Stuttgarter Weihnachtsmarkt beginnt Von A wie Advent von Z bis Zeitreise

Von Frank Rothfuß 

Petrus ist noch etwas durcheinander. Statt Schnee schickt er Regen. Egal, gerade kann man einen Glühwein brauchen. Überall starten nun die Weihnachtsmärkte , wir sagen Ihnen von A bis Z, was sie dort erwartet.

Blick auf den Stuttgarter Weihnachtsmarkt Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Blick auf den Stuttgarter Weihnachtsmarkt Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - A wie Advent: Das ist die Zeit, in der die Menschen sich auf die Ankunft Christi vorbereiten. Und siehe da, sie kaufen ein wie verrückt und machen die Händler glücklich. Hernach belohnt man sich mit G wie Glühwein. An den Adventssonntagen schnauft man durch und überlegt in Ruhe, welche Geschenke noch fehlen.

B wie Barock: So nennen die Ludwigsburger ihren Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz, der am Dienstag begonnen hat. Wie sollte es anders sein in einer Stadt, in der nicht nur das Barock blüht, sondern zeitweise der barockste Herrscher Europas residierte. König Friedrich I. von Württemberg war so fett, dass Napoleon bei seinem Anblick ausrief, er habe nicht gewusst, dass sich menschliche Haut so dehnen könne.

C wie Christkindleinmarkt: Keinesfalls zu verwechseln mit dem Christkindlesmarkt in Nürnberg. Christkindleinmarkt, so hieß einst der Stuttgarter Weihnachtsmarkt. Zunächst übrigens missachtet von der Kirche, siehe unter U wie Umtriebe. Ursprünglich war er ein Viehmarkt. Später vergnügten Seiltänzer, Gaukler und Zauberer das Volk, Elefanten, Tanzbären und Tiger wurden vorgeführt. Ärzte verdingten sich, zogen Zähne und ließen einen zur Ader. 1850 waren 1200 Händler auf dem Markt. Heute sind es 300 Stände.

D wie Duft: Es gibt diesen Geruch, an dem jeder Stuttgarter seine Stadt erkennt. Er erfreut zwar nicht die Nase, ist aber einer Autostadt angemessen. Wenn sich unter das Odeur von Abgasen eine Spur von Zimt und G wie Glühwein mischt, weiß man: Heißa, es ist Weihnachtszeit!

E wie Engel: In Ludwigsburg wird man von Engeln beschützt. Die wachen an allen Ecken des Marktplatzes über einen. Und rufen einem zu: Fürchtet euch nicht! Und wenn, dann nur vor zu viel gepanschtem G wie Glühwein.

F wie Frostbeulen: Man denkt ja, G wie Glühwein helfe gegen Frostbeulen. Doch das ist falsch. Alkohol weitet die Gefäße, anfänglich wird’s wärmer, dafür friert man später umso mehr. P wie Punsch dagegen heizt ohne Nebenwirkung.

G wie Glühwein: Wer hat’s erfunden? Ein Schwabe natürlich. Der Augsburger Rudolf Kunzmann hatte es den Römern nachgemacht und 1956 Gewürze in den Wein gekippt, und dazu Zucker, viel Zucker. Prompt setzte es eine Strafe wegen Verstoßes gegen das Weingesetz. Eine typische deutsche Geschichte. Wo sonst bekommt man als Beleg für eine Erfindung einen Bußgeldbescheid.

H wie Heilige Drei Könige: Sie haben die ersten Geschenke gebracht. Allerdings war kein Handy dabei, sie begnügten sich mit Weihrauch, Myrrhe und Gold. Ob sie es heuer pünktlich schaffen, ist ungewiss. Kaspar, Balthasar und Melchior sind auf Samos und versuchen zu verstehen, was Drittstaatenregelung bedeutet.

I wie Intim: Eigentlich ist der Schwabe am liebsten mit sich allein. Erstaunlich ist, dass er sich die Drängelei zwischen den Buden antut. Aber gut, man muss Preise vergleichen, bevor man was kauft. Wenn man einige Cent sparen kann, stört auch die Drucketse nicht.

J wie Julbock: Er ist das skandinavische Christkind und beim finnischen Dorf auf dem Karlsplatz anzutreffen. Die Germanen verehrten einst den Ziegenbock, im Norden brachte er die Geschenke, bis ihn der Weihnachtsmann verdrängte.

K wie Krippe: Zum Himmel strebt die Krippenpyramide, die erstmals in Stuttgart steht. Mit 26,5 Meter ist sie die höchste ihrer Art.

L wie LED: 40  000 LED-Lampen schmücken die 25 Meter hohe Rotfichte vor dem Königsbau. Klettermaxen haben eine 6,5 Kilometer lange Lichterkette um die Äste geschlungen, insgesamt haben sie fünf Tage lang gearbeitet, um die Stadt zu erleuchten.

M wie Marktzeiten: Geöffnet ist der Stuttgarter Weihnachtsmarkt montags bis donnerstags von 10 bis 21 Uhr, freitags und samstags von 10 bis 22 Uhr, sonntags von 11 bis 21 Uhr.

N wie Nagelfeile: Es gibt nicht nur Kitsch und Kunstvolles auf dem Weihnachtsmarkt, sondern auch Praktisches. Pfannen und Töpfe finden sich dort, lautstark angepriesen, und natürlich die Klassiker unter den Geschenken: Socken und Krawatten

O wie Orgelkonzerte: In der Stiftskirche finden vom 2. bis 22. Dezember jeden Tag von 13.15 bis 13.45 Uhr Orgelkonzerte statt, der Eintritt kostet drei Euro.

P wie Punsch: Alkoholfrei die Alternative für Gesundheitsbewusste und Schwangere. Stammt ursprünglich aus Indien. Hieß dort Pantsch, das ist Hindi für Fünf, weil die fünf Zutaten Palmwein, Tee, Zitrone, Zucker, Gewürze hineingehören. Sogar Friedrich Schiller schmeckte der Punsch, er dichtete: Eh es verdüftet, Schöpfet es schnell, Nur wenn er glühet, Labet der Quell.

Q wie Quaddeln im Bauch und Magenreißen bekommt, wer sich im Überschwang zu viel G wie Glühwein schmecken lässt. R wie Rotfichte: Die Rotfichte von der Alb ist stramm gewachsen und wirkt vor dem Königsbau mit ihren 25 Metern äußerst imposant. Doch in Dortmund haben sie den längsten. 45 Meter groß ist dort der Weihnachtsbaum. Allerdings ist das Schmu, denn sie heften dafür 1700 Rotfichten zusammen. Nicht bescheißen müssen sie bei einem anderen Rekord, Dortmund hat auch den kleinsten Weihnachtsbaum der Welt, er ist kleiner als eine 1-Euro-Münze.

S wie Stille Nacht: Wenn OB Fritz Kuhn heute um 18 Uhr im Innenhof des Alten Schlosses den Stuttgarter Weihnachtsmarkt eröffnet, dann singt man natürlich „Stille Nacht“. Hernach hoffen die Händler bis zum Ende des Weihnachtsmarkts am 23. Dezember aber, ein anderes Lied trällern zu können: Kling, Kässchen, klingelingeling!

T wie Tour de Stuttgart: Kann man auf dem Schlossplatz unternehmen. Mit dem Weihnachtsmarkt beginnen auch die Glanzlichter. Acht Sehenswürdigkeiten der Stadt leuchten dort, da sind etwa der Fernsehturm, Porsche und Mercedes mit Modellen, die garantiert nur Lichtemissionen verbreiten.

U wie Umtriebe: Der Kirche war das Feilschen auf dem Christkindleinmarkt zu profan. Sie drang auf ein Ende des Treibens. Der Magistrat verzichtete schließlich auf den „in den Weyhnachten gehaltenen Christkindlens-Marckht“. Herzogin Magdalena Sybilla bestätigte in einer Urkunde vom 22. November 1692 die Aufhebung des Christkindleinmarkts, erlaubte aber zugleich einen neuen Jahrmarkt. Zunächst wurde der Beginn auf den 13. Dezember gelegt, ab 1780 startete der Markt am Dienstag nach dem dritten Advent. Der neue Name „Wintermarkt“ setzte sich nicht durch, die Menschen sprachen wie eh und je vom „Christkindleinsmarkt“; der allmählich vom „Weihnachtsmarkt“ abgelöst wurde.

V wie Vegan: Wer vegan lebt, der hat es schwer auf den Weihnachtsmärkten. Selbst dem G wie Glühwein muss er misstrauen, viele Weine werden mit Gelatine geklärt. Andererseits soll es ja auch Glühwein geben, der gar keinen Wein enthält.

W wie Wachstum: Von wegen Kommerz, die Menschen gehen ihrer Bürgerpflicht nach und kurbeln die Wirtschaft an: Im Schnitt geben die Besucher eines Weihnachtsmarkts 18 Euro aus. So hat es der Deutsche Schaustellerbund in einer Umfrage ermittelt.

X wie XXL: . Alle Jahre wieder wird diskutiert, welches der größte Weihnachtsmarkt sei. Nürnberg, Dresden, Stuttgart, Frankfurt? Wer mag das entscheiden. Andere schmücken sich mit anderen Superlativen, auf St. Pauli gibt’s „Hamburgs geilsten Weihnachtsmarkt“. In Traben-Trarbach an der Mosel feiert man „unterirdisch“, da stehen die Buden in den Gewölbekellern. Der Emdener Engelkemarkt findet auf Schiffen statt. Da schwankt man auch ohne Genuß von G wie Glühwein.

Y wie Yoga: Empfiehlt sich vor dem Besuch, damit man sich mit größtmöglicher Gelassenheit in den Trubel stürzen kann.

Z wie Zeitreise: In Esslingen begegnet man seit Dienstag wieder allerhand fahrendem Volk: Marketender, Gaukler, Bänkelsänger und Feuerschlucker sind unterwegs. Beim dortigen Weihnachtsmarkt taucht man ins Mittelalter ein. Glücklicherweise mit einer Ausnahme: Die Toiletten sind nicht zeitgenössisch.




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