Der Sonnenschein lässt die Körner noch einmal leuchten zwischen den grünen, langen, schlanken Blättern im Reisfeld. Noch schaukeln sie im Wind auf der 143,3 Quadratmeter großen Fläche am Asiatischen Schaubauernhof. Einige sind gut gediehen, bei anderen sind nur grüne Blätter zu sehen. „Doch die Wissenschaftler der Uni Hohenheim haben erklärt, dass jetzt der beste Zeitpunkt für die Ernte ist“, sagt der Chef-Botaniker der Wilhelma, Björn Schäfer. Und so schart er zur Ernte etliche Wilhelma-Auszubildende auch aus anderen Bereichen zusammen. Rund 20 Helfer sind es, die flott mit anpacken, nachdem Schäfer den Ablauf der Ernte erklärt hat.
Auszubildende der Wilhelma helfen bei der Ernte mit
Auch die Zoologie-Azubis Nicole Reichenbach (18) und Lucia Rasch (21) helfen mit. Die angehenden Tierpflegerinnen, die sonst mit Papageien und Raubtieren zu tun haben, sind gespannt auf die erste Reisernte ihres Lebens. Die klare Ansage von Schäfer: „Der italienische Risotto-Reis ganz im Norden des Reisfelds bleibt stehen.“ Die Wilhelma will noch abwarten, wie er sich mit dem Klima verträgt. „Er ist noch nicht reif,“ stellt Gärtnermeisterin Karin Müller fest. In der Mitte steht der Himalaya-Reis, der kaum Reiskörner ausgebildet hat. Er wird abgeerntet und den asiatischen Hängebauchschweinen, den Elefanten, den Tapiren und den Brillenbären als Futter gebracht. Sozusagen frisch vom Feld „auf den Tisch“. Der französische Reis wird fachmännisch geerntet und für die Neuaussaat im nächsten Jahr sowie zum Kochen verwendet. Die Helferinnen und Helfer schneiden die Reispflanzen im Akkord mit Sicheln ab und reichen sie ihren Kollegen am Beckenrand. Die fassen sie dort mit einer Schnur in Bündel zusammen. Die Bündel werden wiederum Pflanzen über Gitter gedroschen, damit die Körner zu Boden fallen. Am Ende wird der Reis nochmals gesiebt. Unter den Wilhelma-Besuchern ist zufällig ein Reisexperte aus Asien: Kanaga Gauri aus Sri Lanka hat selbst schon Reis geerntet und berichtet, wie das in seinem Heimatland abläuft: „Bei uns fährt der Traktor über die geernteten Reispflanzen auf eine besondere Weise. Dann fallen die Körner heraus. Die Haut bleibt dran“, sagt er. Dann werde der Reis getrocknet, gemahlen oder gekocht, wieder getrocknet und dann wird die Haut entfernt.
Mit der Sichel werden die Pflanzen abgeschnitten
Auch die Müller-Meisterschule in Stuttgart macht mit
Und auch ein weiterer Experte kümmert sich um den geernteten Reis: Meisterschüler Paul Medla von der Gewerblichen Schule Hoppenlau, der Müller-Meisterschule. Medla nimmt einen Teil des französischen Reises mit und wird mit den Schülern versuchen, die Spelze vom Korn zu trennen. „Mal sehen, ob das geht“, sagt Medla. Auch für ihn ist der Umgang mit dem Reis aus regionalem Anbau eine spannende Herausforderung, die er gerne annimmt.
Reisgrün vom Himalaya für Hängebauchschweine und Elefanten
Nach gut einer Stunde ist das Reisfeld zu drei Vierteln abgeerntet,danach geht es ans Futterverteilen mit den Reispflanzen vom Himalaya, die nicht geblüht haben. Schäfer zeigt sich zufrieden: „Dafür, dass wir das zum ersten Mal gemacht haben, lief es echt gut.“ Und er kann wenig später stolz mitteilen, dass 20 Kilo französischer Reis geerntet werden konnten – im einzigen nördlichen Anbaugebiet in Europa. Was mit dem Verzehrreis geschieht, wird noch geklärt. Doch zunächst haben auch die Tiere ihre Freude am asiatischen Grün: der Elefantendame Parma jedenfalls schmecken die langstieligen Himalaya-Reisblätter.
Grundnahrungsmittel Reis
Anbau
Vor allem in Asien ist Reis ein Grundnahrungsmittel, insgesamt für mehr als 3,5 Milliarden Menschen. Seine Vorteile: Er sättigt und kann über Jahre hinweg aufbewahrt werden. Angebaut wird er heute in fast allen tropischen und subtropischen Regionen.
Nähstoffe
Die meisten Vitamine stecken beim Reis im Mantel, dem Silberhäutchen, zwischen der Frucht und der schützenden Deckspelze. Bei weißen Reissorten wird es entfernt. Im Naturreis, der gelblich grün bis braunrot ist, sind die Nährstoffe noch enthalten. Die uralte Kulturpflanze wird seit 10 000 Jahren in Südostasien kultiviert. In Stuttgart seit Mai dieses Jahres. Eine Pflanze kann bis zu 30 Halme bilden, an denen 100 Ährchen sprießen, das macht 3000 Reiskörner an einer Pflanze.