Stuttgarter Tatort Megastau in der Messehalle

Von Jürgen Löhle 

Die Neue Weinsteige zieht für die Dreharbeiten zum Stuttgart-Tatort „Stau“ nach Freiburg um. 100 Meter Fahrbahn wurden nachgebaut – herbstliches Schmuddelwetter inklusive.

Sieht echt aus, ist es aber nicht: Die Neue Weinsteige als Modell. Foto: SWR/Alexander Kluge
Sieht echt aus, ist es aber nicht: Die Neue Weinsteige als Modell. Foto: SWR/Alexander Kluge

Stuttgart - Einen Stau in Stuttgart drehen? Eigentlich nichts leichter als das. Wenn die Landeshauptstadt etwas im Überfluss anzubieten hat, dann stehenden Verkehr. Trotzdem musste man für den Tatort „Stau“, der übrigens zunächst einmal „Stillstand“ heißen sollte, Studiobedingungen schaffen. Der Film spielt zwar tatsächlich überwiegend im alltäglich-schwäbischen Verkehrsinfarkt, aber die Neue Weinsteige zusätzlich für Dreharbeiten tagelang zu sperren – das hätte der stau­gewöhnte Stuttgarter wohl doch nicht vertragen.

Also musste man Stuttgarts Panoramastraße andernorts nachbauen. Und so verlegte die Crew um den Produktionsleiter Michael Bentkowski und den Szenenbildner Klaus Peter Platten die Straße in eine südbadische Messehalle in Freiburg. Im Breisgau entstanden dann unter Dach etwa hundert Meter Neue Weinsteige, angelegt in einer sanften Linkskurve. Bis zu vierzig Autos wurden in den simulierten Stau gestellt, die Straßenbegrenzung aus Steinmauern und Pflanzen originalgetreu und in aufwendiger Handarbeit nachgebaut. Drei Wochen drehte die Crew des Regisseurs Dietrich Brüggemann bis zu elf Stunden täglich in der dunklen Halle. „Die Stimmung am Set war, trotzdem oder deswegen, großartig“, sagt der Regisseur gegenüber swr.de

Nur den Blick ins Tal kann man nicht nachbauen

Und der Aufbau eine Art Gesamtkunstwerk. Der Gehweg an der Seite der Weinsteige wurde aus nicht knarzendem Sperrholz nachgebaut, die künstliche Straße während des Drehs mit Wasser besprengt und herbstlichem Laub drapiert. Dazu musste auch das herbstliche Schmuddellicht erzeugt werden und künstlich qualmende Auspuffe die Szenerie perfekt manchen. „Aber das macht auch großen Spaß“ schwärmt Brüggemann, „das Spektakel, der Zirkus, die diebische Freude, etwas Größenwahnsinniges herzustellen.“

Eines konnte man aber trotz allen Aufwands natürlich nicht nachbauen – den Blick von der Neuen Weinsteige hinunter in die Stadt. Der wird nachträglich elektronisch eingespielt. Neunzig Minuten geht ein normaler Tatort, anderthalb Stunden haben die Herren Kommissare Lannert und Bootz Zeit im Stau den bösen Buben des Plots zu finden. Im echten Stuttgarter Stadtverkehr bräuchten die Filmpolizisten sicher noch ein paar Minuten länger Zeit.

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