Stuttgarter Verkaufsportal Mädchenflohmarkt meldet vorläufig Insolvenz an
Jetzt also doch: Nach monatelangen Querelen um ausstehende Zahlungen erklärt das Stuttgarter Onlineportal Finanzierungsverhandlungen für gescheitert. Und nun?
Jetzt also doch: Nach monatelangen Querelen um ausstehende Zahlungen erklärt das Stuttgarter Onlineportal Finanzierungsverhandlungen für gescheitert. Und nun?
Monatelang ist spekuliert worden, am Freitag herrschte dann Klarheit: Das Stuttgarter Unternehmen Mädchenflohmarkt ist zahlungsunfähig. „Heute ist ein trauriger Tag, denn unsere Finanzierungsverhandlungen der letzten Wochen und Monate sind gescheitert und wir mussten vorläufige Insolvenz anmelden“, heißt es in einer Mail an die Kundinnen des Verkaufsportals für gebrauchte Damenmode. Mehr als 1,5 Millionen Nutzerinnen sind nach Firmenangaben registriert. Damit gibt es zumindest eine Erklärung für Kundinnen, die seit Wochen und Monaten vergeblich auf die Auszahlung ihrer Verkaufserlöse warten, obwohl es laut App nur fünf bis sieben Tage dauern soll, bis das Geld auf dem Konto ist.
Massive Kritik an Mädchenflohmarkt gibt es seit spätestens Anfang dieses Jahres. Auch die Verbraucherzentrale warnt vor der Nutzung des virtuellen Verkaufsmarkts. Kundinnen, die auf Geld warten, wird schon lang empfohlen, Fristen zu setzen und nach Ablauf Strafanzeige zu stellen. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat bereits im März gegenüber unserer Zeitung bestätigt, dass gegen ein Unternehmen aus Stuttgart, das eine Verkaufsplattform für Kleidung betreibt, Anzeigen erstattet wurden und dass geprüft werde, „ob zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für strafrechtlich relevantes Verhalten bestehen“. Zuletzt hatte es auf Nachfrage geheißen, die Prüfungen dauerten an. Mitte März hatte eine Sprecherin gegenüber unserer Zeitung versichert: „Mädchenflohmarkt ist nicht zahlungsunfähig.“
Im Firmenstatement heißt es nun: „Wir haben alles versucht und bis zum letzten Moment gekämpft, weil wir so sehr daran glauben, dass Second Hand die Modebranche ein ganzes bisschen besser macht.“ Zwischenzeitlich sei das Geschäftsmodell profitabel gewesen, „das aktuelle Marktumfeld jedoch, geprägt von Rezession und Kaufzurückhaltung, lässt in den kommenden Monaten keinen positiven Ausblick zu“. Die Zeiten seit Corona seien turbulent gewesen, seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges sei die Verunsicherung der Märkte und der Konsumenten aber zu groß. „Wir waren nicht in der Lage, in dieser unberechenbaren Krisenzeit zu bestehen“, liest man.
Fakt ist jedoch: Bereits zuvor war es nicht rund gelaufen. Mitte Januar sind im Bundesanzeiger die Geschäftszahlen für 2020 veröffentlicht worden, und dort ist von einem Jahresfehlbetrag in Höhe von 2,4 Millionen Euro die Rede. Im Jahr zuvor hatte der Fehlbetrag demnach bei 1,6 Millionen Euro gelegen. Wie es weitergeht, ist unklar. Aufgrund der Insolvenzanmeldung könnten aktuell keine Auszahlungen geleistet werden. „Dennoch möchten wir dir versichern, dass wir in enger Zusammenarbeit mit unserer Insolvenzverwaltung intensiv nach einer Lösung suchen werden, um den entstandenen Schaden für alle Beteiligten so weit wie möglich zu minimieren“, heißt es in der Mail an die Kundinnen. Aktuell werde ein Konzept erarbeitet, wie man weiterarbeiten könne.