StZ-Beitrag bei Langer Nacht der Museen Feinstaub und Moos zum Anschauen und Mitnehmen

Von Ralf Recklies 

Der Künstler Erik Sturm hat in einem kleinen Zirkuszelt auf dem Schlossplatz auf Einladung der Stuttgarter Zeitung Arbeiten präsentiert, die sich mit dem Thema Feinstaub auseinandersetzen.

StZ-Redakteur  Ingmar Volkmann mit dem Künstler Erik Sturm (rechts) Foto:  
StZ-Redakteur Ingmar Volkmann mit dem Künstler Erik Sturm (rechts) Foto:  

Stuttgart - Wer am Samstagabend mehr als die bloße Erinnerung an Erik Sturms Kunstaktion „Frischluftalarm im Feinstaubzirkus“ mitnehmen wollte, hatte die Möglichkeit, eine der 50 limitierten Boxen mit in Gläsern abgefülltem Neckartor-Feinstaub und Moos in einer Box zu erwerben. In dieser findet sich auch ein Spielzeugauto, mit dem man im heimischen Wohnzimmer „den Feinstaubalarm nachspielen kann“, so Sturm.

Bereits seit 2012 setzt sich Erik Sturm – ausgehend von einem Stipendienaufenthalt in Budapest – mit dem Thema Feinstaub auseinander. Dabei ist dem Künstler, der sich auch als Neuzeitarchäologe sieht, der Begriff der Auseinandersetzung sehr wichtig. Ihm gehe es nicht um eine politische Positionierung im Sinne eines Aktivisten, sondern um die Betrachtung des Phänomens Staub.

Große Resonanz

Die von der Stuttgarter Zeitung als offiziellen Beitrag zur Museumsnacht veranstaltete Präsentation im Zirkuszelt auf dem Schlossplatz stieß am Samstagabend auf große Resonanz. Auch wenn bei der von Sturm ersonnenen Performance im Zelt nicht alles nach den Vorstellungen des Künstlers geklappt hat. Sturm hatte geplant, mit physikalisch-mechanischen Mitteln regelmäßig eine Frischluftschneise in Kunstnebelschwaden innerhalb des Zirkuszeltes zu erzeugen. Weil das Zelt aber wegen der winterlichen Temperaturen beheizt werden musste, ließ sich der Effekt nur bedingt erreichen. Regelmäßig wurde dennoch „Frischluftalarm“ ausgelöst – optisch mit Blaulicht verdeutlicht, akustisch mit Songs wie „Love is in the Air“. Die Nebelschwaden lichteten sich dabei aber weniger schnell als von Sturm für die Liveperformance konzipiert. „In der Theorie war es anders geplant“, erklärte der Künstler.

Bilder mit Elektronenmikroskop aufgenommen

Die von Erik Sturm mit einem Elektronenmikroskop bereits 2013 gefertigten Feinstaubbilder – „sie haben seither in der Schublade geschlummert, werden hier erstmals gezeigt“, so der Künstler – sowie der von ihm mit Anton Aldinger aus Youtube-Sequenzen kreierte Luft-Bilder-Film „Belle Air“ kamen gut an. Dass der Künstler zudem den ganzen Abend als Gesprächspartner zur Verfügung stand, er seine Idee und die Hintergründe zu seiner Aktion erläuterte, gefiel den Besuchern in dem teilweise mit Mooswänden ausgekleideten kleinen Schauraum.

Die Besucher waren meist besonders angetan von der Idee, dass man Feinstaub auch künstlerisch nutzen kann. „Ich finde es sehr spannend, wenn sich Künstler gerade mit aktuellen gesellschaftlichen Themen in ihrem Tun beschäftigen“, so eine Besucherin. Sie fand vor allem die mit dem Elektronenmikroskop beim Max-Planck-Institut gemachten Feinstaub-Aufnahmen schön und spannend. „Man sieht nichts von der Gefahr, die von dem Feinstaub ausgeht. Irgendwie ist das ein bisschen befremdlich, regt aber auch zum Nachdenken an.“

Der Standort des Zeltes unweit des Kunstmuseums war übrigens gut gewählt: Erst kürzlich hat das Museum drei mit Feinstaub gefertigte Arbeiten Erik Sturms für die Sammlung erworben.