StZ-Sommerferienaktion Von Wolpertshausen bis Sansibar

Streicheln erlaubt: Die StZ-Leser können bei ihrem Ausflug die Mohrenköpfle aus nächster Nähe begutachten. Foto: Michael Steinert
Streicheln erlaubt: Die StZ-Leser können bei ihrem Ausflug die Mohrenköpfle aus nächster Nähe begutachten. Foto: Michael Steinert

Dank der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft genießt das Schwäbisch-Hällische Landschwein einen glänzenden Ruf. 25 Leser haben sie besucht und sich erzählen lassen, woher die Gewürze für die Wurst stammen.

Landespolitik: Michael Petersen (mip)
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Wolpertshausen - Gleich zu Beginn wirft Eberhard Mann, den viele Hardy nennen, das Programm der Sommerferien­aktion um. „Wir sollten gleich zu den Schweinen gehen“, sagt der für Präsentationen zuständige Vertreter der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall in Wolpertshausen (Kreis Schwäbisch Hall). „Jetzt sind sie noch im Stall, später nicht mehr, und wir wollen sie doch sehen.“ Damit hat Hardy Mann gleich darauf hingewiesen, dass die Schweine nicht im Stall stehen, sondern genügend Auslauf haben.

Nach 15 Minuten Fußweg stehen 25 ­Leser der Stuttgarter Zeitung vor einem ausgedehnten, offenen Stallgebäude. Die Schweine sind zwar da, zu sehen sind sie dennoch kaum, denn sie kuscheln im Stroh in den Sommertag hinein. Hardy Mann ­beginnt lockend zu pfeifen, und wirft den Tönen Eicheln hinterher. „Wir zahlen den Sammlern 50 Cent für das Kilo“, erzählt er. Doch die Aufmerksamkeit der Gruppe hat sich längst den Tieren zugewendet, von denen einige gemächlich auf die Besucher zutraben. In Eile sind sie nicht, sie spüren Eicheln auf und verspeisen sie. „Nicht aus der Hand füttern, manche schnappen“, warnt Hardy Mann. Streicheln ist gestattet.

Als Jungschweine kommen die Tiere auf diese grüne Wiese, der Lärm der Autobahn im Hintergrund stört sie dabei nicht. Vorne schwarz und hinten ebenso, der Kosename Mohrenköpfle trifft somit nur zur Hälfte zu. In der Mitte ziert die Tiere ein helles Rosa. Woher das kommt? „Manche liegen unverantwortlich lange in der Sonne“, sagt Mann mit einem Lächeln. Neun Monate bleiben den Tieren, um ein Gewicht von 120 bis 150 Kilogramm zu erreichen. Was dann mit ihnen geschieht, weiß jeder, aber keiner spricht es deutlich aus an diesem Vormittag. Zu glücklich wirken diese Schweine, die es als Schwäbisch-Hällische Landschweine zu einem glänzenden Ruf und einem beachtlichen Bekanntheitsgrad gebracht haben.

Der Erfolg kam dank der Visionen von Rudolf Bühler

Das war nicht immer so. Wenn es um die Erfolgsstory der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall geht – Hardy Mann spricht bald nur noch von der „Bäuerlichen“ –, fällt stets der Name Rudolf Bühler. Der ist Bauer, Agraringenieur, Entwicklungshelfer. „Er hat gelernt, über den Zaun zu gucken“, sagt Mann über Rudolf Bühler. Andere beschreiben ihn als Visionär.

Immer mehr Tiere, immer mehr Umsatz, um den immer niedrigeren Schweinepreisen etwas entgegenzuhalten, das taugt für diesen Landwirt nicht als bäuerliche Lebensmaxime. Vor drei Jahrzehnten besann sich Bühler auf die Rasse des Schwäbisch-Hällischen Landschweins. Von der Landschweinrasse hatten nur sieben Sauen und ein Eber auf Höfen in Wolpertshausen überlebt. Sie hatten nicht den Ruf, als ertragreiche Mastschweine zu taugen. Rudolf Bühler erkannte jedoch ihre anderen Qualitäten, was sich heute leicht mit Qualität statt Quantität beschreiben ließe. Von der konventionellen Konkurrenz belächelt, machte er sich mit einigen wenigen Mitstreitern an die Zucht der Mohrenköpfle. 30 Jahre später werfen 3500 Muttersauen jährlich 70 000 Ferkel.

Christian Bühler, einer der Söhne Rudolf Bühlers und längst in die „Bäuerliche“ hineingewachsen, mischt sich unter das Leserpublikum. Er erzählt von den ethischen wie wirtschaftlichen Aspekten der Erzeugergemeinschaft. Mehr als 1400 Landwirte weit über die Schweinezucht ­hinaus gehören ihr mittlerweile an. „Je besser wir wirtschaften, desto mehr Geld bekommen die Landwirte“, berichtet er.

Wenn Marktpreise für Schweinefleisch um einen Kilopreis von 1,60 Euro schwanken, wird für die Schwäbischen-Hällischen Tiere ein Qualitätsaufschlag von 62 Cent bezahlt. Strenge Erzeugerrichtlinien im Hinblick auf die Haltung oder auf die Gen- und Antibiotika-Freiheit der Tiere gelten stets. Strenger wird es, wenn Biorichtlinien eingehalten werden, und erst recht, wenn das Demeter-Zertifikat beansprucht wird. Bei Eichelmastschweinen, wie sie den Besuchern gegenüberstehen, erhalten die Landwirte etwa 3,50 Euro je Kilo.

Demeter zertifiziert die Landwirte auf Sansibar

Von der Theorie geht es zur Praxis in Form eines Mittagessens. Und weiter nach Sansibar und Indien – zumindest der Nase nach. Denn viele Tonnen Kümmel, Kardamom, Urwaldpfeffer, Ingwer oder Senf, vorzugsweise aus jenen fernen Ländern, ­lagern in Wolpertshausen in der Gewürzmühle. Die Erzeuger sind Partner von Ecoland, gegründet von Hohenloher Biobauern rund um Rudolf Bühler. Der betätigt sich damit einmal mehr als Entwicklungshelfer. Die Landwirte von Sansibar werden von Demeter zertifiziert, Ecoland zahlt ihnen für die Biogewürze weit mehr als der Weltmarkt. Für die Vielfalt der Wurst rund um das Schwäbisch-Hällische Landschwein und das Hohenloher Rind stehen vielfältige Gewürze bereit, erzeugt nach den vorgeschriebenen Standards.

Die Leser sind tief beeindruckt von all den Informationen rund um die „Bäuerliche“. Das lässt sich schon daran ablesen, dass das Programm rund sechs Stunden dauert. Hardy Mann merkt an: „So viele Fragen werden nicht oft gestellt.“




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