Filder-Serie: Mein 2016 Neue Chance für den TSV Georgii Allianz

Von Rebecca Beiter 

Die Allianz will zurück, wohin mit den Sportlern? Klaus Müller, ehemaliger Vorstand des Sportvereins der Allianz, musste 2016 um den TSV bangen.

Klaus Müller blickt zurück auf sein Lebenswerk, den TSV Georgii-Allianz. Foto: Rebecca Beiter 10 Bilder
Klaus Müller blickt zurück auf sein Lebenswerk, den TSV Georgii-Allianz. Foto: Rebecca Beiter

Vaihingen - Die Fußballer wurden abgeworben, die Tennisspieler wollen den Verein wechseln. Es steht nicht gut um den TSV Georgii Allianz am Ende des Jahres 2016. Die Allianz-Versicherung beansprucht das Gelände des Sportvereins für sich; ihre neue Zentrale soll dort gebaut werden.

Lange blickt Klaus Müller auf die Sportstätten des TSV Georgii-Allianz. Prüfend wandert sein Blick aus dem Fenster der Vereinsgaststätte über den Fußballplatz, bevor der ehemalige Vorsitzende des Vereins an seinem Espresso nippt. „Das ist meine zweite Heimat.“ Müller kennt hier alles und jeden; die Bedienung grüßt er mit Vornamen. Er hat wie kein anderer den TSV Georgii Allianz in den vergangenen Jahrzehnten geprägt. 1974 trat er in den Verein ein; damals trainierte er Leichtathletik, „doch die Zeiten sind vorbei“, sagt der 76-Jährige schmunzelnd. 35 Jahre lang – seit 1981 – stand Müller als Vorsitzender an der Spitze des TSV Georgii Allianz. Im Oktober gab er sein Amt ab, er stellte sich nicht mehr zur Wahl.

Müller könnte stundenlang über seinen TSV sprechen. Nur bei den Ereignissen des vergangenen Jahres stockt er. Das Versicherungsunternehmen Allianz plant einen Umzug auf das Sportgelände. Einen Plan, was mit dem Verein geschehen solle, gab es nicht. Wohin mit den mehr als 1000 Mitgliedern? Das fragte sich der Plieninger Klaus Müller. Den Sportlern stehen derzeit noch auf den Plätzen am Schwarzbach unter anderem zwei Fußallplätze, eine Leichtathletik-Anlage, ein Beachvolleyballfeld, mehrere Tennisplätze und eine Turnhalle zur Verfügung.

Doch es droht ein Platzverweis; die Grünfläche wird ab 2018 zu Stahlbeton. Dann wird der Bau der Zentrale beginnen, 2020 soll sie fertig gebaut sein. Müller fällt es nicht leicht, über diesen turbulenten Frühling zu reden. Sein Lebenswerk stand auf dem Spiel. „Ich war geschockt.“ Doch ihm ist wichtig, „diese Sache“ nicht zu dramatisieren, er bleibt diplomatisch. „Wer zahlt, bestimmt“, daran könne man nichts ändern. Die Allianz habe schließlich auch viel Gutes für den Sport getan und sei fair in die Gespräche gegangen.

Der Bestürzung folgt die Kündigungswelle

Der Platzwart in der Ferne lenkt Müller ab. Er beobachtet, ob dieser seine geliebte Sportstätte auch sauber hält. „Die Gretchenfrage war: Wie um Gotteswillen soll es weitergehen?“ Die Pläne der Allianz sorgten für Unruhe im Verein. Im Juli erreicht Müller die erste Kündigungswelle, die Unsicherheit kostet Mitglieder. Das legte sich im Juli. Gespräche zwischen Allianz, dem Verein und dem Amt für Sport und Bewegung ergaben, dass der TSV weiterhin existieren soll. „Das war das rettende Signal: Wir bleiben bestehen“, sagt Müller. Die umliegenden Vereine des Sportgebiets boten ihre Hilfe an, ihre Hallen und Plätze gemeinsam zu nutzen.

Die Hallensportler konnten im Sommer aufatmen: Die alte Halle wird zwar abgerissen, doch die Allianz sicherte zu, auf dem Gelände eine Neue zu bauen Tischtennis und Volleyball sind gerettet, laut Müller zwei der wichtigsten Sportarten, die für den Nachwuchs im Verein sorgen. Ein Problem bleiben die Außensportarten. Denn eins ist klar: Auf dem Gelände des TSV wird ein Gebäude stehen. Da ist kein Platz mehr für die Aschenbahn oder Tennisplätze. Das weiß auch Müller, als er nach seinem Espresso über das Vereinsgelände läuft. Die Arbeit des Platzwarts begutachtet er noch einmal aus der Nähe.

Im Oktober kam die Nachricht: Der Vorstand des TSV wechselt, Heidemarie Haas beerbt Müller als neue Vorsitzende. Verlässt der Kapitän das sinkende Schiff? Dem entgegnet Müller nachdrücklich: „Das Schiff sinkt nicht!“ Seine Entscheidung, sein Lebenswerk, seine Heimat an einen neuen Vorsitzenden abzugeben, reifte seinen Aussagen nach schon lange vor der Nachricht, dass die Allianz herziehen wird. „Mit über 70 ist einfach einmal Schluss.“ Und diesen Entschluss wollte er fassen, bevor sein Körper ihn dazu zwinge. „Mir war wichtig, eine Zukunft zu sehen, bevor ich abgebe.“

Vom Schock hin zur positiven Hoffnung

Diese Zukunft zeichnete sich tatsächlich Ende 2016 ab. „Wenn der Fußball wegbräche, würde das dem Verein erheblich schaden“, sagte Müller noch im Juli. Jetzt – sechs Monate später – ist seine Befürchtung eingetreten: Die Fußballer wurden großteils abgeworben. Doch ein neuer Fußballplatz soll her, und zwar auf das Gelände der früheren Sport-Insel. Er hofft, der Platz werde die Fußballer wieder anlocken, mahnt aber: „Nachbarschaftshilfe heißt, keine Sportler aggressiv abzuwerben.“

Ein Fazit über sein Jahr 2016 zu ziehen, fällt Müller schwer, am ehesten träfe die Beschreibung vom Schock hin zu positiver Hoffnung zu. Ob er zurück wolle in den Vorstand? Er zögert, aber dann lehnt er klar ab. Wehmut sei kein guter Wegbereiter. Und 2017 werde endlich ruhiger. Ein neues Ehrenamt möchte er nicht übernehmen. „Meine Frau riet mir oft, doch gleich das Bettzeug mitzunehmen, wenn ich zum Verein fuhr“, erzählt er auf dem Weg zum Parkplatz. Diese Zeiten sind für Müller nun endgültig vorbei.

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