StZ Magazin: Role Models „Toll, meine Vorbilder werden immer jünger und weiblicher“

Jeder hat so seine eigenen Vorbilder. Foto: StZ Magazin/Julia Schwarz
Jeder hat so seine eigenen Vorbilder. Foto: StZ Magazin/Julia Schwarz

Ob Robin Hood, Greta Thunberg oder Omi: Jeder von uns hat seine eigene Idee davon, wer als Vorbild taugt. Sieben Stuttgarter Persönlichkeiten erzählen, welche Role Models sie begeleiten und beeinflussen – und für wen sie gern selbst ein Vorbild wären.

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Stuttgart - Es ist eine klassische Stammbuch-Frage, ähnlich wie nach der Lieblingsfarbe: Wer ist dein Vorbild? Ob Kim Kardashian, Robin Hood, Greta Thunberg oder die eigene Omi: Jeder von uns hat seine eigene Idee davon, welche Figuren zu Vorbildern taugen. Sieben Persönlichkeiten aus Stuttgarter erzählen, welche Role Models sie begeleiten und beeinflussen – und für wen sie gern selbst ein Vorbild wären.

Der Schauspieler Robert Rožić schlüpft schon bald am Staatstheater in die Rolle des Robin Hood. Ist er ein Vorbild für ihn?

„Definitiv! Auch wenn ich zugeben muss, dass ich die Geschichten von Robin Hood bis zur Probenvorbereitung nur sehr oberflächlich kannte. In meiner Jugend standen andere Heldinnen und Helden im Vordergrund, Sailor Moon oder Justin Timberlake. Aber das hat sich mit den Jahren glücklicherweise geändert. Robin Hood steht für mich jedenfalls nicht nur für (Hoch-)Mut und Rebellion, sondern auch für Genügsamkeit, Bescheidenheit, Naturverbundenheit und Menschlichkeit. Durch seine Geschichten können nicht nur Kinder so einiges über das Leben, seine Tücken und den Umgang mit ihnen lernen.“

Kim Hoss, Podcasterin, Autorin und Aktivistin auf der Plattform Bauchfrauen, über internationale Popstars und ihre Omi:

„Als ich 15 war, war mein größtes Vorbild Avril Lavigne. Ich bewunderte ihre freche Schnauze, ihre Stimme, ihre Songtexte, mit welchem Selbstbewusstsein sie auftrat und dass sie nicht aussah wie alle Popstars. Ich stand bei ihren Konzerten in der ersten Reihe, fing an, selbst Songs zu schreiben, und trug Secondhand-Krawatten in der Schule, zur Verwunderung aller Lehrer und Lehrerinnen.

Avril spielt heute keine Vorbildrolle mehr für mich. Doch es sind immer noch die Menschen, die ihr eigenes Ding machen und sich selbst treu bleiben, die ich bewundere. Menschen, die reflektiert sind, die Fehler gestehen und über sich selbst lachen können, ihre Träume verfolgen und nie aufhören, sich für Neues zu inte-ressieren. Wie meine 94-jährige Oma, die mir jeden Tag zwei bis drei SMS-Nachrichten schickt, jede Woche zum Qi-Gong geht und beim Kaffeekränzchen immer am lautesten die Lieder von Helene Fischer mitsingt.“

Ines Sutter von der Buchhandlung „Buchstäbchen“ gibt Tipps für vorbildhafte Kinderliteratur:

„,Als wir fast mutig waren‘ von Jen White ist ein tolles Buch für mutige Kinder und die, die es werden möchten. In dem Roman werden die Geschwister Liberty und Billie von ihrem überforderten Vater an einer Tankstelle mitten in Arizona zurückgelassen. Und nun? Liberty übernimmt die Verantwortung für die kleine Schwester und entwickelt einen Plan. Den Rest müssen Sie selbst lesen (oder vorlesen).“

Julia Kovar-Mühlhausen leitet die Stabsstelle Kommunikation der Baden-Württemberg Stiftung und schätzt ganz besonders ihr beeindruckendes Netzwerk an Vorbildern:

„Ich bin überzeugt, dass das Elternhaus stark die eigene Lebensplanung beeinflusst. Meine Mutter, die als Apothekerin gearbeitet hat, hat meine Schwester und mich jedenfalls sehr geprägt: Wir waren früh selbstständig, noch heute ist uns unser Beruf wichtig, und wir haben Partner, die dabei mitziehen.

Heute inspirieren mich Frauen, die respektvoll und menschlich sind und andererseits für ihre Sache kämpfen. Wie meine gute Bekannte Tijen Onaran, die ein Netzwerk für mehr Frauen in Digitalberufen und Diversität in Unternehmen aufgebaut hat. Oder die Abteilungsleiterin unseres Forschungsbereichs Dr. Angela Kalous, die durchsetzungsstark und humorvoll ist. Ich mag es, mit solchen Frauen zu arbeiten. Mindestens genauso wichtig ist es aber, selbst Vorbild zu sein und andere Frauen aktiv zu fördern.“

Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, freut sich, dass ihre Vorbilder immer jünger werden:

„Starke Frauen waren als Vorbilder immer wichtig für mich – eigenständige, mutige, kluge, sensible, charismatische Frauen. Dabei sind es nicht nur Persönlichkeiten wie Simone de Beauvoir, Doris Lessing oder Susan Sontag gewesen, deren Bücher mich früh fasziniert haben, sondern auch Frauen aus meinem direkten Umfeld, Freundinnen und Kolleginnen, die mich ermutigt haben, meinen eigenen Weg zu gehen. Wenn ich heute Nadia Murad, Maria Kolesnikowa, Annalena Baerbock oder die Aktivistinnen von Friday for Future sehe, dann weiß ich, dass meine Vorbilder mittlerweile jünger sind als ich. Das finde ich fantastisch!“

Eric Gauthier, Künstlerischer Leiter Gauthier Dance und Dance Company Theaterhaus Stuttgart:

Mein erster Held als Kind war Patrick Roy, der Torwart der Eishockeymannschaft Canadiens de Montréal. Doch dann habe ich mich ins Ballett verliebt, nach einem Besuch des Musicals „Cats“ mit der fantastischen Figur Mr. Mistoffelees. So wollte ich auch tanzen können! Auf dem Ballettinternat in Toronto hing ein Plakat des legendären Tänzers Mikhail -Baryshnikov über meinem Bett, das ich mir persönlich signieren ließ. Mein ganzer Stolz!

Als ich selbst Profitänzer war, haben mich vor allem zwei ganz großartige Menschen geprägt: mein „Ballett-papa“ Reid Anderson, Intendant des Stuttgarter Balletts, und Egon Madsen, mein Mentor, unglaublicher Tanzpartner in „Don Q.“ und bis heute unser Company-Coach. Von beiden habe ich mir enorm viel abgeschaut: Wie leitet man eine Company? Und vor allem: Wie macht man das mit Respekt und Menschlichkeit? Heute bin ich vielleicht selbst Vorbild für junge Tänzerinnen und Tänzer. Der tolle Zusammenhalt bei Gauthier Dance und unsere Leidenschaft für den Tanz lassen es mich hoffen.

Marco Falcioni, Designer bei Hugo Boss, über drei Vorbilder, die ihn nicht nur modisch beeinflusst haben:

1. Vivienne Westwood: Seit Jahren prangert die britische Fashion- und Punkikone die Schattenseiten der Modeindustrie an, engagiert sich für die Umwelt.

2. Franco Moschino: Er hat mich fasziniert, weil er der erste Designer war, der Mode auf intelligente, provokative Art auch mit sozialen Thematiken in Verbindung brachte.

3. Joaquin Phoenix: Er symbolisiert für mich Wandlungsfähigkeit und zeigt, dass man auch mit einem geerdeten und nachhaltigen Lifestyle erfolgreich sein kann.




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