Stuttgartnacht in Bad Cannstatt Stadtführungen ins 18. Jahrhundert

Von Sebastian Steegmüller 

Am Samstag, 20. Oktober, öffnen im Rahmen der Stuttgartnacht mehr als 60 Kulturstätten ihre Pforten. Stadtführer Stefan Betsch reist mit Teilnehmern am Mühlkanal ins 18. Jahrhundert.

„Bis zu 30 Kähne haben einst am Cannstatter Mühlkanal angelegt“, sagt Stadtführer Stefan Betsch. Foto: Sebastian Steegmüller
„Bis zu 30 Kähne haben einst am Cannstatter Mühlkanal angelegt“, sagt Stadtführer Stefan Betsch. Foto: Sebastian Steegmüller

Bad Cannstatt - Kübler A-Hoi“, „Kübler A-Hoi“, „Kübler A-Hoi“. Dieser Seemannsruf schallt in der fünften Jahreszeit aus vollen Kehlen durch die Altstadt von Bad Cannstatt. Doch wie kommt er eigentlich zu den Narren? Die Wurzeln liegen weit zurück. Im 18. Jahrhundert war der Mühlkanal ein Hafen und stellte einen wichtigen Umschlagplatz dar. Am Neckarufer befand sich unter anderem ein Kran zum Be- und Entladen der Schiffe. „Bis zu 30 Kähne haben dort angelegt“, sagt Stadtführer Stefan Betsch, der im Rahmen der „Stuttgartnacht“ am Samstag, 20. Oktober, zwei historische Spaziergänge anbieten wird. Um 19 und 21.30 Uhr werden Geschichten rund um die alte Hafen- und Badestadt erzählt. Beispielsweise, dass das Fischerstechen, das im vergangenen Jahr seinen 300. Geburtstag feierte, ursprünglich dazu diente, dass die Binnenschiffer Zeugnis ihrer Kunst ablegen konnten. Im Mühlkanal sei es teilweise so voll gewesen, dass die verärgerten Flößer ihr Holz im Zick-Zack um die Schiffe herumbringen und oft lange warten mussten, bis sie weiterfahren konnten. „Das brachte Unkosten mit sich, da beim Flößen eine Vielzahl an Knechten beschäftigt war.“

Auf dem 45-minütigen Rundgang – Start- und Endpunkt des Spaziergangs ist am Thaddäus-Troll-Platz, direkt am Eingang der Marktstraße – will der Experte zeigen, wie „es im alten Cannstatt zuging, bevor die Blütezeit der Bäder das Gesicht der Stadt veränderte. Außerdem geht es um eine wenig bekannte und kurios erscheinende Nutzung des Mineralwassers, den Neckar als Lebensader und stetige Bedrohung, das Neckarbad sowie die Bootswerft von Daimler und Maybach.“

Nur stupide Daten aufzählen, sei nicht das Ding von Betsch, der seit 2012 selbstständig als Stadtführer tätig ist und zuvor mehr als zehn Jahr im Vorstand des Vereins Pro Alt-Cannstatt saß. „Ich will die Teilnehmer launig unterhalten. Wenn sie am Ende nicht mindestens einmal herzlich gelacht haben, habe ich etwas falsch gemacht.“ In der Regel biete er seine Rundgänge Gruppen an, die Stuttgartnacht stelle für ihn die optimale Möglichkeit dar, sein Wissen auch an Einzelpersonen weiterzugeben.

Stadtweit öffnen 60 Kulturstätten

Insgesamt öffnen mehr als 60 Kulturstätten morgen Abend ihre Pforten. Der Großteil davon liegt jedoch in der Innenstadt. In Bad Cannstatt ist das Programm überschaubar, in den Neckarvororten wird dieses Jahr nichts angeboten. „Ich weiß nicht, ob es ein Vor- oder Nachteil für mich ist“, sagt Betsch. „Vielleicht pickt sich der eine oder andere die Führung raus, bevor er dann in die Innenstadt weiterzieht.“ Eine Alternative ist, den Spaziergang mit einem der anderen Punkte in Bad Cannstatt zu kombiniert. In der Mercedesstraße 9 präsentiert Iris Al Wardani in ihrem Studio „Essential Bellydance“ orientalischen Tanz. Unter dem Motto „Queen of the Nile“ gibt’s jeweils 25-minütige Darbietungen: Um 19.30 Uhr beginnt die Einführung in „Tribal Style“, um 20.30 und 23 Uhr folgt der Tanzkurs mit dem Fächerschleier. Um 21 und um 23.30 Uhr zeigt Iris Al Wardani modernen Bauchtanz, um 21.30 Uhr erklärt sie die Unterschiede zum klassischen Bauchtanz. Im selben Gebäude vermitteln die Profis der Salsa Company, dass der Tanz Lebensfreude pur ist. In einstündigen Schnupperkursen vermitteln sie Grundschritte und Bewegungen der temperamentvollen Tänze aus Lateinamerika und Afrika. Um 19 Uhr geht es mit Kizombo los, einem sinnlichen Paartanz aus Angola. Weiter geht es um 20.15 Uhr mit Bachata. Den Abschluss bildet um 21.30 Uhr Salsa. Ab 22.30 Uhr kann das Erlernte bei der Party umgesetzt werden.

Wer keine Lust zu tanzen hat, für den ist vielleicht das Angebot der Staatstheater Stuttgart etwas. Gleich drei neue Intendanten leiten die Geschicke des Drei-Sparten-Hauses, das zur „Stuttgartnacht“ im Schauspiel Nord in der Löwentorstraße 68 seine ganze künstlerische Vielfalt zeigt. Um 19 und um 22 Uhr präsentiert sich das Stuttgarter Ballett 30 Minuten lang „zeitgenössisch“. Um 20 und 23 Uhr folgt unter dem Motto „Go West – Go Nord“ eine rasante Roadshow quer durch die Opern-, Operetten-, Musical- und Chansonliteratur. Um 21 und 23 Uhr stellt sich das neue Schauspiel Stuttgart am Löwentor vor.

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