Umfrage zum Wohnen Vermieter hadern mit Auflagen
Eine repräsentative StZ-Umfrage zeigt, dass Mieter und Vermieter in der Region Stuttgart ganz überwiegend zufrieden sind. Doch Klimaschutzvorgaben bereiten Sorgen. Dabei geht es vor allem ums Geld.
Eine repräsentative StZ-Umfrage zeigt, dass Mieter und Vermieter in der Region Stuttgart ganz überwiegend zufrieden sind. Doch Klimaschutzvorgaben bereiten Sorgen. Dabei geht es vor allem ums Geld.
Stuttgart Mieter und Vermieter in der Region Stuttgart sind überwiegend zufrieden mit ihren Wohnverhältnissen. Das ergibt eine repräsentative Umfrage des Forsa-Instituts für StZ und „Stuttgarter Nachrichten“ unter 910 Mietern und 564 Vermietern. 86 Prozent der befragten Mieter sind mit ihrer Situation zufrieden. 81 Prozent finden ihren Vermieter okay, 90 Prozent ihre Mieter. Die statistische Unsicherheit beträgt drei Prozent, die Werte in der Gesamtbevölkerung sind also ähnlich.Der Befund mag überraschend klingen angesichts des knappen Wohnungsangebots. Allerdings zeigte vergangenes Jahr eine Studie der Böckler-Stiftung bereits, dass die Mietbelastung in Stuttgart zwischen 2006 und 2018 überdurchschnittlich stark gesunken ist. Der Anteil des verfügbaren Einkommens, den Mieter für die Warmmiete ausgeben mussten, sank von 32 auf 29 Prozent: Mieten und Nebenkosten stiegen langsamer als die Einkommen.
Man müsse die hohen Zufriedenheitswerte aus der StZ-Umfrage vorsichtig interpretieren, sagt der Soziologe Gerd Kuhn. Mieter versuchten, Wunsch und Wirklichkeit in Einklang zu bringen. „Die Menschen sind sehr realitätsbewusst. Warum sollte einer Wohnvorstellung nachgetrauert werden, die nie zu realisieren ist?“
Das gilt etwa für junge Eltern, deren Wohnung für Kind und Homeoffice zu klein ist. Jeder dritte Befragte aus Drei-Personen-Haushalten fühlt sich laut StZ-Umfrage in der aktuellen Bleibe nicht wohl, der weitaus höchste Anteil. Wenn sie keine passende und bezahlbare neue Bleibe finden, nenne man „Lock-In-Effekt“, so Kuhn.
Fest steht: Die Wohnkosten steigen. Energie wird infolge des Ukrainekriegs und der mittlerweile auch für Häuser erhobenen CO2-Besteuerung teurer. Hinzu kommen Vorgaben wie die in Baden-Württemberg nun geltende Solarpflicht auf neu gebauten oder, von 2023 an, „grundlegend sanierten“ Dächern auch von Wohngebäuden. Diese Kosten werden Vermieter womöglich auf die Miete umlegen. Solarmodule sind knapp, Handwerker kaum zu kriegen – das treibt die Preise zusätzlich.
Zwar ist jeder zweite Mieter mit dem energetischen Zustand der Wohnung unzufrieden. Der Wunsch ist da, etwa mit besserer Dämmung Heizkosten zu sparen. Die Frage ist, wer dafür zahlt. 41 Prozent der befragten Vermieter machen sich große oder sehr große Sorgen wegen der energetischen Auflagen. Ein knappes Drittel findet, Vermieten lohne sich finanziell nicht mehr, unter Vermietern mit relativ geringem Nettoeinkommen von 2500 Euro sind es noch mehr. Sie fürchten, sich die neuen Auflagen nicht leisten zu können. Einer von sieben Vermietern gab an, Wohneigentum verkaufen zu wollen.
Auch für Mieter wird die finanzielle Belastung absehbar steigen. Das trifft vor allem Haushalte mit eher niedrigen Einkommen. Jeder vierte Befragte hat aktuell Sorgen, dass die Wohnung aufgrund steigender Kosten zu teuer wird, bei den Über-60-Jährigen sind es gar 36 Prozent. Vor allem Rentner können ihre Bezüge kaum erhöhen. Schon jetzt hält jeder fünfte Befragte seine Miete für zu hoch. Möglicherweise hilft die Vermieterstruktur, solche Konflikte zu regulieren. 78 Prozent der Mieter im Land mieten bei Privatpersonen, dagegen nur gut 6 Prozent bei Privatfirmen. Diese verlangten schon 2018 – damals wurden die Daten im Rahmen des Mikrozensus erhoben – deutlich höhere Mieten.
Was bewegt Mieter in der Region Stuttgart – und wie ticken die Vermieter? Dafür freuen wir uns über Ihre Geschichten und Hinweise. Haben Sie den besten Vermieter der Stadt? Einen Geheimtipp für die Wohnungssuche? Oder wollen Sie Ihren Frust über den Wohnungsmarkt loswerden?
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