Stuttgarts Städtepartnerschaft mit Menzel Bourguiba Zivilgesellschaft durch Jugend stärken

Seit 50 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen Stuttgart und Menzel Bourguiba – und mit ihr zahlreiche Projekte. Foto: STZ/Stolterfoht
Seit 50 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen Stuttgart und Menzel Bourguiba – und mit ihr zahlreiche Projekte. Foto: STZ/Stolterfoht

Auch 50 Jahre nach Beginn der Partnerschaft zwischen Stuttgart und der tunesischen Stadt Menzel Bourguiba bewegt sich in den Städten einiges. Das Jubiläumsprogramm feiert die Zusammenarbeit.

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Stuttgart/Menzel Bourguiba - Mit einer zehn-zeiligen Meldung am unteren Rand der Stuttgarter Zeitung vom 3. Mai 1971 wird die neue Städtepartnerschaft zwischen der Landeshauptstadt Stuttgart und der tunesischen Kleinstadt Menzel Bourguiba bekannt gegeben. Mit damals nur 30 000 Einwohnern ist es die kleinste Partnerstadt Stuttgarts. Doch die Städtepartnerschaft, die einst recht unscheinbar begann, hat in den 50 Jahren ihres Bestehens doch viel erreicht – und wird jetzt gefeiert. Auf dem Programm für das Jubiläum stehen ein deutsch-tunesischer Live-Kochkurs, ein Online-Leseabend über Literatur mit Tunesienbezug und ein Vortrag zum Thema Kunst und Karikaturen im Islam.

Der erste Anstoß für die Städtepartnerschaft war ein Abkommen zur Ausbildungsförderung zwischen Baden-Württemberg und Tunesien, die 1965 begann. Durch das Programm wurden junge Tunesier ausgebildet, von denen einige nach Deutschland kamen und so den Bedarf an Fachkräften im Großraum Stuttgart abzudecken.

Kultureller Austausch und ökonomische Vorteile

Beruhte der Anfang der Beziehung zwischen den beiden Städten noch auf ökonomischer Grundlage, wuchs über die Jahre der Wunsch, sich auch kulturell und sozial auszutauschen. Vor allem im Bereich der Jugendarbeit unterstützt Stuttgart die tunesische Partnerschaft: „Jungen Menschen eine Stimme zu geben, das ist sehr wichtig. Gerade in Tunesien, wo es so viele junge Menschen und viel Perspektivlosigkeit gibt“, sagt die Leiterin der Abteilung Außenbeziehung der Stadt, Nadia vom Scheidt.

Das neueste Projekt der Städtepartnerschaft„Open Space for Youth“ gestaltet in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendring und dem Réseau Express Jeunes Strasbourg einen öffentlichen Platz in Menzel Bourguiba für Jugendliche um. Die Fläche soll genutzt werden können für urbanes Gärtnern, Sport- oder Kulturveranstaltungen zu Verfügung stehen. Der Stadtjugendring unterstützt die Jugendlichen bei ihrem Projekt in einer Zivilgesellschaft, die noch nicht lange besteht: „Sich für Demokratie einsetzen, das eigene Engagement als Bereicherung zu sehen – das ist nicht selbstverständlich in Tunesien, wo diese Strukturen erst aufkommen“, so Nadia vom Scheidt.

„Das Land hat Potenzial!“

Stuttgart möchte demokratische Strukturen in Menzel Bourguiba stärken und junge Menschen mit in die Entscheidungsfindung einbinden und so eine aktive Zivilgesellschaft fördern. Jugendbegegnungen in Tunesien und Deutschland stärken den Austausch der Jugendlichen untereinander: „Viele junge Tunesier sind engagiert. Sie diskutieren über Demokratie und Gesellschaft und wollen was verändern“, wie Houssem Ben Abderrahman, Vorsitzender des Vereins der Tunesier in Stuttgart, erzählt.

Die revolutionäre Bewegung und Tunesien als Reiseziel, das sind die prägenden Facetten des Bildes, das in den meisten Köpfen über Tunesien besteht. Die Städtepartnerschaft beweist immer wieder aufs Neue, was Houssem Ben Abderrahman schon weiß: „Tunesien ist so viel mehr als Couscous und Urlaubsort. Das Land hat viel Potenzial.“




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