Stuttgarter Tennis Grand Prix Swiatek vs. Sabalenka – das Duell der Tennis-Königinnen

Grenzenloser Jubel: 2022 gewinnt die Polin Iga Swiatek ihren ersten von bisher zwei Titeln in Stuttgart. Foto: //Hansjürgen Britsch

Sie sind die Favoritinnen in Stuttgart – mit leichtem Vorteil für Aryna Sabalenka: Während es für das Tennis-Powerpaket aus Minsk bestens läuft, hadert die introvertierte Iga Swiatek ein wenig mit sich selbst.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Weil sie in ihrer Karriere lange Zeit nur den Weg nach oben kannte, hat Iga Swiatek in den vergangenen Monaten Neuland betreten. Denn es lief nicht so gut wie gewohnt für die Polin, die in Summe 75 Wochen die Weltrangliste angeführt hat – und die in Stuttgart 2022 und 2023 jeweils mit dem Turniersieg und dem Siegerauto davon gerauscht war.

 

Dabei besitzt die aktuelle Talsohle der 23-Jährigen eine starke mentale Komponente – und hat daher in erster Linie gar nicht mal mit dem Umstand zu tun, dass Iga Swiatek seit ihrem French-Open-Erfolg von 2024, es war ihr vierter Grand-Slam-Sieg an der Seine, kein Turnier mehr gewonnen hat.

Swiatek weiß um Vorbehalte

„Ich weiß, dass ich mich derzeit voll im Spotlight bewege – und jeder meiner Schritte argwöhnisch beäugt wird“, sagte Swiatek daher am Montagmittag, als sie auf dem Pressepodium der Porsche-Arena Platz genommen hatte. Frisch und fokussiert sah sie dabei aus, weil „hier in Stuttgart ja auch immer einige polnische Fans auf der Tribüne Stimmung machen.“ Mit dem Einstieg in die Sandplatzsaison soll es also aufwärts gehen. Hatte die junge Frau zuvor doch ein paar unschöne Dinge zu verarbeiten gehabt, die nur indirekt mit Volley, Slice und Vorhand-Winnern zu tun hatten.

Los ging die schwarze Serie am 12. September des vergangenen Jahres mit der Mitteilung der International Tennis Integrity Agency (ITIA), sie aufgrund eines positiven Dopingtests vom 12. August 2024 im Vorfeld des Turniers in Cincinnati für einen Monat zu sperren. In Swiateks Körper wurde der Wirkstoff Trimetazidin nachgewiesen, was die Spielerin auf ein verunreinigtes, nicht rezeptpflichtiges Schlafmittel zurückführte, welches sie als Vielfliegerin nutze.

Die ITIA glaubte ihr, stufte den Fall als minder schwer ein – obwohl es in Bezug auf den Missbrauch von Trimetazidin, das eigentlich bei Durchblutungsstörungen des Herzens angewendet wird, gerade durch Spitzensportler auch deutlich andere Meinungen gibt.

Anfang März rückte sich Swiatek dann beim Turnier in Indian Wells erneut selbst in den Negativfokus, als sie verärgert mit dem Schläger einen Ball zwar auf den Boden, aber in Richtung eines Balljungen zurückschlug – und diesen beinahe getroffen hätte. „Wenn ich hoch fokussiert spiele und wenig Emotionen zeige, werde ich als Roboter abgestempelt“, erklärte Swiatek, nachdem sie sich beim Balljungen entschuldigt hatte: „Wenn ich dagegen Gefühle zeige, werde ich als unreif oder gar hysterisch abgestempelt.“

Beim anschließenden Turnier in Miami musste die Nummer zwei der Welt dann die Hilfe des Sicherheitsdienstes in Anspruch nehmen, nachdem sie und ihre Familie von einem durchgeknallten Fan beim Training übelst beschimpft wurden. Während für die introvertierte, aber doch meinungsstarke Polin beim bislang letzten Turnier in Miami im Viertelfinale das Aus kam, läuft es für Aryna Sabalenka, die Nummer eins der Welt und zweite große Turnierfavoritin von Stuttgart, derzeit bestens.

Eitel Sonnenschein bei Sabalenka

Also posierte die Weißrussin unter der Sonne Floridas zum Abschied bestens gelaunt mit der Patentochter auf dem Schoß für das Siegerfoto. Schließlich lag ein goldener März hinter ihr: Denn der Finalteilnahme in Indian Wells war der Turniersieg in Miami gefolgt. Das bedeutete den 20. Titel in der Karriere des Powerpakets aus Minsk. „Sie ist die beste Hartplatzspielerin der Welt“, sagte ihre unterlegene Finalgegnerin Jessica Pegula.

Allerdings folgt nun der Belagwechsel auf Sand, was auch mit ein Grund dafür sein könnte, dass Sabalenka trotz dreier Finalteilnahmen beim Tennis Grand Prix im Neckarpark bisher noch keinen Titel gewinnen konnte. Denn die 1,82 Meter große Athletin, die auf dem Unterarm einen brüllenden Tiger („Ich bin im Jahr des Tigers geboren“) als Tätowierung trägt, liebt das schnelle Angriffsspiel, unterstützt von einem knallharten Aufschlag, mit dem sie bereits 214 Stundenkilometer erreicht hat. Der langsamere Sand ist da nur hinderlich.

Auch in ihrer Außenwirkung bildet Sabelenka, die kraftvolle Macherin, einen Gegenpol zu Swiatek, die sie bereits zweimal als Nummer eins abgelöst hat.

Gnadenlos auf dem Court

Drei Grand-Slam-Siege, darunter die Australian und die US Open des Vorjahres, konnte die 26-Jährige bisher für sich verbuchen. Während Sabalenka auf dem Court mit ihren Gegnerinnen häufig keine Gnade kennt, ist sie abseits des Tennis für jedwede Form von guter Laune zu haben. „Es ist gut, dass es zwei Arynas gibt, eine auf und eine neben dem Platz“, sagt die Belarussin über sich selbst. „Wenn ich außerhalb des Courts so wäre wie darauf, dann wäre ich wahrscheinlich sehr alleine.“

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