Stuttgarter Theaterhaus-Jazztage Joachim Kühn und Michael Wollny: „Alles rauslassen!“
Zum Abschluss der 34. Theaterhaus-Jazztage hat Joachim Kühn zusammen mit Michael Wollny seinen 80. Geburtstag gefeiert.
Zum Abschluss der 34. Theaterhaus-Jazztage hat Joachim Kühn zusammen mit Michael Wollny seinen 80. Geburtstag gefeiert.
Für Werner Schretzmeier ist es der krönende Abschluss der 34. Theaterhaus- Jazztage. Und auch das Stuttgarter Publikum ist begeistert, dass hier am Dienstag der 80. Geburtstag des fantastischen Pianisten Joachim Kühn gefeiert wird. Das Ständchen gibt der auf Ibiza lebende Sachse natürlich selbst. Dazu hat er den nicht minder begabten Kollegen Michael Wollny aus Unterfranken zum Duo auf die Bühne gebeten.
Was die beiden Tastenkünstler dort anstellen, mit welch überbordender Fantasie und klarem Gestaltungswillen sie Jazz machen, einander anspornen, sich ergänzen, abstoßen und anziehen wie Magnete, das ist phänomenal. Technische Hürden nehmen die beiden mit Leichtigkeit. Blicke tauschen sie selten; man versteht sich blind. Gebannt lauscht das Publikum den hochenergetischen Improvisationen, lässt sich hinausführen ins Freie, wo Klaviertöne Kapriolen schlagen, Klänge durcheinander purzeln, wo Wildes unerwartet auf Zartes trifft, um harmonisch auszuklingen. Als käme die Musik, nachdem sie sich ausgetobt hat, nach einem tollen Ausflug heim.
Die Technik der beiden Jazzpianisten beeindruckt die Menschen im großen Saal des Theaterhauses. Kühn und Wollny öffnen ihnen den Zugang zu unerhörten Klangwelten voll wilder Schönheiten. Zwei Flügel, ein Flug, zwei Herzen, eine Seele, zwei Generationen, ein Jazz. Einzelne zögerlich gespielte Töne werden allmählich verdichtet und verflüchtigen sich bald darauf als Klangwolken, aus denen wie ein Mairegen die Töne des Themas herabfallen. Kühn, der seinen Namen weiß Gott zu Recht trägt, beugt sich mit vorgewölbter Unterlippe wie ein trotziges Kind tief über Ebenholz und Elfenbein, während Wollny mit dem ganzen Körper ständig in Bewegung ist, als wolle er tanzend vorwegnehmen, was er gleich spielen wird. Bei ihren musikalischen Ausflügen streifen sie die dunkle Seite der Romantik, nähern sich virtuos klassischer Moderne, streuen Neutönerisches ein und bleiben improvisierend doch immer im Jazz.
Auf hereinbrechenden Rhythmuswellen, vom kanadischen Kontrabassisten Chris Jennings und von Eric Schaefer am Drum-Set kraftvoll erzeugt, lässt sich Kühn im zweiten Set davontragen. „Noch mal alles rauslassen!“, sagt er zu Wollny, der noch einmal am zweiten Flügel Platz nimmt. Lustvoll groovend und mit expressiver Wucht beendet die Band mit dem überragend spielenden Jubilar, seinem kongenialen Partner und mitreißendem Pianojazz die 34. Jazztage. Die Vorbereitungen für die 35., versichert Theaterhauschef Schretzmeier, haben begonnen.