Die Stadtverwaltung lässt den Waldbeirat im Regen stehen.

Stuttgart - Klimastabil soll der Stuttgarter Wald sein. Tiere sollen in ihm Schutz finden. Und der Mensch soll sich in ihm erholen können. Diese drei Dinge sollen in den kommenden zehn Jahren Priorität haben, wenn es um den Wald geht. In den Hintergrund dagegen soll die Nutzfunktion rücken. Also es soll nicht mehr so viel Wert darauf gelegt werden, mit den gefällten Bäumen Geld zu verdienen. Das hört sich eigentlich spitze an. Doch wer nun glaubt, dass die Stadtverwaltung in Zukunft weniger Bäume fällen möchte, der sieht sich leider getäuscht. In der jüngsten Sitzung des Waldbeirates kündigte das Forstamt schon einmal vorsichtshalber an, dass nach dem Ende des dreijährigen sogenannten Einschlagsstopps „mit einer Erhöhung des Hiebsatzes“ zu rechnen ist. In welcher Höhe? Das ist noch unklar. Aber die Spaziergänger werden es schnell mitbekommen, wenn es soweit ist.

Während die Stadtverwaltung trotz angekündigtem Paradigmenwechsel wieder mehr abholzen will, fordern einige Mitglieder des Waldbeirates, doch versuchsweise eine Fläche auszuweisen, um das Lübecker Modell auszuprobieren – mit mehr alten Bäumen und einem größeren Anteil an Totholz. Dort sollte alles unterlassen werden, was die natürliche Entwicklung des Waldes behindert oder schädigt. Aber da stellen sich Bürgermeister Dirk Thürnau und die Stadtverwaltung quer. Auch positive Beispiele aus anderen Großstädten wie München, Berlin oder Düsseldorf sind kein Gradmesser in Stuttgart. Frei nach dem Motto: Wir wissen am besten, was gut für unseren Wald ist.

Das Problem dabei ist allerdings, dass der Waldbeirat im Februar 2019 gegründet wurde, um mit der Stadtverwaltung darüber zu diskutieren, was das Beste für den Wald ist. Doch nach zehn Sitzungen fragen sich einige Mitglieder des Gremiums, für was sie überhaupt gebraucht werden. Denn alle Vorschläge und Änderungswünsche an der Vorlage für die neue Zehn-Jahres-Konzeption wurden in der jüngsten Sitzung einfach ignoriert und abgeschmettert. Ohne Abstimmung. Wenn sich der Bürgermeister wie die Axt im Walde verhält, muss er sich auch nicht wundern, wenn von Pseudobeteiligung oder Alibiveranstaltung die Rede ist.