Stuttgarter Straße in Leinfelden-Echterdingen Verein fremdelt mit Verkehrsberuhigung

Sogar im  Lockdown und sonntags ist viel los auf der Stuttgarter Straße in Unteraichen. Foto: Natalie Kanter
Sogar im Lockdown und sonntags ist viel los auf der Stuttgarter Straße in Unteraichen. Foto: Natalie Kanter

Breitere Gehwege, sichere Radwege, weniger Autolärm: In Unteraichen – einem Teil von Leinfelden-Echterdingen – soll eine Anliegerstraße umgestaltet werden. Doch dagegen regt sich Widerstand. Warum eigentlich?

Leinfelden-Echterdingen - An der Stuttgarter Straße in Unteraichen herrscht reger Betrieb. Autos rauschen über die Fahrbahn, die zur Firma Roto Frank führt. Die Straße ist eine Anliegerstraße. Anwohnern und Mitarbeitern der angrenzenden Firmen ist es dort erlaubt, zu fahren. Auch wer zum nahen Einkaufszentrum FEZ will, darf diesen Weg nutzen. Über die Straße rollen aber auch viele, die nach Stuttgart oder zur Autobahn wollen.

Nun aber soll „dem motorisierten Individualverkehr eine emissionsfreie Alternative“ entgegengesetzt sowie „die Aufenthaltsqualität der Straße wesentlich erhöht“ werden, wie die Stadtverwaltung am 18. Dezember 2020 auch an die Unteraicher Bürger geschrieben hat. Bereits von Juli an soll diese Straße – zunächst im Abschnitt Fasanenweg/Meisenweg – saniert und umgestaltet werden.

Die Wege für Fußgänger und Radfahrer sollten breiter und damit sicherer werden. Die Fahrbahn soll derweil schmaler werden, um die Geschwindigkeit der Autos, die dort unterwegs sind, und den damit verbunden Lärm zu drosseln. Sitzpoller und Fahrrad-Abstellbügel sollen eingerichtet, Bäume, Sträucher und Stauden gepflanzt werden. Im Jahr 2022 soll die Sanierung im Abschnitt Meisenweg/Hohenheimer Straße weitergehen.

Unteraicher Bürger legen Veto ein

Rund 940 000 Euro wird allein der erste Bauabschnitt kosten. Zur Umsetzung sollte der Gemeinderat kürzlich grünes Licht geben. Doch der Punkt wurde auf Antrag der Freien Wähler/FDP, der SPD und mit Unterstützung der L.E. Bürger/DiB vertagt. Denn die Unteraicher Bürger hatten kurz zuvor ihr Veto eingelegt.

Der Verein, der sich seit mehr als zehn Jahren für die Belange Unteraichens einsetzt, kann sich mit den Umbauplänen nicht anfreunden. Und zwar unabhängig davon, dass das Infoschreiben der Stadt zunächst beim Vorsitzenden Achim Weinmann nicht angekommen ist. Der Brief ging – trotz richtiger Adresse – an den Absender zurück und wurde Mitte Januar erneut verschickt – diesmal per E-Mail. Erst kurz vor einer Ausschusssitzung, in der das Sanierungsvorhaben behandelt wurde, hatte Weinmann die Informationen erhalten und verschickte für die entscheidende Gemeinderatssitzung – zwei Wochen später – eine Stellungnahme an die Fraktionen und die Verwaltung.

Achim Weinmann kritisiert die „massive Verkehrsberuhigung der Stuttgarter Straße“, die zur „reinen Wohnstraße degradiert werden soll“. Ein Begegnungsverkehr zwischen einem Auto und einem Lastwagen oder Bus wäre dort dann nur noch im Schritttempo möglich. Andere Straßen in Unteraichen und deren Anwohner würden so künftig deutlich mehr belastet. Im Gespräch mit unserer Zeitung fragt er: „Wer soll auf den breiten Gehwege denn laufen?“ Und setzt nach: „Dort läuft so gut wie keiner.“

Wunsch nach alternativen Lösungen

Unteraichen brauche zunächst alternative Lösungen zur Verkehrsführung, eine Nord-Süd-Straße – auch südlich der Autobahn – oder eine Nordspange müssten gebaut werden, bevor man die Stuttgarter Straße in solchem Maße zurückbaue, argumentiert er.

Ein Verkehrsgutachten für Unteraichen ist gerade in Arbeit. Darin wird laut der Bürgermeisterin Eva Noller auch der Bau der Nordspange geprüft. Die Stadtwerke und die Netze BW wollen an dem Verbindungsweg aber zeitnah Kanäle erneuern und Leitungen verlegen. Da biete es sich an, alles in einem Guss zu machen. Auch deshalb möchte die Stadt so schnell wie möglich mit dem Umbau beginnen. Bürgermeisterin Eva Noller sucht nun das Gespräch mit den Unteraicher Bürgern. Das Gespräch – bei dem auch Fraktionsvertreter dabei sind – soll in wenigen Tagen stattfinden, damit die Sache noch im Februar entscheidungsreif ist.

„Das Ding ist auch nicht ganz billig“, erklärt derweil Achim Weinmann. „Und passt so nicht in die jetzige Zeit.“ Für ihn gebe es wichtigere Dinge, beispielsweise die Frage, wie es mit dem Leinfelder Hallenbad weitergeht.




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