Stuttgarter Stadträtin kandidiert Deparnay-Grunenberg will nach Europa

Von Josef Schunder 

Nach neun Jahren im Gemeinderat wird sich die Grünen-Politikerin um einen Listenplatz für die Europawahl bewerben. Für die Rolle auf dieser politischen Bühne sieht sie sich gut gerüstet. Nicht nur, weil sie drei Pässe hat.

Beim Tag der offenen Tür im Stuttgarter Europahaus hat Anna Deparnay-Grunenberg 2017 schon mal vor der Europa-Flagge posiert – jetzt will sie auch ins Europaparlament. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Beim Tag der offenen Tür im Stuttgarter Europahaus hat Anna Deparnay-Grunenberg 2017 schon mal vor der Europa-Flagge posiert – jetzt will sie auch ins Europaparlament. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Anna Deparnay-Grunenberg zieht es ins Europaparlament. Die Vorsitzende der Grünen im Stuttgarter Gemeinderat will im kommenden Jahr für ihre Partei bei der Europawahl antreten. Das hat die 41-Jährige jetzt ihren Parteifreunden mitgeteilt. Sie werde sich am 5. Mai bei einem Landesparteitag in Leinfelden-Echterdingen darum bemühen, vom Landesverband als Kandidatin aus Baden-Württemberg für einen guten Frauenplatz auf der Europawahlliste der Bundespartei empfohlen zu werden, sagte sie unserer Zeitung. Die Stuttgarter Stadträtin ist darauf gefasst, dass sie in Leinfelden-Echterdingen mit der amtierenden Grünen-Europaabgeordneten aus Süddeutschland, Maria Heubuch, konkurrieren muss, die 2014 mit dem Listenplatz 11 gerade noch in das Europaparlament einziehen konnte.

Sollte Deparnay-Grunenberg das Votum der Landespartei versagt bleiben, könnte sie sich trotzdem noch bei der Bundesdelegiertenkonferenz am 18. November um einen Listenplatz bewerben, dann allerdings hätte sie wohl schlechtere Chancen auf eine aussichtsreiche Position.

Sie will Kommunal- und Europapolitik verzahnen

Nach neun Jahren im Gemeinderat würde Deparnay-Grunenberg gern versuchen, kommunal- und europapolitische Themen zu verzahnen. EU-Vorgaben beispielsweise auf dem Gebiet des Umweltschutzes und der Landwirtschaft hingen eng mit der Kommunalpolitik zusammen. Für Projekte wie die Stadt am Fluss gebe es Fördergelder aus Brüssel. EU-Vorgaben seien entscheidend für mancherlei Problemlösungen auf nationaler Ebene. Zudem möchte Deparnay-Grunenberg den Menschen vermitteln, dass die Europäische Union viele Stärken habe und als Friedensstifterin weiter gebraucht werde. Schwächen müsse man nicht verschweigen. Gegen Schwierigkeiten wie durch unterschiedliche Genehmigungsverfahren in Grenzgebieten oder durch europaweite Ausschreibung von Aufträgen könne man aber vorgehen. „Ich möchte die EU begreifbarer machen“, sagt Deparnay-Grunenberg, die auch schon für die französische Nationalversammlung kandidierte. Außerdem wolle sie sich auch als Politikerin weiterentwickeln. Sie fühle, dass die Zeit für diese Kandidatur reif sei, sagte sie unserer Zeitung.

Weiter voller Einsatz für Gemeinwohlökonomie und Seilbahnen

Von ihrem persönlichen Hintergrund her sieht sich die im Dachswald lebende Forstwissenschaftlerin, Mutter von drei Kindern im Alter von 13 und 15 Jahren, auch für eine Rolle in der Europapolitik berufen. Die Tochter eines deutschsprachigen Schweizers und einer Französin hat drei Pässe: einen französischen, einen schweizerischen und einen deutschen. Sie ist mehrsprachig und schätzt sich als „kultursensibel“ ein. Wenn die Verwandtschaft an Weihnachten am Tisch sitze, werde in sechs Sprachen gesprochen, sagt sie.

Die Amtsperiode bis zur Neuwahl des Gemeinderats, die voraussichtlich am selben Tag wie die Europawahl stattfindet, will Deparnay-Grunenberg auf jeden Fall zu Ende bringen. Auch Vorsitzende der Grünen-Fraktion neben Co-Chef Andreas Winter will sie trotz eines Europawahlkampfes bleiben, so lange die Fraktion das zeitlich und praktisch für machbar hält. Für kommunalpolitische Herzensanliegen wie die Gemeinwohlökonomie und den Bau einer Seilbahn in Stuttgart werde sie sich weiter gewohnt engagieren, kündigte sie an.

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