Stuttgarts größter See weiter in Not Warum die Stadt weiter Wasser in den Max-Eyth-See pumpt

Auch die Segler haben zunehmend Probleme mit den vielen Wasserpflanzen im Max-Eyth-See. Foto: Andreas Rosar

Angesichts des sinkenden Wasserpegels im Max-Eyth-See gibt es neue Vorschläge, wie man das Problem lösen könnte. Segler und der Bootsverleih haben unterdessen immer mehr Schwierigkeiten mit den Wasserpflanzen.

Lokales: Iris Frey (if)

Der Max-Eyth-See bleibt weiter im Visier von Experten. Die Stadt hat seit dem Bekanntwerden des Wasserverlusts Anfang August das Problem noch nicht gelöst. Wie eine Sprecherin auf Nachfrage mitteilte, suche das Tiefbauamt weiter nach den Ursachen für die aktuell „recht große Wasserspiegelabnahme“. Die tägliche externe Wasserzufuhr sei in den vergangenen beiden Wochen nochmals deutlich erhöht worden. Eine Sprecherin erklärt, dass „weiterhin 18 Stunden am Tag 40 Liter pro Sekunde in den See gepumpt werden“.

 

Weitere Austrittsmöglichkeiten werden gesucht

Außerdem werden Untersuchungen am querenden Kanal unter dem Max-Eyth-See durchgeführt und weitere potenzielle Austrittsmöglichkeiten rund um den See und im See gesucht. Im Moment sei der Wasserspiegel stabil. Das hat auch Bootsverleiher Horst Bauer festgestellt. So sei der Wasserspiegel zwar immer noch 24 Zentimeter niedriger als sonst, weiß Bauer zu berichten. Zu schaffen mache ihm allerdings aktuell eher die zunehmende Zahl an Wasserpflanzen.

Momentan ist der See für seine Gäste nur zu 30 Prozent nutzbar, sagt Bauer. Tendenz sinkend. Auch der Vorsitzende des Stuttgarter Segel-Clubs, Günter Wiedemann, macht sich Sorgen über den Wasserverlust und die Verunreinigungen durch die Nilgänse. „Da hat die Stadt leider immer noch kein Konzept entwickelt“, so Wiedemann. Die Mähaktion im Juli sei nur zum Teil hilfreich gewesen.

Insgesamt sei auch deshalb für ihn der See nur zu etwa 40 Prozent nutzbar. Die Uferbereiche seien im Abstand von 40 Metern nicht gemäht worden. Das schränke den Segelsport weiterhin sehr auf dem ohnehin kleinen See ein. Er hofft auf die zweite Mahd im September. Indes gibt es einen neuen Vorschlag, um die Probleme mit dem Wasserverlust und der Verbesserung der Wasserqualität zu lösen. Er stammt von dem Neckarguide Wolfgang Zwinz, der seit Jahren auf seinen Touren auch über den Neckar und den Max-Eyth-See informiert. Die Probleme am und im Max-Eyth-See könnten gelöst oder zumindest minimiert werden, sagt der Hofener, wenn alle drei geplanten Maßnahmen – der Erlebnisraum Auwiesen, Verbesserung der Wasserqualität im Max-Eyth-See und die Fischtreppe an der Staustufe Hofen – miteinander kombiniert werden.

Neuer Vorschlag, um den Wasserverlust zu stoppen

Sein Vorschlag: Das Wasser in der Naturoase Auwiesen wird über einen neuen Bach weiter in den Max-Eyth-See geleitet. Von dort wird über den Festplatz Hofen ein weiterer Bach bis hinter die Staustufe Hofen gebaut. Dieser könne es möglich machen, dass das Wasser im See ausgetauscht werde und Fische den Neckar stromaufwärts und -abwärts durchwandern könnten. Somit sei kein Fisch mehr im Max-Eyth-See eingesperrt und künftige Fischsterben seien unwahrscheinlich. Entlang des Bachs könne, so die Idee, eine attraktive Auenlandschaft modelliert werden, ähnlich wie bei den Zugwiesen in Ludwigsburg, die zahlreichen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum biete.

Der Vorsitzende des Württembergischen Anglervereins (WAV), Hans-Hermann Schock, findet, dass der Vorschlag viele gute Ansätze biete. „In der Praxis wird es aber an den unendlich hohen Kosten scheitern“, sagt Schock. Zur aktuellen Lage im See erklärt er, dass die Wasserpflanzen noch die Erhitzung des Wassers verhindern.

Brigitte Bohlinger, Vorstandsmitglied des Naturschutzbundes (Nabu) Stuttgart, erklärt auf Nachfrage, dass zunächst das Tiefbauamt die Ursache für den Wasserverlust finden müsse. Das das Wasser im See neuerdings klarer ist und sich deshalb die Wasserpflanzen so gut entwickeln, sei eigentlich eine erfreuliche Entwicklung: „Die Schwäne leben wohl sehr gut davon.“ Auch gab es offenbar zu Beginn des Jahres einen noch viel markanteren Niedrigstand als aktuell, und ganz plötzlich sei der Wasserstand wieder normal gewesen. Was den letzten Vorschlag des Anglervereins zu einer Öffnung der Schleuse betrifft, so sieht der Nabu Stuttgart die Gefahr, dass auch Schadstoffe und Schlamm in den See gelangen könnten. „Das sollten vorab Experten für Hydrologie und Gewässerkunde prüfen.“ Und die Idee eines Bachs? „Hier sollte zuerst eine Überprüfung von Experten durchgeführt werden, inwieweit solch ein Bach fachlich, rechtlich und auch finanziell überhaupt möglich ist.“ Wenn solche Daten dann vorhanden seien, könne der Nabu Stuttgart dazu eine Stellungnahme abgeben. „Alles andere wäre vorab nur Spekulation“, sagt Bohlinger.

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