Großprojekte in Stuttgart Nicht nur die Oper wird teuer
Schleyerhalle, Klinikum, Lindenmuseum: Nicht nur die Opernsanierung kostet Geld in Stuttgart, auch andere Einrichtungen und Vorhaben werden teuer. Ein Überblick.
Schleyerhalle, Klinikum, Lindenmuseum: Nicht nur die Opernsanierung kostet Geld in Stuttgart, auch andere Einrichtungen und Vorhaben werden teuer. Ein Überblick.
Stuttgart - Eine Milliarde Euro soll die Sanierung der Oper in Stuttgart insgesamt kosten, die Hälfte davon bezahlt die Stadt. Doch auch jenseits dieser Großbaustelle gibt es viele Vorhaben in Stuttgart, für die hohe Summen fällig werden.
Die Hanns-Martin-Schleyerhalle ist 1983 nicht etwa als Austragungsort für Megasportevents und Konzerte gebaut worden – laut Andreas Kroll, Geschäftsführer des Betreibers in.Stuttgart, war sie eine „überdachte Radrennbahn“, in die auch Daimler zur Hauptversammlung einlud.
Der Betrieb brummt in der betagten Halle wie selten zuvor. Doch spätestens, wenn in einigen Jahren das Dach saniert werden müsste, stellt sich die Frage nach Ersatz. Denn die Konkurrenz schläft nicht. In München und Frankfurt sind Großhallen geplant. Aus Betreibersicht ist die Schleyerhalle „flach wie ein Brett“, Gift für Stars wie Ed Sheeran oder Beyoncé mit gewaltigen Bühnenaufbauten. Sie gehen dorthin, wo die Hallen um ein Drittel höher sind. Auch die Zuschauerkapazitäten (10 500, neue Hallen mehr als 20 000) sind nicht konkurrenzfähig. Bei 100 Euro pro Konzertkarte lässt sich zudem der entgangene Umsatz leicht errechnen.
Abriss, Neubau und wohl auch eine alternative Spielstätte in der Nähe für zwei Jahre – darüber nachzudenken wird die Aufgabe der Geschäftsführer Andreas Kroll und Martin Rau. Mindestens 200 Millionen Euro müssen finanziert werden. Mit einem von der Objektgesellschaft zu bedienenden Darlehen, der Vergabe des Namensrechts und einem hälftigen städtischen Zuschuss könnte das gelingen.
Eine Initiative von Musikern und Kulturschaffenden hat im Frühjahr die Idee eines Konzerthauses als Ergänzung zum Kongresszentrum Liederhalle präsentiert, die einen oberen zweistelligen Millionenbetrag kosten dürfte. Sie denkt an ein Konzerthaus mit hoher architektonischer und akustischer Qualität für bis zu 2200 Besucher. Die Auslastung der Räume dürfte laut Experten weniger ein Problem sein als ein rentabler Betrieb. Als möglicher Standort ist ein Areal gegenüber der Liederhalle im Gespräch. Eine Spielstätte, die erst als Interimsbau für die Oper genutzt und später zur Philharmonie umgebaut wird, hat aus technischen Gründen keine Chance auf Realisierung.
Es gibt bei der Stadt auch Bestrebungen für ein Film- und Medienhaus am Leonhardsplatz, aber noch immer kein Konzept. Gewünscht ist ein Experimentierfeld und Medienlabor, die Stadt will eine offene, lebendige Einrichtung wie das Stadtpalais.
2005 hatte der Gemeinderat die Neuordnung des Klinikums beschlossen, die Gesamtkosten haben sich mit 1,35 Milliarden Euro nahezu verdoppelt. Eine erheblichen Anteil trägt das Land. Allein der Anteil für das Katharinenhospital wird auf 750 Millionen Euro (bisher 430 Millionen) veranschlagt, weil das Bettenhaus statt saniert neu gebaut wird. Zudem wird der Haupteingang Katharinenhof 10 000 Quadratmeter mehr Fläche erhalten. 200 Millionen Euro hat die Stadt zurückgelegt, Kostensteigerungen gibt es laut aktuellem Plan nicht.
Das Klinikum beteiligt sich laut Vertrag mit 87 Millionen Euro am Neubau des Katharinenhospitals. Einzug ist voraussichtlich 2028/2029. Die Kommunalanstalt des öffentlichen Rechts erhält für Sanierungen, Medizintechnik und Digitalisierung jährliche Zuschüsse von zwölf Millionen Euro. Dieses Jahr erwartet das Klinikum 11,8 Millionen Euro Defizit, 2020 dann 12,3 Millionen statt bisher geplanter vier Millionen Euro. Von 2021 an will das Klinikum dann aber kostendeckend arbeiten.
Seit Jahren wird diskutiert, wo in der City das Linden-Museum, das staatliche Museum für Völkerkunde, einen seiner Bedeutung angemessenen Neubau erhalten könnte. Dafür hat man einmal Kosten von rund 80 Millionen Euro plus Grundstück geschätzt, die sich Land und Stadt teilen würden. Heute liegt das Museum weit ab vom Schuss am Hegelplatz, zufällig verirrt sich dorthin niemand. Zudem ist das Gebäude relativ ungeeignet für einen Museumsbetrieb.
Die Leiterin Inés de Castro rennt mit ihrem Wunsch nach Veränderung bei der Politik offene Türen ein, ohne dass sich aber außer diversen Standortvorschlägen bisher etwas getan hätte. Die Idee einer Platzierung auf dem Straßburger Platz hinter dem Hauptbahnhof hätte keine beschleunigende Wirkung. Es spricht mehr für einen Neubau als für eine Sanierung, dann könnte das Linden-Museum künftig als „Haus der Kulturen“ punkten.
Die Energiewende setzt den Ausbau der E-Mobilität voraus. In Stuttgart ist sie wegen des ausbaufähigen Nahwärmenetzes vor allem eine „Wärmewende“. Zwar arbeiten Stadt und die EnBW seit 2014 bei der Verteilung von Strom und Gas zusammen, über die Übereignung von Energieversorgungsnetzen – Fernwärme, Hochspannung (Strom) und Hochdruck (Gas) – streiten sie vor Gericht. Noch ist nicht entschieden, zu welchem Preis welche Leitungen übergeben werden. Die Stadt hat für den Klimaschutz 200 Millionen Euro zurückgelegt, die Hälfte des Kaufpreises soll die Stuttgarter Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft SVV beisteuern. In dieser Holding ist der Erlös aus dem Verkauf der Energieanteile angelegt.
Gestritten wird auch über den Preis des Wasserverteilnetzes. Einen Vergleichsvorschlag von bis zu 290 Millionen lehnte die EnBW ab, sie ging von 480 Millionen Euro aus. Die Stadt wollte nur 160 Millionen Euro bezahlen, hätte den Vorschlag aber diskutiert. Für den Kauf hat sie 110 Millionen Euro zurückgelegt.