch nun zeigt sich, was passiert, wenn Budgets gekürzt werden, ohne die Folgekosten zu bedenken. Im Fall der Klassenassistenzen an der Margarete-Steiff-Schule muss man sagen: So spart die Stadt nicht, so zahlt sie drauf.

 

Klassenassistenzen gibt es an der sonderpädagogischen Schule seit Jahrzehnten. Sie sind flexibel einsetzbar, helfen immer dort, wo sie gebraucht werden und halten den Lehrkräften den Rücken frei. Im Schnitt ist eine Klassenassistenz für sechs Kinder da – und arbeitet auch mal klassenübergreifend.

Dass Kinder mit Körperbehinderung Assistenzleistungen benötigen, ist auch bei der Stadt Stuttgart unstrittig. Es geht nur um eine Verschiebung des Budgets – weg vom Schulverwaltungsamt hin zum Sozialamt. Das zeigt sich daran, dass Eltern Einzelanträge über die Eingliederungshilfe stellen sollen. Genau das werden mit Sicherheit aber deutlich mehr Eltern tun als es bisher Klassenassistenzen gibt. Integrationshelfer sind einzelnen Kindern fest zugeordnet. Eltern müssen sicher gehen, dass auch jemand für ihr Kind da ist.

Auch der Kooperationspartner der Schule wird vor den Kopf gestoßen

Entsprechend steigen die Kosten, der bürokratische Aufwand wächst, weil für jedes einzelne Kind der Bedarf ermittelt werden muss – und das bei sinkender Leistung. Die Integrationshelfer sind dann nicht mehr flexibel einsetzbar. Doch an einer Schule wie der Margarete-Steiff-Schule ist Flexibilität unabdingbar. Dort ist es Alltag, dass manche Kinder immer wieder vorübergehend Hilfe benötigen, zum Beispiel nach Operationen. Für diese kurzfristig benötigten Assistenzen, die überbrückend tätig sind, gäbe es im neuen System keine Lösung. Die betroffenen Kinder müssten, so wird zurecht befürchtet, in Zukunft unnötig lange zu Hause bleiben.

Die Stadt zahlt aber nicht nur finanziell drauf. Sie stößt auch den zentralen Kooperationspartner der Schule vor den Kopf – ausgerechnet den Träger, der bald den Ganztag an der Schule stemmen soll. Hier sind nun Aufräumarbeiten nötig, die man sich hätte sparen können.

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