Weil sie erst seit dem vergangenen Herbst für den VfB Stuttgart an den Start geht, könnte man ja meinen, Sandrina Sprengel sei noch nicht vertraut mit den Gegebenheiten in der Landeshauptstadt. Aber: Das Gegenteil ist der Fall. Seit sie 15 Jahre alt ist, lebt und trainiert die Leichtathletin in Stuttgart. Und auch mit der Sportlerehrung im Kursaal hat sie längst Bekanntschaft gemacht. „Ich war schon einige Male dabei“, sagt die heute 22-Jährige. Und: „Es war immer etwas Besonderes.“
In diesem Jahr galt das für sie umso mehr – doch ausgerechnet dieses Mal konnte Sandrina Sprengel nicht dabei sein. Für die Auszeichnung als Stuttgarts Sportlerin des Jahres bedankte sie sich am Abend per Video-Botschaft. „Ich freue mich unglaublich“, sagte sie, „es ist toll, dass so viele für mich abgestimmt haben.“ Sie selbst hat aber auch eine gute Begründung für viele Stimmen geliefert. Dabei hatte das Jahr 2025 für die Mehrkämpferin gar nicht gut begonnen.
Im Mai hatte sich Sprengel einen Muskelfaserriss zugezogen – und verpasste so die U-23-EM. Das traf die ehrgeizige Athletin in jenem Moment hart. „Das war schlimm“, erinnerte sie sich. Denn nachdem sie in der U-20-Kategorie schon Europameisterin geworden war, wollte sie nun auch in der U-23-Klasse siegen. „Es war nicht leicht, danach den Blick wieder nach vorne zu richten“, gab sie zu. Doch heute weiß sie: Es hat sich gelohnt. Zur deutschen Meisterschaft war sie wieder fit – und gewann zum zweiten Mal nach 2024 den Titel. Und dann kam die WM, über die Sprengel heute sagt: „Das war der Wettkampf meines Lebens.“ Ohne Druck, sie hatte „nichts zu verlieren“, dafür mit viel Spaß wurde sie am Ende Fünfte. Als jüngste Athletin im Feld. „Es hat“, sagte sie nun, „alles zusammengepasst.“
Grippe zum Start ins Jahr 2026
Zwar begann auch das Jahr 2026 nicht perfekt – ein schwerer Infekt erwischte die Leichtathletin, am Wochenende war sie aber schon wieder bei der Hallen-WM in Polen am Start (Platz acht). Weshalb sie auch nicht persönlich bei der Sportlerehrung am Montag erscheinen konnte. Aber: Vielleicht ergibt sich ja im kommenden Jahr eine neue Möglichkeit.
Die EM in Birmingham ist das große Saisonziel von Sandrina Sprengel, über die Dieter Göggel, der Leiter der VfB-Leichtathletikabteilung, sagt: „Sie ist eine intelligente, sehr fokussierte Persönlichkeit mit einer großen Portion Ehrgeiz.“ Die in Stuttgart in einer WG mit zwei anderen Leichtathletinnen lebt: Sprinterin Rosina Schneider und Weitspringerin Laura Raquel Müller. „Stuttgart“, sagt die aus Balingen stammende Sandrina Sprengel, „ist mittlerweile mein Zuhause.“ Umso besser passt die Auszeichnung als Stuttgarts Sportlerin des Jahres.
Neben der Siebenkämpferin waren noch Sara-Joy Bauer (Judo) und Anjuli Knäsche (Leichtathletik/Stabhochsprung) nominiert.