StZ-Talk mit Fritz Kuhn „Ich verspreche kein Zeug, das ich nicht halten kann“

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Eigentlich hätte das Gespräch anders anfangen sollen. Aber eine überraschende Erkenntnis hat den StZ-Lokalchef Holger Gayer bei der Moderation der Diskussion mit Fritz Kuhn im Anschluss an den Spaziergang dann doch improvisieren lassen.

Eindrücke von der StZ-Veranstaltung und die Meinung der Leser zum Kandidaten Fritz Kuhn sehen Sie in der folgenden Bilderstrecke. Foto: Martin Stollberg 47 Bilder
Eindrücke von der StZ-Veranstaltung und die Meinung der Leser zum Kandidaten Fritz Kuhn sehen Sie in der folgenden Bilderstrecke. Foto: Martin Stollberg

Stuttgart - Eigentlich hätte das Gespräch ja anders anfangen sollen. Aber eine überraschende Erkenntnis hat StZ-Lokalchef Holger Gayer bei der Moderation des Gesprächs mit Fritz Kuhn im Anschluss an den Stadtspaziergang mit Lesern dann doch improvisieren lassen. In der Nesenbachstraße trat diese Neuigkeit zu Tage, dort, wo der Kandidat der Stuttgarter liebsten Bach ebenfalls wieder ans Tageslicht holen will: „Sie sind ein Wünschelrutengänger?“ fragt Holger Gayer also mit der frischen Information den Grünen Kandidaten bei der gemeinsamen Veranstaltung der Stuttgarter Zeitung, der Stiftung Geißstraße und des Popbüros Region Stuttgart.

„Ja, das hat mir mein Vater gezeigt“, antwortet er. Der 57-Jährige verfügt also seit Kindertagen über eine Fähigkeit, von der er sich – ganz knitz – sicher ist, dass er sie als Rathauschef von Stuttgart sinnvoll einsetzen können wird: „Bei dem was alles in Stuttgart gebaut, gegraben und gewassermanaget werden soll, ist das doch eine Schlüsselqualifikation“, lobt Fritz Kuhn sich selbst.

Anfangs hat Kuhn mit der SPD geliebäugelt

Indes habe er es nie von langer Hand geplant, eines schönen Tages Oberbürgermeister zu werden. „Ich laufe nicht seit zehn Jahren als versteckter Anwärter herum“, betonte Kuhn. Vielmehr sei die Partei auf ihn zugekommen, und er habe den Kollegen nach reiflicher Überlegung zugesagt. „Ein politisches Amt kann man sowieso nicht planen“, fügt er hinzu.

Auch wenn er nicht schon immer darauf aus gewesen sei, im größten Rathaus Baden-Württembergs Chef zu werden, so sei er doch geeignet. Zuhören könne er, und langfristig über Probleme und Lösungen nachdenken. „Ich mache nicht donnerstags die Politik für Freitag“, so Kuhn über Kuhn. Ein Wertkonservativer sei er, auch das muss der Kandidat der Grünen in der Talkrunde erklären.

Der Bundespolitiker, der am Anfang seiner Karriere mit den Sozialdemokraten geliebäugelt hatte, hält es da mit Erhard Eppler. „Eppler unterschied zwischen wertkonservativ und strukturkonservativ“, führt Kuhn aus. Er wolle Werte bewahren. „Das bedeutet manchmal, dass man ganz schön viel verändern muss.“ Ein Strukturkonservativer halte nicht an Werten fest, sondern an Machtstrukturen, erläutert Kuhn den Unterschied.

Fragen der Internetnutzer

An der Macht sind in Baden-Württemberg inzwischen die Grünen, zusammen mit den Sozialdemokraten, und unterwegs beim Spaziergang hatte Kuhn gesagt: „Wer kann mit einer grün-roten Landesregierung besser reden als ein grüner Oberbürgermeister?“ Auf die Frage, ob er denn mit Winfried Kretschmann und den grünen Mitgliedern des Kabinetts keine Probleme habe, hat er schnell eine Antwort parat. „Ich habe keinen Grund, über die Landesregierung zu klagen“, sagt Fritz Kuhn.

Die Internetnutzer der Stuttgarter Zeitung hatten Fragen an den Kandidaten eingeschickt, die darauf schließen ließen, dass ein Konfliktpotenzial bestehe zwischen dem Grünen, der ins Rathaus will, und jenen in der Regierung: Natürlich geht es dabei um das streitbare Thema Stuttgart 21. liege. „Man muss das Vorgefundene klug und gut lösen“, sagte Kuhn. Das heißt: Wenn er die Wahl gewinne, dann könne er Stuttgart 21 zwar nicht stoppen. „Anders als Rockenbauch verspreche ich kein Zeug, da ich nicht halten kann“, sagt Kuhn, selbst ein S-21-Kritiker und Gegner „der allerersten Stunde“.

Was er versprechen könne, das sei es, bei der Umsetzung „der Bahn auf die Finger zu schauen.“ Vor allem beim Thema Wasser, da wolle er einhalten, was schon Wolfgang Schuster versprochen habe: „Beim Mineralwasser liegt die rote Linie“, zitiert er jenen, dessen Nachfolger er werden will. Da ist sie wieder: die Schlüsselqualifikation, das feine Fingerspitzengefühl für Wasser.

Die StZ-Veranstaltung mit Hannes Rockenbauch finden Sie hier. Am 22. September lädt die Stuttgarter Zeitung gemeinsam mit der Stiftung Geißstraße den Kandidaten Sebastian Turner zum Gespräch, am 29. September Bettina Wilhelm.

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