Best of StZ Magazin: Giovanni Zarrella „Das Restaurant war meine erste Bühne“

Giovanni Zarrella wird ab Herbst eine große Samstagabendshow im ZDF moderieren. Weitere exklusive Fotos sehen sie in der folgenden Modestrecke. Foto: Jens Schmidt/Jens Schmidt

Giovanni Zarrella liebt den VfB wie den AS Rom, mag Spätzle und spricht perfekt schwäbisch. Im Gespräch erinnert er sich an das Bro’Sis Casting im Stuttgarter Zapata, seine kurze Zeit bei Hugo Boss und wie ihn das Leben als Gastrokind für die große Bühne geprägt hat.

Freizeit & Unterhaltung: Anja Wasserbäch (nja)

Stuttgart - Die einen erinnern sich beim Namen Giovanni Zarrella vor allem an die legendäre Casting-Popgruppe Bro’Sis. Andere haben seinen jüngsten Nummereins-Hit „Ciao!“ im Ohr, denken an Auftritte in „Let’s Dance“, als Sportkommentator oder in seiner ZDF-Show „Heimliche Helden. Ab Herbst wird Zarrella eine große Samstagabendshow moderieren. Der 43-jährige hat eine internationale Aura – geboren wurde er aber in Hechingen am Albrand. Wie die Zeit in der Pizzeria der Eltern ihn auf Entertainment-Business und Familienleben vorbereitete, erzählt er im Interview.

 

STM Giovanni Zarrella, lassen Sie uns mit einem kleinen Entweder-Oder starten. Schwäbisch oder Italienisch?

GZ Beides. Italoschwäbisch.

STM Spätzle oder Spaghetti?

GZ Spätzle. Ich liebe Kässpätzle.

STM AS Rom oder VfB Stuttgart?

GZ Ganz klar die Roma. Das ist, seit ich denken kann, mein Herzensverein. Aber auch den VfB unterstütze ich leidenschaftlich. Ich war oft im Stadion, eine unvergessliche Zeit.

STM Sie haben bei beiden Vereinen gespielt.

GZ Beim VfB habe ich nur trainiert, beim AS Rom habe ich in der Jugend gespielt. Das war Anfang der 90er-Jahre, da haben wir eine Zeit lang in Rom gewohnt. Von dort stammt mein Vater.

Lesen Sie hier aus unserem Plus-Angebot: Collien Ulmen-Fernandes über ihre schwäbischen Wurzeln

STM Wollten Sie Fußballer werden?

GZ Ja. Die beiden Leidenschaften Fußball und Musik sind schon immer in mir. Mein Leben ist bis heute bestimmt von den drei großen Themen Familie, Musik und Fußball.

STM Was Ihr Leben total verändert hat, war das Popstars-Casting 2001 in Stuttgart.

GZ Das war im Club Zapata und hat alles in meinem Leben umgeworfen. Ich war Anfang 20, hatte erst wenige Wochen bei Hugo Boss gearbeitet. Zuvor hatte ich eine Ausbildung zum IT-Kaufmann gemacht, was aber eine sehr trockene Angelegenheit war. Nach dem Bewerbungsgespräch in Metzingen bei Hugo Boss bekam ich den Job. Und noch mal vier, fünf Wochen später kam das Popstars-Casting.

STM Sie haben also in der Probezeit gekündigt?

GZ Die haben mich für die Zeit beurlaubt. Als ich dann Mitglied der Gruppe Bro’Sis wurde, habe ich den Vertriebsleiter bei Boss angerufen und gemeint: „Hey, ich komme nicht mehr zurück.“ Er hat sich für mich gefreut und mir ein großes Paket mit Klamotten geschickt.

STM Bro’Sis gab es vier Jahre lang. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

GZ Das war eine unglaublich verrückte Zeit. Sehr intensiv. Auf einmal stehst du mit deinen Vorbildern auf der Bühne. Als wir zum ersten Mal bei der TV-Show „The Dome“ auftraten, waren auch die Backstreet Boys, Mariah Carey und No Angels dabei. Für die Power, die das Format Popstars entwickelte, bin ich immer noch sehr dankbar.

STM Ihre Band hat in Sachen Integration Maßstäbe gesetzt.

GZ Klar, wir waren multikulti: Ross aus England, Faiz aus Kenia, Shaham aus Amerika, Hila aus Israel, Indira aus Indien und ich aus Italien. Und wir alle lebten in Deutschland.

STM Aufgewachsen sind Sie in Hechingen, am Rande der Schwäbischen Alb. Wie prägend war das?

GZ Sehr. Wenn ich heute dort hinfahre und die Burg Hohenzollern sehe, fährt es mir in die Magengegend. Es ist ein Gefühl von Melancholie und Sehnsucht, verbunden mit dem Gedanken, irgendwann vielleicht zurückzugehen. Meine Eltern haben sich dort kennen und lieben gelernt. Meine Schwester, mein Bruder und ich sind dort zur Welt gekommen. Mit der Pizzeria haben sich meine Eltern eine Existenz aufgebaut. Da steckt so viel Geschichte drin. Es war wie ein riesiger Spielplatz, eine heile Welt.

STM Haben Sie als Gastronomenkind die Hausaufgaben im Lokal gemacht?

GZ Am Tisch 1, dem ersten neben der Küche. Da lagen auch die Rechnungen, die Post und eben die Schulsachen. Als Kind von Gastronomen wird man schneller erwachsen, man muss früher selbstständig sein, ist länger wach. Der Rhythmus ist ein anderer. Ich habe gelernt, was es bedeutet, hart zu arbeiten, das eigene Geld zu verdienen.

STM Die beiden haben sich viel aufgebaut. Gab es da auch Neider?

GZ Meine Eltern sind immer mit offenen Armen empfangen worden, nie mit Skepsis. Anfangs haben sie die Nachbarn eingeladen und ihnen gezeigt, was es in Italien so zu essen gibt. Meine Eltern mussten in einem fremden Land beweisen, dass sie sich ihren Status wirklich verdienten. Die beiden haben viel erreicht, konnten uns Kindern tolle Urlaube bieten. Sie hatten bestimmt viele Sorgen, aber wir haben das nie gespürt. Das ist viel größer als das, was ich heute mache.

STM Sie arbeiten viel, Ihre Frau Jana Ina ebenso. Wie sieht bei Ihnen Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus?

GZ Wir wollen unseren Kindern immer gerecht werden, alle Termine werden darauf abgestimmt. Wenn ich etwas Neues hereinbekomme, frage ich Jana Ina. Es muss immer einer von uns zu Hause sein. Unsere Arbeit ist uns wichtig, aber wir machen nicht alles zu jeder Bedingung. Das Allerwichtigste ist für uns, gute Eltern zu sein. Deshalb funktionieren wir auch als Paar so gut. Das ist vielleicht das Geheimnis: Unsere Kinder haben oberste Priorität.

STM Sind Sie emanzipiert?

GZ Erklären Sie mal, was das bedeutet.

STM Wer hat beispielsweise heute Morgen die Vesperdosen gepackt?

GZ Ich mache das. Meine Frau kommt morgens schlechter raus als ich. Es gibt bei uns keine bestimmten Aufgaben nur für Männer oder nur für Frauen. Wenn meine Frau länger unterwegs ist, dann kommt da keine Nanny, dann mache ich alles, was ansteht. Mein Papa ist auch so. Solche Aufteilungen ergeben doch keinen Sinn. Ich glaube, ich habe genauso viele Windeln gewechselt wie meine Frau.

STM Sie sind ein sehr öffentliches Paar. Aber Ihre Kinder sind nicht vor den Kameras.

GZ Das sollen sie irgendwann selbst entscheiden. Unser Verantwortungsbewusstsein ist in dem Punkt sehr groß. Die Öffentlichkeit ist ja nicht nur nett und positiv. Man muss ein gewisses Alter haben, um damit umgehen zu können.

STM Wie lange haben Sie selbst gebraucht, um mit der Popularität klarzukommen?

GZ Man muss schon sehr aufpassen, was man sagt und tut. Ich bereue aber nichts und denke, dass wir das gut ausbalanciert haben. Wir zeigen Emotionen, und das ist mir noch nie schwergefallen. Das Restaurant war ja meine erste Bühne. 17 Uhr, die Schürze umgelegt, „Ciao, buona sera“, „Was darf’s sein?“. Meine Zeit im Service hat mich total geprägt.

STM Waren das die Vorübungen für die Karriere als Showmaster?

GZ Absolut. Wenn du an einen Tisch gehst, möchtest du die Gäste glücklich machen. Wenn einer eine Dreiviertelstunde auf seine Pizza wartet, dann musst du ihn bei Laune halten. An so einem Abend im Restaurant wird gearbeitet, gesungen, geflirtet, da ist man Gastgeber und Entertainer. Es gibt Liebe und Kritik. Essen ist eine Art Kunst.

STM Fühlen Sie sich heute im Genre Schlager angekommen?

GZ Sagen wir es mal so: Ich bin nach vielen Zweifeln bei mir selbst angekommen. Direkt nach Bro’Sis wusste ich nicht, wie es weitergehen sollte. Da gab es eine Menge Selbstzweifel, aber zum Glück hatte ich ein Umfeld, das mich auffing. Ich wünsche mir sehr, dass ich das alles so weitermachen darf. Wenn Ross Anthony, Florian Silbereisen oder Thomas Anders hoch in die Charts einsteigen, freue ich mich. Das Gen namens Neid fehlt mir.

STM Sollte der Rest der Welt sich die Harmoniefähigkeit von der Schlagerbranche abschauen?

GZ Das wäre toll. Wir sind ja alle nur für relativ beschränkte Zeit hier auf der Erde, daher sollten wir uns nicht zu sehr mit Eifersucht und Hasskommentaren aufhalten. Im Licht der Weltgeschichte sind die Menschen nur ein Wimpernschlag. Umso wichtiger ist es, dass jeder ein schönes Leben hat. dienten. Die beiden haben viel erreicht, konnten uns Kindern tolle Urlaube bieten. Sie hatten bestimmt viele Sorgen, aber wir haben das nie gespürt. Das ist viel größer als das, was ich heute mache.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Interview Giovanni Zarrella Pasta