Stuttgarts Telemänner in Shanghai Stuttgarter Jungmusiker in China

Stuttgarts Telemänner mit chinesischen Jugendlichen in Shanghai Foto: Gedok/Bade-Bräuning

Das Jugendorchester Telemänner war im August zwölf Tage in Shanghai für ein deutsch-chinesisches Gemeinschaftsprojekt. Großer Auftritt im National Art Center

Lokales: Armin Friedl (dl)

Stuttgart - Was bleibt den jungen Musikern des Stuttgarter Orchesters Die Telemänner, die im August zwölf Tage lang in China waren? Unter anderem ein Fächer mit alten Motiven aus der chinesischen Mythologie, eine von Kinderhand gemalte Chinaflagge und aufwendig gestaltete Lesezeichen für Bücher. Aber vor allem wohl viele wertvolle Erinnerungen, die sie wahrscheinlich nie vergessen werden: das andere Essen, die ganz andere Kultur, das hektische Leben in der 20-Millionen-Stadt Shanghai, die Begegnung mit gleichaltrigen Chinesen, das gemeinsame Musizieren – und dann natürlich die Auftritte und für die meisten auch die erste Auslandsreise ohne die Eltern.

 

Noch unterwegs zwischen China und Europa

Adina und Elisa Varga sowie Sammi Lam haben sich Zeit genommen, um über ihre Erlebnisse zu berichten. Fast scheint es, als seien sie mit ihren Gedanken auch gut zwei Wochen nach ihrer Rückkehr noch irgendwo unterwegs zwischen Europa und China. Aber sie sitzen im Stuttgarter Gedok-Haus im Westen, dem Stammhaus des Orchesters. Sammi Lam übrigens, der Name legt es nahe, hat in der Tat chinesische Wurzeln. Da könnte man meinen, dass sie dort leichtes Spiel hatte, aber weit gefehlt: Sie spricht den Kanton-Dialekt ihrer Eltern, aber den versteht wiederum offensichtlich niemand in Shanghai. „Die Freude war groß, da war ich sehr gefragt für Gespräche allein aufgrund meines Aussehens. Aber leider konnten wir uns nicht verständigen“, berichtet Lam.

Doch interkulturelle Kommunikation funktioniert dort heute anders: „Die Sätze werden ins Smartphone eingegeben, und wir bekommen die Übersetzung“, sagt die Telemänner-Leiterin Steffi Bade-Bräuning. Das erleichtere manches, aber einem klassischen Gespräch stehe diese Technik eher im Weg. Englisch als jene Sprache, mit der sonst weltweit zumindest die grundlegenden Bedürfnisse kommuniziert werden, hat hier ausgedient.

Plötzlich ein Taifun

„Das ist schon eine vollkommen andere Welt, als wir es in Europa gewohnt sind“, so Adina Varga. Elisa ergänzt: „Da ist ein ganz anderes Tempo im Alltag, der Überlebenskampf ist härter.“ Da erwähnen sie etwa die U-Bahnen mit ihren sehr knapp bemessenen Umsteigezeiten an den Bahnhöfen, an plötzliche Taifunwarnungen in den Medien. Und der starke Wind kann dann durchaus mal ein Dach oder eine Werbefläche in unmittelbarer Nähe von Menschen runterreißen, gleich danach geht das Leben aber wieder weiter, als ob nichts gewesen wäre.

Im Mittelpunkt der China-Reise stand freilich die Musik. „Wir haben täglich etwa sechs bis acht Stunden am Tag geprobt“, so Lam. Und das nicht allein, sondern mit einer Jugendakademie vor Ort, die in China hohes Ansehen genießt. Und der Höhepunkt war ein Auftritt als großes gemeinsames Orchester im Shanghai Oriental Art Center. „Das war eine ganz große Sache, die Akustik war absolut toll“, schwärmt Elisa. Die Dirigentin dazu: „Der Saal war voll mit bis zu 3000 Leuten. Da wurde im Vorfeld viel Werbung gemacht, das Fernsehen hat live übertragen. Überhaupt muss man sagen, dass die Chinesen uns in jeder Hinsicht einen sehr würdigen Rahmen gegeben haben.“ Und Sammi gibt zu: „Ich habe den Auftritt heimlich gefilmt mit meinem Handy.“

Ein würdiger Rahmen

Dieses deutsch-chinesische Zusammenwirken hat sich im Programm gespiegelt: Musik von Telemann gehörte dazu, aber auch die anderen Komponisten wie Vivaldi und Bach – und chinesische Weisen. Adina: „Das war ziemlich fremd und eine große Umstellung für uns. Da habe ich Flötentöne kombiniert, die ich so noch nie gespielt habe.“ Am besten gefallen hat dem Publikum laut Bade-Bräuning die Bearbeitung der Filmtitelmusik zu „Transformers“.

Und dann ging es doch mal raus aus Shanghai, nach Guangzhou zu einem deutschen Hersteller von Textilmaschinen. Beim Auftritt in der Maschinenhalle bei laufendem Betrieb war es ungewöhnlich laut für solche Musik. Andererseits: „Dort wurde wirklich alles unternommen, um den Auftritt so angenehm wie möglich zu gestalten“, so Bade-Bräuning. Und in der chinesischen Niederlassung der Firma Hans Mayer wurde dieses Jugendprojekt ausführlich gefeiert in der Unternehmensbroschüre.

Musik in der Maschinenhalle

Jetzt ist für die jungen Telemänner – Jungs und Mädchen zwischen elf und 18 Jahren – wieder die Zeit vorbei, in denen es zum Frühstück obligatorisch Reis gegeben hat. Neben dem Alltag in Deutschland und den Proben gibt es vor allem wieder die Schule. Die Liebe zur Musik aber bleibt: „Barockmusik mag ich sehr gerne beim Lernen“, erklärt Elisa. Die Lieblingsmusik: „Das ist eindeutig die Ouvertüre zu Bachs C-Dur-Orchestersuite“, so Sammi. Und die anderen stimmen ihr sofort zu. Wenn die Jugend allerdings mit Knopf im Ohr unterwegs ist, dann ist Barockmusik weniger gefragt.

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