Stuttgarter Stadtbach Der Nesenbach lässt sich blicken

Von fal 

Zwischen Breuninger und Karlsplatz ist das Bett des Nesenbachs offengelegt – zum ersten Mal seit langer Zeit. Das alte Gewölbe muss dort gegen eine Betonkonstruktion ersetzt werden. Dabei könnte man den Ort auch anders nutzen.

Nahe des Karlsplatzes in Stuttgart kann man das Bett des Nesenbachs  sehen. Foto: Michael Steinert
Nahe des Karlsplatzes in Stuttgart kann man das Bett des Nesenbachs sehen. Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Stuttgart und der Nesenbach – das ist eine weithin bekannte Geschichte, die wie ein klassisches Drama von Liebe, Verrat und Trauer handelt. Denn die Stuttgarter lieben ihren Nesenbach, sie sind empört darüber, dass frühere Stadtväter ihn verraten und in einen Abwasserkanal verwandelt haben. Und sie trauern dem einst offenen und längst verschwundenen Bächlein weiter nach, wie diverse Versuche zeigen, den Nesenbach wieder sichtbar zu machen. Kein Wunder also, dass die Baustelle nahe dem Karlsplatz, wo die Firma Breuninger ihr Dorotheenquartier erstellen wird, gerade große Aufmerksamkeit erfährt: Auf etwa 30 Meter Länge ist das Bett des Nesenbachs gerade offengelegt.

Das ist notwendig, weil unter der offenen Stelle einmal ein Teil der Tiefgarage des Quartiers gebaut wird. Das Gewölbe des Nesenbachs aus Sandsteinquadern wäre zu fragil gewesen, um die Bauarbeiten zu überstehen, so Christian Witt, der Sprecher von Breuninger. Aus diesem Grund müsse das Gewölbe dort durch eine Stahlbetonkonstruktion ersetzt werden.

Stuttgarter entsorgten einst Fäkalien im Nesenbach

Davor und danach bleibt das alte Gewölbe erhalten, das 100 bis 150 Jahre alt ist und jetzt erstmals seit Jahrzehnten wieder von außen besichtigt werden kann. Um 1850, so kann man es auf alten Karten von Stuttgart sehen, floss der Nesenbach noch weitgehend offen durch die Stadt; er wurde aber damals schon missbraucht, um Fäkalien und Abfall zu entsorgen. Es stank. Im Jahr 1864 begann die Stadt deshalb damit, den Bach zu verdolen und zu überwölben. Die Arbeiten dauerten mehr als 30 Jahre. Seither ist der Nesenbach aus dem Stadtbild verschwunden.

Interessant ist daneben, dass vor dieser Überwölbung des Baches, von 1585 bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhundert hinein, genau an der jetzt offenen Stelle das Stuttgarter Schlachthaus stand, direkt über dem Bach. „Metzig“ sagte man dazu. Man darf vermuten, dass die Schlachtabfälle in den Nesenbach wanderten. In einer Karte von 1816 ist dieses Schlachthaus noch eingezeichnet. Davon ist jetzt aber im Untergrund nichts mehr zu erkennen.

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