InterviewStZ Magazin: Kevin Kurányi „Man hat das Gefühl, alle Menschen in Stuttgart kennen sich“

Von Markus Löblein 

Was ihm Mode bedeutet, welches Gefühl er mit Stuttgart verbindet und ob er je daran dachte, einen Laden für Bartpflege zu eröffnen – das erzählt Kevin Kurányi im Inteview.

Vater und Sohn im Stuttgarter Lapidarium. Foto: StZ Magazin/Markus Burke
Vater und Sohn im Stuttgarter Lapidarium. Foto: StZ Magazin/Markus Burke

Stuttgart - Wie sich Vater und Sohn im Alltag die Bälle zuspielen, was ihm Mode bedeutet und ob er je daran dachte, einen Laden für Bartpflege zu eröffnen – das erzählt uns Kevin Kurányi im Inteview.

Herr Kurányi, wie haben Sie als Familienmensch die letzten Monate erlebt?

Natürlich war gerade die erste Zeit mit Corona schwierig, aber der Hausarrest hat der Familie gutgetan. Ich bin viel unterwegs und hatte selten die Chance, viel Zeit am Stück mit meiner Frau und den beiden Kindern zu verbringen. Es war schön, in Ruhe etwas zu unternehmen und auf alle eingehen zu können.

Ihr Heimatland war von der Krise stark betroffen. Sie haben schnell reagiert und im Rahmen eines sozialen Projekts Grundversorgung- Pakete nach Rio geschickt.

Ich wollte etwas zurückgeben. Mein Freund Bernhard „Gringo“ Weber kam auf mich zu, er kennt dort viele Menschen, die von der Pandemie besonders betroffen sind. Fünf Minuten später waren schon die ersten Schritte organisiert. Ich finde es wichtig, aktiv etwas zu tun und mit dem Herzen dabei zu sein. Reichweite auf Social Media ist hilfreich. Aber der Fokus sollte immer darauf liegen, zu helfen, und nicht, sich selbst damit zu schmücken.

Nach dem Abschied von Hoffenheim 2017 hatten Sie Angebote aus internationalen Ligen. Doch Sie haben sich für die Familie und die Heimat entschieden. Warum?

Wir haben lange überlegt. Es gab ein Angebot, sechs Monate für Gremio Porto Alegre in Brasilien zu spielen, ein echter Topclub. Ich hätte dieses Abenteuer aber alleine antreten müssen und war mir nicht sicher, ob das der Familie gutgetan hätte. Also habe ich auf mein Herz gehört, und wir sind geblieben.

Sie sind in Brasilien geboren, Ihre Mutter in Panama, Ihr Vater ist Deutscher, geboren in Paris. Zieht es jemanden mit so diversen Wurzeln nicht in die Welt hinaus?

Ich liebe Stuttgart. Seit dem ersten Tag, als ich hier angekommen bin, habe ich mich sehr wohl gefühlt. Die Stadt ist besonders, man hat das Gefühl, alle Menschen kennen sich. Ich habe in meiner Karriere vieles gesehen, reise weiterhin gerne, aber in Stuttgart fühle ich mich zu Hause.

Gibt es in Stuttgart Orte, die für Sie eine besondere Bedeutung haben?

Neben der Mercedes-Benz Arena? Die Königstraße. Die bin ich schon als Jugendlicher immer hoch- und runter gerannt. Heute bin ich auch gerne dort, natürlich wenn es etwas ruhiger ist. Und natürlich Sonnenberg, wo ich mit meiner Familie lebe.

Ihr Sohn Karlo spielt mittlerweile selbst im Nachwuchs der Stuttgarter Kickers. Welche Ratschläge haben Sie ihm für seine Zukunft mitgegeben?

Für ihn ist es natürlich eine schwierige Situation, bedingt dadurch, dass sein Vater Fußballprofi und Nationalspieler war. Menschen haben automatisch andere Erwartungen. Ich sage ihm immer, dass er sich davon nicht unter Druck setzen lassen soll. Ich sage ihm allerdings auch: Verliere nie den Spaß am Fußball. Und wenn du keinen Spaß mehr daran hast, ist das so. Egal, was er werden möchte, ich werde ihn immer unterstützen. Ich liebe meinen Jungen, und weiß, dass er ein gutes Herz und den nötigen Respekt hat.

Gibt es Parallelen zwischen Ihrem Spielund Modestil?

Beides hat sich mit der Zeit weiterentwickelt. Ich habe immer versucht, auf dem höchsten Level mitzuspielen, und dabei auch viele Fehler gemacht. Aber darin liegt auch eine Stärke – wenn man später zurückblickt, daraus lernt und sich verbessert. Mode ist für mich der Ausdruck meiner Persönlichkeit.Mir ging es immer darum, dass ich mich wohlfühle.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft abseits des Platzes? Spielen Sie mit der Idee, einen eigenen Barber-Laden aufzumachen?

Schöne Vorstellung. Mein Bart war mein Markenzeichen als Profi. Ich habe einige Rasuren ausprobiert, auf die ich heute mit einem lachenden Auge zurückblicke. Heute trage ich Vollbart und bleibe dabei. Das ist auch mein Credo im Beruf: Ich habe vor zwei Jahren meine Sportmanagement- Agentur aufgemacht und möchte in dem Sport bleiben, in dem ich groß geworden bin.

Erinnern Sie sich noch an den 1.10.2003, es dürfte ca. 21.52 Uhr gewesen sein …

Das Champions-League-Spiel gegen Manchester United, ich habe das 2:0 erzielt. Noch heute sprechen mich Fans an, die damals im Stadion dabei waren, und erzählen, dass sie Gänsehaut gehabt hätten. Und mir ging es genauso. Ich bin Stuttgarter und verfolge auch aktuell jedes Spiel. Das ist wie in einer Achterbahnfahrt, aber ich glaube fest daran, dass der VfB bald wieder in der Bundesliga und auch international spielen wird. Jeder Stuttgarter, mich eingeschlossen, sehnt sich danach, wieder Gänsehautmomente wie diesen live im Stadion zu erleben.




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