InterviewStuttgarts Radbeauftragter Claus Köhnlein Hauptstraßen in Rio an Wochenenden für Autos gesperrt

Von Tom Hörner 
Ein Radweg, der für Sie nicht mehr ganz so in leuchtenden Farben erscheint.
Das stimmt. Ich war im April privat in Rio und hatte mich mit Freunden vor dem Rathaus verabredet. Wir wollten ebendiesen Radweg fahren, da kam ein Anruf, und wir erfuhren, dass soeben eine Welle ein Stück der Trasse weg- und drei Menschen mit in den Tod gerissen hatte. Eine fürchterliche Sache. Soweit ich weiß, hat es sich um einen Konstruktionsfehler gehandelt, denn die Welle soll nicht außergewöhnlich stark gewesen sein.
Zurück zu Ihren positiven Erfahrungen. Welche Erkenntnisse haben Sie aus Lateinamerika mitgebracht?
Dass man mit wenigen Mitteln und kleinen Ideen viel erreichen kann. Jedes Wochenende sind Hauptverkehrsstraßen in São Paolo, Bogotá und Rio, also von gigantischen Millionenstädten, für Autos gesperrt. Sie gehören dann den Fußgängern und Radfahrern. Offensichtlich geht das, obwohl da die ganzen Shoppingmalls dranhängen. Mitten auf den Straßen werden Spielplätze und Essenstände aufgebaut, da steigt eine große Party. Als ich das hörte, dachte ich: Hoppla, davon können wir noch was lernen.
Auf Stuttgarter Verhältnisse übertragen: Welche Straßen müsste man da sperren?
Die Theodor-Heuss- und Konrad-Adenauer-Straße. Unsere Stadtautobahnen.
Welche Stadt ist für dem Radbeauftragten Köhnlein das Radfahrparadies auf Erden?
Spontan würde ich Kopenhagen oder Amsterdam sagen. Da wird man als Radfahrer respektiert, was auch mit der Menge zu tun hat, mit der Radfahrer dort auftreten. Aber das war dort auch nicht immer so. Ich kenne Kopenhagen schon seit 35 Jahren, dort früher zu radeln war auch nicht immer ein Vergnügen. Inzwischen gibt es in der Innenstadt einen Radfahranteil von 40 Prozent, im gesamten Stadtgebiet sind es 25 Prozent.

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