Stuttgarterin Sarah Stammer Was verdient eine Verkäuferin bei dm?
Mehr als 60.000 Menschen arbeiten bei dm, einem der populärsten Arbeitgeber bundesweit. Doch wie ist der Arbeitsalltag – und wie hoch das Gehalt?
Mehr als 60.000 Menschen arbeiten bei dm, einem der populärsten Arbeitgeber bundesweit. Doch wie ist der Arbeitsalltag – und wie hoch das Gehalt?
Eigentlich ist der Job bei dm ihr zweiter Anlauf. Nach dem Abitur arbeitete Sarah Stammer für ein Jahr als Teilzeitkraft in einer Filiale ihrer Heimatstadt Ostfildern bei Stuttgart, ehe sie eine Ausbildung im Sport- und Fitnessbereich absolvierte und einige Semester Wirtschaftswissenschaften studierte. Dann zog es sie zur Ausbildung zu dm zurück. „Ich hatte bereits in den Semesterferien dort gejobbt, mir hat in den Märkten immer die gute Zusammenarbeit gefallen.“
Knapp zehn Jahr ist das her. Jetzt ist Stammer 33, hat in einigen Filialen auf den Fildern und in der Stuttgarter Mitte gearbeitet und führt seit gut zwei Jahren die dm-Filiale am Bad Cannstatter Marktplatz. 33 Beschäftigte zählt sie, davon zwölf Aushilfen. Fast alle der Beschäftigten sind Frauen, was in der Branche ebenso üblich wie der hohe Anteil der Teilzeitarbeit.
Es ist ein Job, den fast jeder von seinem Einkauf kennt. Mehr als 2000 Filialen mit mehr als 60.000 Beschäftigten betreibt dm in Deutschland. Ähnlich ist die Zahl bei Rossmann. Müller wiederum zählt 500 Filialen, wie bei dm befinden sich die meisten Standorte in Baden-Württemberg.
Dass Stammer und die anderen Beschäftigten schon 6 Uhr ihre Frühschicht beginnen, bemerken die Kunden nicht. An diesem Morgen hat Stammer bereits die Paletten mit der neuen Ware von der Rampe in den Markt gezogen und die Artikel in die Regale geräumt. Nach Ladenöffnung sitzt Stammer an der Kasse oder packt die Online-Bestellungen ein, die in den Express-Fächern am Eingang zur Abholung bereitstehen. „Bei uns macht jeder alles“, betont sie.
Schon lange setzt dm auf flache Hierarchien. Im Gegensatz zu den Mitbewerbern wird die Arbeit in den Filialen in höherem Maß selbst organisiert und die Mitgestaltung gefördert wie gefordert. Es ist ein Miteinander, das Firmengründer Götz Werner einen sozialen Organismus nannte und sein Sohn Christoph Werner als „Arbeitsgemeinschaft“ beschreibt. Es ist auch die Unternehmenskultur, die dm in etlichen Umfragen zum beliebtesten Arbeitgeber im deutschen Lebensmitteleinzelhandel macht.
In der Praxis können „Marktverantwortliche“, wie es bei dm sie nennt, selbst festlegen, was sie bewerben oder häufiger bestellen. In Bad Cannstatt laufen die Artikel für Baby und Kind und zu Beauty gut, sagt Stammer – Tierartikel dagegen unter Schnitt. Aber vor allem seien Passbilder gefragt – das Bürgerbüro liegt um die Ecke.
Fotos für den Personalausweis sind eine von vielen Dienstleistungen, mit denen dm sein Angebot ausbaut. Neben Fotodiensten boomen vor allem Abholstationen, SB-Kassen und Apothekenartikel – nicht immer zur Freude der Konkurrenz, etwa Fotostudios und Apotheken. Stammer stört die ständigen Neuerungen nicht – im Gegenteil. „Ich finde das gut, ich will, dass viel los ist, dann lerne ich dazu“, sagt sie. Sie habe schon einmal die Filiale gewechselt, weil es ihr zu eintönig geworden sei.
Überhaupt ist Stammer, die sich als „spontan, strukturiert und organisiert“ beschreibt, ein Mensch, für den ein Begriff wie Work-Life-Balance nicht geschaffen scheint. „Das Ziel sollte doch sein, dass man gerne zur Arbeit geht. Ist das nicht der Fall, nutzt mir auch die Freizeit nichts.“
Auch die Samstagsarbeit und die im Handel üblichen Schichten – bei dm von 6 bis 14 Uhr und von 12 bis 20 Uhr – sieht sie als Vorteil. „Ich hatte noch nie ein Problem, auf dem Amt einen Termin auszumachen. Mit einem Bürojob von 9 bis 17 Uhr ist das schwieriger.“
Und wie zufrieden ist sie mit dem Gehalt?
Rund 4600 Euro brutto im Monat erhalte sie als Marktverantwortliche derzeit, sagt Stammer. Dazu kommt das Urlaubsgeld in Höhe von 1720 Euro und das Weihnachtsgeld in Höhe von 62,5 Prozent des Monatsgehalts.
Die Höhe des Urlaubs- und Weihnachtsgelds gelte für alle Vollzeit bei dm Beschäftigten in Baden-Württemberg, sagt dm-Geschäftsführer Christian Harms. „Lernlinge“, wie dm seine Lehrlinge nennt, bekommen 1147 Euro Urlaubsgeld. dm entlohnt seine Beschäftigten nach dem Tarifvertrag des Einzelhandels. Unter Berücksichtigung des dm-internen Mindestlohns von 14 Euro pro Stunde erhalte eine Verkäuferin in Baden-Württemberg je nach Erfahrung und Standort zwischen 2283 und 3219 Euro brutto im Monat, so Harms. „Hinzu können individuelle übertarifliche Zulagen kommen.“
Auch Stammer erhält eine Provision, die vom Umsatz der Filiale abhängig ist – bei ihr liegt sie zwischen 600 und 800 Euro.
Stammer wohnt mit ihrem Freund in einer Dreizimmerwohnung in Ostfildern – nur 1100 Euro Miete zahlt sie für 80 Quadratmeter, weil die Wohnung Teil einer Genossenschaft ist. „Ich kann mit meinem Gehalt eine Familie finanzieren.“ Sie sei „recht sparsam“, räumt sie ein, kein Konsummensch. Geld investiere sie für den Urlaub oder um mit Freundinnen essen zu gehen. Schon in der Ausbildung kam sie auf diese Weise mit einer eigenen Wohnung über die Runden.
Es ist Mittag geworden. Stammer zeigt den Pausenraum im Keller, der neben einem überraschend kleinen Lager liegt. Es gibt eine Kaffeemaschine, ein paar Spinde. Eine halbe Stunde dauert die Mittagspause im Schnitt. Manche gehen zum Imbiss, Stammer bringt sich meist das vorgekochte Essen mit.
Zurück geht es durch den kargen Gang zur Tür, die zum hellen Verkaufsraum führt. Ein Schild erinnert daran, dass das Diensthandy an und geladen ist und die Pushnachrichten aktiviert sind – vielleicht mit den nächsten Neuigkeiten.
Gerne würde Stammer noch in zwei, drei weiteren Filialen als Marktverantwortliche arbeiten. Aus der Komfortzone heraus, ein neues Team führen, sich im Beruf weiterentwickeln. Was danach komme? Mal sehen, meint sie. „In der Rente möchte ich auf jeden Fall am Wasser leben – an einem schönen Ort am Strand.“