Stuttgarter Stadtdekan Hermes Shitstorm nach Weihnachtspredigt

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Der katholische Stadtdekan Christian Hermes hat in seiner Weihnachtsansprache die „Feier der Werte“ des Stuttgarter Daimler-Gymnasiums verteidigt. Wie die Lehrer der Schule sieht sich nun auch Hermes einer Hetzkampagne im Internet ausgesetzt.

Christian Hermes wehrt sich gegen die Angriffe des Internetnetzwerks Politically Incorrect. Foto: Achim Zweygarth
Christian Hermes wehrt sich gegen die Angriffe des Internetnetzwerks Politically Incorrect. Foto: Achim Zweygarth
Stuttgart – - In der Weihnachtspredigt hat der ­katholische Stadtdekan Christian Hermes das Gottlieb-Daimler-Gymnasium gegen die hasserfüllte Kritik am „Fest der Werte“ in Schutz genommen. Nun ist er selbst Objekt von Angriffen geworden. Hermes fordert: das Internetnetzwerk „Politically Incorrect“ müsse ­vom Verfassungsschutz beobachtet werden.
Herr Hermes, Sie haben sich vor die Verantwortlichen des Fests der Werte am Gottlieb-Daimler-Gymnasium gestellt. Warum?
Man muss sicher überlegen, wie man in einer multireligiösen Schülerschaft mit dem Thema Weihnachten umgehen kann und ob das Fest der Werte des Daimler-Gymnasiums und der Kirchengemeinde Liebfrauen die geeignete Form war. Besorgt hat mich aber dieser Ausbruch von Ressentiments und diese ekelhafte Hetze gegen die Schule und die Lehrer. Da habe ich die Frage aufgeworfen, ob sich da nicht falsche Verehrer und verlogene Verteidiger auf Jesus Christus berufen, die doch nur rassistische, ausländerfeindliche und fundamentalistische Hetze betreiben.
Wie war die Reaktion auf die Ansprache?
In der Kirche gab es viel Applaus.
Und die Reaktionen im Internet?
Auf der Website PI-News gibt es zu der Ansprache 200 Kommentare, und seit Weihnachten habe ich 70 größtenteils beleidigende, aber natürlich anonyme E-Mails bekommen, vielfach Hass-Mails. Zum Teil sind es subtile Drohungen. Mit wenigen Ausnahmen bewegen sich diese auf unterstem geistigem und sprachlichem Niveau.
Diese Leute geben vor, dass sie das christliche Weihnachtsfest verteidigen wollen.
Das ist völlig abwegig, diese Äußerungen sind mit dem christlichen Glauben unvereinbar. Das Gegenteil ist der Fall bei dieser inszenierten Empörung. Ich verurteile diese Diffamierungen von hier lebenden Muslimen, das ist abstoßend und gefährlich. Es handelt sich bei diesen Leuten um einen rechten Sumpf, der im gesamten deutschsprachigen Raum aktiv ist.
Was sollte man dagegen tun?
Ich werde an die Leiterin das Landesamtes für Verfassungsschutz schreiben und fordern, dass Baden-Württemberg – genauso wie Bayern seit 2012 – die Organisation unter Beobachtung stellt. Das ist nach diesen Vorgängen in Stuttgart notwendig.
Was kann die Kirche selbst tun?
Wir werden den Dialog mit Menschen aller Religionen und Kulturen fortsetzen. Wir lassen uns von fundamentalistischen Rollkommandos nicht erschrecken.
Wie kann das Miteinander verschiedener Religionen etwa in der Schule gelingen?
Was zum Beispiel die religiösen Feste angeht, da habe ich mich schon zur Debatte über das Sonne-Mond-und-Sterne-Fest an St. Martin geäußert. Ich finde, dass es nicht die Lösung ist, dass alle Religionen sozusagen auf einen moralischen Minimalkonsens eingedampft werden. Es muss umgekehrt darum gehen, dass Kinder und Jugendliche die Tradition ihrer Religionen und Kulturen einbringen können. Wir sollten jedenfalls nicht an der Schulpforte unsere Religionen ablegen. Wir können viel voneinander lernen. Fundamentalistische Tendenzen können wir dabei nicht tolerieren, auch nicht im Christentum.

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