Stuttgart - Die Buden sind aufgebaut, alles ist vorbereitet – und umsonst. Stuttgart, Ludwigsburg und Esslingen haben wenige Stunden oder einen Tag vor der Eröffnung entschieden, ihre Weihnachtsmärkte doch abzusagen. An diesem Dienstag sollten die Märkte in Esslingen und Ludwigsburg öffnen, am Mittwoch der Markt in Stuttgart.
Die Absagen in den Kreisstädten erfolgten am Nachmittag, in Stuttgart stand gegen 17 Uhr im Rathaus die Corona-Lagebesprechung an, die Stadtspitze hatte den Kontakt zum Sozialministerium gesucht. Ein Thema war dabei auch die verschärfte Coronaverordnung des Landes, die auf Weihnachtsmärkten voraussichtlich eine 2-G-plus-Regel vorsieht. Das heißt: Auch Geimpfte und Genesene müssen zusätzlich einen Schnelltest vorweisen. Für den Stuttgarter Weihnachtsmarkt wäre das eine Verschärfung gewesen. 2-G-plus war dort nur für Essens- und Glühweinstände vorgesehen.
Kritik an Weihnachtsmarkt hatte zugenommen
OB Frank Nopper (CDU) hatte erst vergangenen Donnerstag die Zusage für den Markt gegeben und geworben, er stehe „unter einem guten Stern“. Am Montagvormittag hatte es starke Kritik an dieser Entscheidung gegeben. Stadträtin Jasmin Meergans (SPD) nannte die Entscheidung Noppers „nach wie vor falsch, das ist nicht sehr verantwortungsvoll“. Sibel Yüksel von der FDP erklärte: „Wir spielen heile Welt.“ Ina Schumann von der Fraktionsgemeinschaft Puls fragte, was sich die Verantwortlichen und „vor allem OB Nopper dabei gedacht haben“.
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Wenige Stunden später sagte Nopper ab. Es bleibe „jetzt keine andere Wahl mehr“. Als Grund für die Absage nennt er in einer Pressemittelung die Entscheidungen in den Städten rundum. In Stuttgart wäre damit „ein enormer Besucherandrang zwangsläufig, dieser wäre unter Corona-Bedingungen nicht mehr kontrollier- und beherrschbar“. Nopper appellierte an Bund und Land, die betroffenen Gastronomen und Schausteller „mit zielgerichteten Corona-Hilfsmaßnahmen zu unterstützen. Erneut seien Existenzen bedroht.
Wer trägt die Kosten – diese Frage wird in ein drängendes Thema
Die Verantwortlichkeiten und Zahlungsverpflichtungen dürften in den nächsten Tagen zum Thema werden. Anders als in Bayern hat nicht das Land die Märkte abgesagt, das haben in eigener Verantwortung die Städte oder die städtischen Veranstaltungsgesellschaften getan.
„Es tut uns im Herzen weh“, erklärte Michael Metzler, der Geschäftsführer der Esslingen Markt und Event GmbH (EME), in einer Stellungnahme, die um 15.57 Uhr an die Medien verschickt wurde. „Aber um verantwortungsvoll auf die Situation zu reagieren, war die Absage der einzige Weg.“ Ähnlich argumentiert OB Matthias Klopfer: „Wir müssen dringend eine Überlastung der Kliniken verhindern.“ Die Entwicklung der letzten Tage und die daraus resultierenden Aussichten auf die nächsten Wochen habe die Entscheidung unumgänglich gemacht. „Wir alle hatten uns so sehr gewünscht, in diesem Winter wieder mehr Normalität leben zu können.“
Esslingen hielt lange am Weihnachtsmarkt fest
Zumindest indirekt schiebt die Stadt den Schwarzen Peter für die späte Absage an das Land. Von der Regierung habe man sich eine klare Entscheidung gewünscht, kritisiert Metzler. Doch auch die Stadt wird sich wohl scharfer Kritik stellen müssen. Schließlich steigen die Inzidenzen nicht erst seit Montag. Seit Wochen zeichnet sich ab, dass die Situation auf den Intensivstationen dramatisch wird. Esslingen hielt lange am Weihnachtsmarkt fest.
Der Weihnachtsmarkt ist ein Wirtschaftsfaktor
Das Gleiche gilt für Ludwigsburg. Der dortige Barock-Weihnachtsmarkt lockte 2019, als die Welt noch nicht von der Pandemie gebeutelt war, rund eine Million Besucher in die Stadt. Der Markt mit seinen 150 Ausstellern ist ein Wirtschaftsfaktor. Wohl auch deshalb zögerte die Stadt – die offizielle Absage wurde am Montag noch später als in Esslingen veröffentlicht. „Wir stehen in der Verantwortung, eine Überlastung der Kliniken zu vermeiden“, sagte der OB Matthias Knecht. Nicht nur für Mario Kreh, den Geschäftsführer des städtischen Eigenbetriebs Tourismus & Events, ist dies ein schwerer Schlag: „Wir waren bis zuletzt zuversichtlich, die Entwicklung einen Tag vor dem Beginn schmerzt besonders, bedeutet das doch für die Händler eine teils existenzielle wirtschaftliche Bedrohung.“ Sowohl der Ludwigsburger als auch der Esslinger OB appellieren nun an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen. Auch Nopper hatte bereits appelliert.