Stuttgarter Wirte Beim Griechen schwäbisch essen

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Ein Wirt mit griechischen Wurzeln, der schwäbisch kocht: Manchen mag das exotisch vorkommen, dabei gibt es mittlerweile zig schwäbische Lokale in Stuttgart, die von Wirten mit Migrationshintergrund geführt werden.

Der Trollinger-Wirt Ugur Ceyhan ist in Stuttgart fest verwurzelt. Foto: Heinz Heiss
Der Trollinger-Wirt Ugur Ceyhan ist in Stuttgart fest verwurzelt. Foto: Heinz Heiss

Stuttgart - Wenn Georg Chatzitheodoru an seine Heimat denkt, gerät der Gastwirt aus dem Stuttgarter Osten ins Schwärmen. „Griechenland ist so ein schönes Land“, sagt der 62-Jährige. Seit 52 Jahren lebt er in Deutschland. Er ist ein richtiger Schwabe geworden. „Im Herzen bleibe ich aber immer griechisch“, sagt er, während er hereinkommende Gäste mit „Grüß’ Gott miteinand“ begrüßt.

Kulinarisch hat sich der Besitzer des Theater-Restaurants Friedenau an der Rotenbergstraße 127 von seinem Heimatland verabschiedet. Als er die Gaststätte übernahm, standen sofort fast nur regionale Gerichte auf der Karte. „Des muss scho sei“, sagt er. Schließlich sei er hier groß geworden und habe die schwäbische Küche schätzen gelernt. „I mog am liebsten alles, was sauer ist, Sauerbraten und saure Nierle“, sagt Chatzitheodoru.

Seit 33 Jahren betreibt er im Osten sein griechisch-schwäbisches Theater-Restaurant. Bei Chatzitheodoru kommen nicht nur schwäbische Gerichte wie Gaisburger Marsch und Maultaschen auf den Tisch. In seinem großen Saal bringt er auch schwäbische Mundart-Stücke auf die Bühne. Allein das lockt viele Schwaben an, aber natürlich auch sein Zwiebelrostbraten mit Spätzle. „Da kommen die Leut von was weiß i woher“, sagt er.

Manche sind schwäbischer als es ihnen lieb ist

Ein Wirt mit griechischen Wurzeln, der schwäbisch kocht: Manchen mag das exotisch vorkommen, dabei gibt es mittlerweile zig schwäbische Lokale in Stuttgart, die von Wirten mit Migrationshintergrund geführt werden. Sie sind vielleicht der beste Beweis dafür, dass die einstigen „Gastarbeiter“ der ersten Generation längst schwäbischer sind als es ihnen selbst vielleicht lieb ist.

Das gilt auch für Vincenzo di Napoli. Um die Sprache zu lernen, kam der heute 58-Jährige vor mehr als 35 Jahren nach Deutschland. Am 10. Oktober 1978 war das. Der gebürtige Neapolitaner war damals 22 Jahre alt. Die Ordnung und die Sauberkeit hierzulande habe ihn sofort fasziniert, erzählt er. Deshalb sei er einfach geblieben. Ebenso zufällig wie er im Schwäbischen gelandet ist, fand er seinen Weg in die Gastronomie. Freunde besorgten ihm einen Job im Flughafenhotel. Nach Stationen in Sindelfingen und Plieningen kam er schließlich 1988 nach Botnang und tat das, was bei einem Italiener, der in der Gastronomie arbeitet, naheliegt. Er eröffnete ein italienisches Restaurant. Rund 15 Jahre gehörte ihm das „Il Cortile“.

Eher durch Zufall sei er im Jahr 2004 in Degerloch bei der Weinstube Klink eingestiegen. „Ich habe in der deutschen Gastronomie gelernt“, sagt er. Deshalb sei ein schwäbisches Restaurant für ihn passender gewesen. „Und ich esse gerne schwäbische Hausmannskost“, fügt er hinzu. Spätzle, Maultaschen und Rostbraten seien seine Lieblingsgerichte. Ende 2013 musste er in Degerloch aufhören. Der Pachtvertrag lief aus, die Weinstube ist ihm zu klein geworden. Seit Anfang Februar ist er nun in Zuffenhausen und betreibt dort an der Bottwarstraße 10 das Lokal Hirsch. Seine Wunschvorstellung dort: Ein Restaurant aufzubauen, das die schwäbische mit der mediterranen Küche vereint.

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