Mit 40 Toren war Aristidis Perhanidis der erfolgreichste Schütze in der abgelaufenen Saison der Bezirksliga Stuttgart/Böblingen – und somit der erste Torschützenkönig der neu eingeteilten Staffel nach der Bezirksreform. Damit sicherte sich der 30-jährige Stürmer des Bezirksliga-Meisters TSV Plattenhardt, der in Fellbach wohnt, verheiratet ist und als Lagerist arbeitet, auch die Torjägerkanone unserer Zeitung. „Die wollte ich schon immer haben“, sagt Perhanidis im Gespräch, gibt aber auch zu: Seine Mitspieler hätten ihm gegen Ende der Saison die Bälle so aufgelegt, dass es auf jeden Fall zum Gewinn der Trophäe reiche.
Das war nicht als Provokation gemeint. Allgemein habe ich viel Selbstvertrauen und bin der Überzeugung, dass man als Fußballer nur was erreichen kann, wenn man auch selbstbewusst auftritt.
Nachdem sie die Aussage von den eigenen Toren in unserem Vorbericht äußerten, hörte man von Seiten der Cannstatter Fans, dass der Perhanidis den Mund ganz schön voll nehme. Motiviert Sie so was?
Die Fans haben mich teilweise beleidigt, aber das gehört dazu und ja, so etwas motiviert mich.
Tatsächlich waren es keine drei Perhanidis-Tore, aber immerhin eines und zwar das zum Tor des Tages. Schön war es zudem – ein gezirkelter Freistoß von der Strafraumkante über die Mauer. War das Ihr schönstes Tor der Runde?
Nein, das war ein Freistoß gegen Deckenpfronn. Aus etwa 35 Metern Entfernung von der linken Seite habe ich den Ball in den rechten Winkel gedonnert.
Erinnern Sie sich auch an Momente, bei denen Sie völlig versagt haben?
Klar, gegen Oberjettingen beim Spielstand von 0:0. Da hab’ ich einen Elfmeter über die Latte geschossen. Letztlich haben wir diese Partie verloren.
Als Torjäger steht man natürlich im Rampenlicht. Doch ohne Vorlagengeber ist selbst der gefährlichste Ihrer Spezies wenig erfolgreich. Wer waren Ihre besten Zulieferer?
Vor allem mit meinem jungen Sturmpartner Ekrem Servi verstehe ich mich auf und außerhalb des Platzes sehr gut. Wir haben uns die Dinger gegenseitig aufgelegt.
Ihr Vorgänger als bester Torschütze der Bezirksliga war Fatih Özkarahman. Mit diesem bildeten Sie über weite Strecken der Vorrunde ein gefährliches Sturmduo, bis es Ende Oktober beim Spiel gegen den TSV Rohr zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung in der Kabine gekommen ist und sich der Verein eine Woche später von Özkarahman getrennt hat. Sind Torjäger Alphatiere und deshalb ist nur Platz für einen?
Das würde ich nicht so sehen, wir haben ja beide unsere Tore gemacht und uns dabei auch diese nicht geneidet. Es ist einfach blöd gelaufen, war prinzipiell auch gar nicht so tragisch.
Haben Sie sich mit ihm nochmals ausgesprochen oder Kontakt?
Wir haben die Sache danach aus der Welt geräumt.
In der Vorsaison hatten Sie auf ihrem Torekonto 18 Treffer und 18 Assists. Wie kam es nun zu einer derartigen Explosion?
Unter Trainer Sascha Blessing hab ich auf dem linken Flügel gespielt, musste mehr ackern und hatte deshalb nicht den reinen Fokus auf dem Abschluss. Als dann Slobodan Markovic übernommen hat, habe ich im Sturm gespielt. Er wusste um meine Abschlussstärke und das habe ich dann auch unter Beweis gestellt.
Generell wissen Sie ja schon seit vielen Jahren, wo das Tor steht. Angebote gab es ja sicherlich einige?
Ja, unter anderem hatte ich ein Angebot vom damaligen und jetzt wieder Regionalligisten Großaspach. Damals war der Ex-Profi von Augsburg und 1860 München Sascha Mölders spielender Co-Trainer. Ich war schon 27 Jahre alt, meine Frau hat noch studiert und ich hätte meinen Job aufgeben müssen. Das war einfach nicht machbar. Wäre das Angebot zu einem früheren Zeitpunkt gekommen, hätte ich es wahrscheinlich probiert. Doch in meinen jüngeren Jahren haben mich Muskelverletzungen immer wieder zurückgeworfen. Sonst hätte ich es mit meinem linken Fuß bis ganz nach oben schaffen können.
Probiert haben Sie es ja mal beim Verbandsligisten SV Fellbach. Warum war bei den Kappelbergstädtern nach einem halben Jahr bereits wieder Schluss?
Am Anfang habe ich gespielt und bei 16 Einsätzen vier Tore und zwei Vorlagen gemacht. Danach wurde der Kader umstrukturiert und es war kein Platz mehr für mich.
Nach einem halben Jahr beim TV Oeffingen folgte der Wechsel nach Plattenhardt und der Abstieg in die Bezirksliga und nun im zweiten Jahr wieder der Aufstieg. Was hat die Mannschaft in der Meistersaison ausgezeichnet?
Die Qualität war definitiv gut und von Anfang an schon auf Landesliga-Niveau. Mit der Zeit haben wir unter Trainer Markovic dann auch ein gutes System gespielt, eine offensive Ausrichtung und dennoch mit einer kompakten Defensive.
Was glauben Sie, darf man vom Team erwarten?
Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir mit dem Abstieg nichts zutun haben werden und uns im Mittelfeld etablieren werden.
Und wie viele Tore schießt ein Aristidis Perhanidis in der kommenden Runde?
Ich habe, wie schon gesagt, viel Selbstvertrauen und sage 30. Es dürften aber auch 15 Vorlagen und 15 Treffer sein. Man bekommt in der Landesliga nicht so viele Möglichkeiten, die Abwehrspieler sind dort einfach besser.