Sommelière und Kabi-Weinbar-Macherin Gabriela Predatsch hat die alkoholfreien Wein-Alternativen auf dem Stuttgarter Weindorf getestet. Was schmeckt wie Traubensaft und was kann was?

Stadtkind: Petra Xayaphoum (px)

Nicht jeder, der aufs Stuttgarter Weindorf geht, möchte oder kann Alkohol konsumieren. Ob schwanger, Fahrer oder einfach nicht an Alkohol interessiert – die Gründe sind vielfältig, das Thema ist Trend. Der Weinkonsum in Deutschland ist rückläufig vor allem unter jungen Menschen. „Das ist auch in der Gastronomie ein sehr großes Thema“, sagt Sommelière Gabriela Predatsch und weist auf die alkoholfreien Menübegleitungen und raffinierten alkoholfreien Getränkealternativen hin, die zunehmend auf die Karten der Restaurants wandern. Wo Nachfrage ist, ist auch ein Angebot. Doch wie sieht das alkoholfreie Wein-Angebot auf dem Stuttgarter Weindorf aus, wo der Wein die Hauptrolle spielt?

 

Die Urbacherin, die schon im Sternerestaurant Bachofer als Sommelière und Restaurantleiterin gearbeitet und vor Kurzem mit ihrem Geschäftspartner Marcel Truckenmüller die Kabi Weinbar im Stuttgarter Westen eröffnet hat, hat sich bei einem Spaziergang übers Weindorf durch die weinartigen Getränkevarianten abseits von Saftschorle und Wasser probiert und sagt: „Man wird auf jeden Fall fündig auf dem Weindorf. Allerdings muss man sich tatsächlich erst mal einen Überblick verschaffen. Es gibt auf jeden Fall noch Luft nach oben, was das Angebot an alkoholfreien Weinerzeugnissen angeht.“

Gewusst, wo: gutes Alkoholfreies auf dem Stuttgarter Weindorf

Nicht viele Lauben bieten alkoholfreie Weine oder alkoholfreien Sekt an, die meisten haben für Nicht-Trinker nur Wasser und Saftschorlen im Angebot. Wenn man bei den Laubenbetreibern nachfragt, lautet deren Erklärung oft, dass man nur Produkte anbieten möchte, hinter denen man auch hundertprozentig stehe – und da habe man aus der Region schlichtweg noch nichts gefunden. Auch von den Weindorfwirten selbst hergestellte Wein-Alternativen sind auf dem Stuttgarter Weindorf nicht erlaubt. „Wir hätten da einige Ideen mit Tee, die wir auch bei uns in der Weinstube anbieten und die super als alkoholfreie Alternativen ankommen“, heißt es etwa aus der Spelunkerei-Laube auf dem Schillerplatz.

Vielleicht ist das die Zukunftsmusik auf dem Weindorf? Gabriela Predatsch hat auf dem diesjährigen Weinfest aber erst mal mit dem arbeiten müssen, was ihr zur Verfügung stand. Und heraus gekommen ist ein kleiner, aber feiner antialkoholischer Weindorf-Guide. „Wir haben für jeden Anlass etwas gefunden, ob Aperitif, zum Essen oder auch danach“, sagt die Sommelière. Einen klaren Favoriten und Geheimtipp was das Angebot angeht, gibt es auch.

Eine alkoholfreie Alternative gehört mittlerweile dazu, findet Max Trautwein von der Laube Zur Linde. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone/Lichtgut/Ferdinando Iannone

1. Zur Linde, Laube 30, Marktplatz – Traubensaft mit Prickeleffekt

Direkt gegenüber des Rathauseingangs wird man bei der Linde fündig, hier wird der „Chauffeur“ von der Weinmanufaktur Stuttgart, ein mit Kohlensäure versetzter Traubensaft mit 0,0%, ausgeschenkt. „Den haben wir seit zehn Jahren auf der Karte, einfach, weil die Nachfrage da ist – es gehört heutzutage einfach dazu“, sagt Laubenwirt Max Trautwein. Den Trend Richtung alkoholfreie Weinerzeugnisse merkt er nicht nur an der steigenden Präsenz in Presse und Fachmagazinen, sondern auch am Umsatz. „Dieses Jahr verkaufen wir vom ‚Chauffeur‘ tatsächlich mehr als die Jahre zuvor“, lautet seine Zwischenbilanz.

 Das sagt die Sommelière zum Getränk: „Der ‚Chauffeur‘ ist schön perlend, nicht zu süß, die Balance zwischen Säure und Süße finde ich sehr ausgewogen. Er macht, was ein Aperitif machen soll: Lust auf den nächsten Schluck und wirkt belebend. Ein guter Starter, den ich mir durch das Gefühl von Trauben aber auch gut als Begleiter zu Häppchen und leichten Gerichten, wie einem Salat, vorstellen kann.“

2. Stadtlaube, Laube 34, Marktplatz – Aperol Spritz ohne Promille

Ein paar Lauben weiter werden in der Stadtlaube, die unter den Fittichen von Grupp, Diehl und Weller steht, gar verschiedene Alternativen ausgeschenkt: alkoholfreier Aperol Spritz, alkoholfreier Sekt und alkoholfreier Wein. Als klarer Favorit geht dabei der alkoholfreie Aperol Spritz hervor, der mit dem alkoholfreien Bittersirup Venezero aus Orsingen-Nenzingen sowie einem alkoholfreien proseccoartigen Getränk (die Bezeichnung alkoholfreier Prosecco ist untersagt), angemischt wird.

Das sagt die Somelière: „Die Kombination finde ich sehr gut“, sagt Sommelière Predatsch nach dem ersten Schluck. „Das Ausgangsprodukt, der Bittersirup, ruft eine Bitterness hervor, die man bei einem Aperol Spritz erwartet. Durch den alkoholfreien Sekt kommt das Lebendige noch obendrauf, das finde ich sehr stimmig. Ich bin positiv überrascht!“ Die Laubenwirtin bestätigt: „Wir bieten den auch schon in unserem Restaurant an, weil wir immer mehr nach Alternativen gefragt werden und es schön ist, nicht immer nur eine Saftschorle, eine Cola oder ein Wasser anbieten zu können, sondern etwas, was auch in einem schönen Glas zum Anstoßen daherkommt.“ Beim alkoholfreien Wein „No“ vom Weingut Diehl, der entalkoholisiert wurde und daher mit 0,05% Restalkohol daherkommt, empfiehlt Predatsch sich eine Schorle daraus zu machen: „Er hat eine angenehme Säure und Frucht, aber es fehlt ihm etwas die Länge und der Körper. Mit Sprudel aufgespritzt kann ich ihn mir aber sehr gut vorstellen.“

3. Die Stäffelesrutscher, Laube 37, Marktplatz – Spritzig und eiskalt: Secco ohne Alkohol

Auch bei der Laube von Michael Wilhelmer gibt es mehrere alkoholfreie Weinerzeugnisse zur Auswahl. Heißer Tipp: der „Weiß & Wild Zero“ vom Weingut Hirsch, ein entalkoholisierter Wein mit weniger als 0,5% Restalkohol.

 Das sagt die Sommelière: „Hier sind Süße, Säure und Länge in Balance. Es ist von nichts zu viel da, eiskalt kann man den auch gut solo trinken. Ich würde ihn zu Vorspeisen, Pastagerichten oder einem Vesperbrett empfehlen, da kann der Wein gut mithalten“, lautet das Urteil der Kabi-Weinbar-Macherin. Auch zum entalkoholisierten Secco „Kernlos“ vom Weingut Wilhelm Kern, der bei der Stäffelesrutscher-Laube angeboten wird, hat sie eine Meinung: „Wenn man eine sehr leichte und spritzige Alternative sucht, finde ich ‚Kernlos‘ super. Wir haben hier einen Tick mehr Säure, die durch die Kohlensäure noch ein wenig hervorgehoben wird. Ich würde ihn eiskalt bei hohen Temperaturen trinken und eher als Aperitif – zum Essen könnte er ein bisschen zu leicht sein.“

4. Winzerlaube am Weinbrunnen, Laube 35, Marktplatz – Riesling, verfeinert von Jörg Geiger

Vergangenes Jahr sind sie zur schönsten Laube gewählt worden: Winzer und Laubenwirte Adrian Beurer und Johannes Bauerle. Auf der alkoholfreien Karte haben sie „Die Riesling Brause“ von Beurer im Angebot, die entalkoholisiert und mit weniger als 0,5% Restalkohol daherkommt. Hergestellt in Kooperation mit der Manufaktur Jörg Geiger, wurde das Ausgangsprodukt aus Riesling mit Auszügen von Birkenblättern, Weinbergkräutern und Holunderblüten verfeinert.

Das sagt die Sommelière: „In der Nase hat man ein bisschen Schwarztee und obwohl wir eine gewisse Restsüße haben, finde ich hier die Balance zwischen Säure und Süße extrem gelungen. ‚Die Riesling Brause‘ kann ein toller Aperitif sein, kann aber auch mit Speisen mithalten, zum Vesperbrett zum Beispiel. Man hat Lust, einen weiteren Schluck zu nehmen!“, lautet das Fazit von Predatsch.

5. Wein-Moment, Laube 19, Kirchstraße – Alkoholfreie Cuvée

Die Laube von Anna-Lisa Jung und Mona Maisack ist ein echter Geheimtipp für Weindorf-Besucher, die keinen Alkohol trinken. Neben alkoholfreien Weinerzeugnissen haben die Schwestern auch alkoholfreie Longdrinks und Spritz‘ am Start. Vom Weingut Wilhelm Kern gibt es hier außerdem die Cuvée-Variante der Linie „Kernlos“.

Das sagt die Sommelière: „Eher ein leichterer Vertreter“, findet die Testerin. „Hintenraus hat er sogar ein bisschen Schwarztee-Anklänge, ganz leicht herb, was einem Weißwein durchaus stehen kann.“ Und auch einen entalkoholisierten und mit Kohlensäure versetzten Wein von den Weinschwestern aus Löwenstein gibt es bei Wein-Moment zu trinken. Die aufwendig gestaltete Flasche ist dabei ein großer Hingucker. „Ein toller Aperitif, vor allem für Menschen, die Restsüße gut vertragen. Er ist frisch, er ist belebend, im Großen und Ganzen eine runde Sache. Ich würde ihn solo oder zu Häppchen genießen, bei anderem würde er eher untergehen“, lautet das geschmackliche Urteil der Sommelière.

6. Zur Zaißerei, Laube 15/1 und 15/2, Schillerplatz

Die beiden Lauben von Andreas Zaiß am Eingang zum Schillerplatz von der Kirchstraße kommend, haben eine eigene alkoholfreie Kreation auf der Karte: eine entalkoholisierte Rosé Cuvée.

Das sagt die Sommelière: „Die Nase finde ich ein bisschen zurückhaltend und auch am Gaumen überwiegt eher die Säure, der Mittelbau fehlt ein bisschen. Sie schmeckt säure- und fruchtbetont, ist nicht mehr ganz so in der Balance. Als Schorle mit einem Schuss Sprudel, um mehr Lebendigkeit reinzubringen, kann ich sie mir aber gut vorstellen.“

7. Lieblingsplatz, Laube 3, Schillerplatz/Schlossplatz

Ein alkoholfreier Wein sowie ein Secco werden an der Lieblingsplatz-Laube von Reinhard Lieb feilgeboten: ein Rosé und ein Muskateller-Secco von C&G, beide entalkoholisiert.

Das sagt die Sommelière: „Sehr stimmig, sehr spritzig, schönes Süß-Säure-Spiel, total ausgewogen. Er ist eher als Aperitif zu empfehlen oder zur Vorspeise, weil er sehr leicht daherkommt“, sagt die Fachfrau zum Rosé. Da kann der entalkoholisierte Muskateller-Secco nicht so ganz mithalten: „Hier hat man den Eindruck, dass etwas fehlt, dass etwas weggenommen worden ist. Er ist nicht ganz so stimmig wie der Rosé, obwohl die Kohlensäure hier natürlich ein bisschen hilft, um ihn etwas spritziger zu gestalten.“

8. Wein & Wacholder, Laube 17, Schlossplatz

Hinter Wein und Wacholder stecken das Weingut Escher sowie der Stuttgarter Gin Ginstr, an dem Markus Escher neben Alexander Franke ja ebenfalls beteiligt ist. Wenig verwunderlich, dass es hier einen alkoholfreien Wein von Escher, den „Freistil Weiß“ (eine Cuvée), als auch ein Gin-Tonic-ähnliches alkoholfreies Mischgetränk „Vino Tonic alkoholfrei“ zu erstehen gibt.

Das sagt die Sommelière: „Beim ‚Freistil‘ haben wir eine sehr prickelnde Nase, die sehr floral. Ein eher leichter Vertreter, den man gut solo oder als Schorle trinken kann“, findet Sommelière Predatsch. Mit Tonic und Zitronenscheibchen wird aus der Cuvée als „Vino Tonic alkoholfrei“ aber eine richtige Granate: „In Verbindung mit dem herben Tonic ist es eine super Kombination und Alternative – wirklich ein Hochgenuss. Das ist für mich wirklich eine der besten alkoholfreien Alternativen auf dem Weindorf.“