Seit ihrem Romanerstling „Rauken“ gilt die Markgröninger Autorin Claire Beyer als eine der eigenwilligsten Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur. Jetzt beantwortet sie den StZ-Fragebogen „Hand aufs Herz“.
10.11.2013 - 14:29 Uhr
Stuttgart - Seit ihrem – späten und von der Kritik sehr beachteten – Prosadebüt „Rauken“ (2000) gilt die 1947 geborene Claire Beyer als eine der eigensinnigsten Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur. Die gebürtige Allgäuerin lebt in Markgröningen bei Ludwigsburg. Kürzlich ist in der Frankfurter Verlagsanstalt ihr vierter Roman „Refugium“ erschienen.
Telefonieren Sie im Auto manchmal ohne Headset?
Telefonieren während der Fahrt ist für mich tabu. Wenn das Handy klingelt, fahre ich rechts ran, oder ich rufe zurück.
Wenn Sie im Geschäft Kleidung probieren, räumen Sie sie zurück ins Regal?
Ich kaufe meine Kleidung meist am Ort und genieße da den Luxus, eine Auswahl mit nach Hause nehmen zu dürfen. Ich mag keine Umkleidekabinen. Im Sommer sind sie zu heiß, im Winter muss zu viel ausgezogen werden.
Wie lautet Ihre Lebensmaxime?
„Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit.“ Stammt von Friedrich Schiller.
Welche Tugend ist Ihnen am wichtigsten?
Zuverlässigkeit, weil da viele andere Tugenden vereint sind.
Was würden Sie einer Freundin oder einem Freund nie verzeihen?
Vertrauensbruch und Häme. Damit wäre eine Freundschaft für mich beendet, und zwar für alle Zeiten.
Ist es okay, sich mal eben ins Wlan des Nachbarn einzuloggen?
Da besteht keine Gefahr. Ich wüsste gar nicht, wie das zu machen ist.
Wann sind Sie ein guter Mensch?
Wenn mir freundlich begegnet wird und nichts gegen einen guten Tag spricht. Und wenn der FC Bayern gewinnt.
Wann sind Sie kein guter Mensch?
Bei offensichtlicher Ungerechtigkeit. Bei Kopfschmerzen. Und wenn der FC Bayern verliert.
In welchem Moment bricht bei Ihnen der rücksichtslose Geizhals durch, in welchen Momenten sind Sie großzügig?
Das hängt von meinem Kontostand ab. Aber grundsätzlich bin ich großzügig. Und das gern.
Was halten Sie von Treue?
Sehr viel, auch weil im anderen Fall das Leben ganz schön kompliziert wird.
Wofür schämen Sie sich?
Wenn ich durch (unbedachte) Äußerungen jemand gekränkt habe und aus der Nummer nicht wieder rauskomme.
Beschweren Sie sich im Restaurant, wenn Ihnen das Essen nicht schmeckt?
Nein, das mache ich nicht. Als Antwort bekäme ich eh nur eine Floskel präsentiert. Ein einziges Mal hatte ich erwähnt, dass mir das Essen nicht geschmeckt hat, und die Reaktion war ein Schulterzucken. Also lasse ich das und gehe nicht mehr in das entsprechende Lokal.
Wie macht man Karriere?
Unbeirrt den eigenen Weg verfolgen – und hoffen, dass alles gut geht. Und es braucht Zähigkeit, Selbstsicherheit und Neugier.
Was braucht unsere Welt am dringendsten?
Den Mut, sich gegen den „emotionalen Wärmetod“ zu wehren. Diese Idee stammt aus Georg Ringsgwandls neuer CD „Mehr Glanz“ und erscheint mir klug, einleuchtend und fundamental wichtig.