Neue App aus Stuttgart Idee nachts in Hongkong: Eine App will Menschen wieder zusammenbringen

Freunde im realen Leben wiedertreffen, das ist das Ziel der App Anear. Foto: stock.adobe.com

Der eigene Bekanntenkreis lebt über die halbe Welt verstreut? Eine neue App zeigt an, wer sich gerade in derselben Stadt befindet – und soll die Menschen wieder zusammenbringen.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Maic Mattis ist in seinem jungen Leben schon rumgekommen. Sein Abitur hat der gebürtige Stuttgarter an der Waldschule in Degerloch gemacht, anschließend studierte er in Tübingen, Mannheim und St. Gallen in der Schweiz. Ein Auslandssemester absolvierte er in Hongkong. Dort begegnete er im März 2025 mitten in der Nacht zufällig einer Freundin.

 

„Das hat für mich den Ausschlag gegeben“, sagt der 25-Jährige. Schon lange habe er die Idee gehabt, eine App zu entwickeln, die es einem ermöglicht, ehemalige Weggefährten in der realen Welt wieder zu treffen.

Nun wollte er das Thema endlich angehen. Maic Mattis versuchte zunächst mit AI-Tools, also mit Hilfe Künstlicher Intelligenz, eine App zu programmieren. Aber zufriedenstellend funktioniert habe das nicht. Ein wirklich gutes Produkt sei erst entstanden, nachdem er mit Markus Andreas Thies einen Profi für sein Projekt gewonnen habe.

Seit Anfang November ist die kostenlose App Anear im App Store und Google Play Store verfügbar. Der Name kommt aus dem Alt-Englischen und bedeutet „In der Nähe“. Knapp 1000 User europaweit haben sich die App bisher heruntergeladen. Sie erfasst den Standort, zeigt aber lediglich die Stadt an, in der man gerade ist – zum Beispiel jetzt über die Feiertage, wenn viele für ein paar Tage in ihre Heimat zurückkehren. Sichtbar ist diese Information ausschließlich für befreundete Nutzer. Befindet man sich in einem sehr kleinen Ort, wird die nächstgrößere Stadt als Standort angezeigt. So sollen Online-Stalking und Tracking verhindert werden.

Schutz personenbezogener Daten ist wichtig

Auch der Schutz personenbezogener Daten ist den App-Entwicklern wichtig. „Wir erstellen keine Bewegungsmuster, sammeln keine personenbezogenen Daten und nutzen Server in Deutschland“, betont Maic Mattis. Zudem biete die App keine Möglichkeiten für Selbstdarstellung. „Man kann nichts posten oder liken und abgesehen von einem Profilbild auch keine Fotos hochladen“, sagt Maic Mattis. Er selbst habe die Erfahrung gemacht, dass so etwas nicht gut tut. Man verbringe schnell zu viel Zeit mit solchen Dingen und vergleiche sich immer wieder mit anderen.

Maic Mattis (links) und Markus Andreas Thies haben die App Anear entwickelt. Foto: privat

Ein kleines Team von mittlerweile vier Personen programmiert stetig neue Features und Verbesserungen für Anear. Geld verdienen lasse sich damit noch nicht, sagt Maic Mattis, der aktuell seine Masterarbeit schreibt. „Wir arbeiten daran, weil wir die Idee gut finden“, sagt er. Der Plan sei, künftig kostendeckend zu sein.

Künftig könnte stadtbezogene Werbung geschaltet werden

Für die Nutzerinnen und Nutzer soll die App auf alle Fälle kostenlos bleiben. „Wir wollen auch keine personalisierte Werbung schalten“, verspricht Maic Mattis. Die Idee sei aber, künftig „stadtbezogene Werbung“ auszuspielen, also zum Beispiel Veranstaltungstipps für den Ort, in dem man sich gerade befindet. Vielleicht könne man später auch noch Restaurants und Cafés hinzunehmen oder gar Tickets für verschiedene Events direkt über die App verkaufen.

Auf alle Fälle soll die Grundidee erhalten bleiben: „Wir wollen die Leute wieder zusammenbringen, und zwar in der realen Welt.“ Früher sei es einfacher gewesen, seine Freunde zu treffen, weil man selten weit voneinander entfernt gewohnt habe. Heute sei der Bekanntenkreis oft über die ganze Welt verteilt. Der Grundgedanke der sozialen Medien sei es einst gewesen, hier gegenzusteuern. Aber viele Plattformen hätten sich mittlerweile weit davon entfernt. „Wir wollen diesen Grundgedanken wiederbeleben“, sagt Maic Mattis.

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