Die Umfrage der Stuttgarter Zeitung zur OB-Wahl am 7. Oktober kommentieren die Bewerber durchaus unterschiedlich. Aber alle geben sich kämpferisch und zuversichtlich.

Stuttgart - Das Ergebnis der Umfrage zur OB-Wahl am 7. Oktober, die von Infratest Dimap im Auftrag von Stuttgarter Zeitung und SWR durchgeführt worden ist, hat bei den aussichtsreichsten Kandidaten und ihren Unterstützern unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Unabhängig von ihrem Abschneiden gaben sich alle Kandidaten kämpferisch.

Bei den Stuttgarter Grünen ist die Prognose, die ihren Bewerber vorne sieht, gut angekommen. Entschieden sei aber noch nichts. „Die Vorhersage zeigt, dass Fritz Kuhn gute Chancen hat, der nächste Oberbürgermeister von Stuttgart zu werden“, sagte der Kreisvorsitzende Philipp Franke. Die Prognose motiviere die Grünen zu einem starken Endspurt. „Eine Umfrage ist schließlich nur eine Umfrage“, so Franke. Es gebe keinen Grund, sich zurückzulehnen. Kuhns Konkurrent Sebastian Turner werde nun versuchen, „mit noch mehr Geld mehr Stimmen zu holen“, mutmaßte Franke.

Kuhn und Turner wollen mobilisieren

Auch Fritz Kuhn hält die Prognose für ein gutes Zwischenergebnis: „Ich möchte meinen Vorsprung ausbauen und neuer OB in Stuttgart werden.“ Dafür will der 57-Jährige bis zum Wahltag noch mehr in der Stadt unterwegs sein. „Die Menge an Plakaten ist offenbar nicht entscheidend“, so Kuhn zum schlechteren Umfrageergebnis seines Konkurrenten Turner. Er habe in vielen Gesprächen gemerkt, dass „viele CDU-Wähler nicht von Herrn Turner überzeugt sind“.

Für den von den Christdemokraten nominierten Unternehmer Sebastian Turner, der auch von FDP und Freien Wählern unterstützt wird, ist das Rennen auch noch nicht gelaufen. „Das Ergebnis der Umfrage heißt, dass vor uns ein Kopf-an-Kopf-Rennen liegt, das der gewinnt, der seine Anhänger und die Unentschlossenen am besten mobilisieren kann. Das wird mir am besten gelingen, weil gegen Ende des Wahlkampfes die Wirtschaftskompetenz und die Zukunftsorientierung zählen werden“, erklärte der 46-Jährige in seiner Stellungnahme. Das Turner-Lager will in den letzten Tage vor der Wahl die Themen Wirtschaft und Bildung, Sicherheit und Sauberkeit noch einmal besonders betonen. „Und wir werden herausstellen, dass nur ein Bahnhofsbefürworter gegen die Verschleppung beim Bau das Land und die Bahn antreiben wird“, so der Kandidat mit Blick auf das Streitthema Stuttgart 21.

Auch für Turners Wahlkampfmanager und Entdecker, den Stuttgarter CDU-Kreisvorsitzenden Stefan Kaufmann, zeigt das Ergebnis ein Duell auf Augenhöhe zwischen Turner und Kuhn: „Am Ende wird aber entscheidend sein, dass Sebastian Turner die besseren Zukunftskonzepte für Stuttgart hat“, betonte Kaufmann. Das momentan „leicht bessere“ Abschneiden Kuhns führte Kaufmann auf dessen höheren Bekanntheitsgrad gegenüber Turner zurück. Kuhn sei schließlich seit Jahrzehnten in der Politik in Bund und Land aktiv. Turner habe jedoch seit Frühjahr 2012 durch seine starke Präsenz in allen Stadtbezirken deutlich aufgeholt.

Kampf um die Unentschlossenen

Für den Kreischef der FDP, die Turner unterstützt, ist die Wahl ebenfalls längst nicht gelaufen. „Wir als FDP haben in Umfragen auch immer schlechter abgeschnitten als bei den Wahlen selbst“, gab Armin Serwani zu bedenken. Er sei trotzdem überrascht, dass Fritz Kuhn der Prognose zufolge vor Turner liege „und das die beiden so dicht beisammen sind“. Auch Serwani will in den nächsten Tagen bis zur Wahl verstärkt die Unentschlossenen und die Nichtwähler mobilisieren.

„Erfolg versprechend und mit Luft nach oben“ – so bewertete der Kreischef der Freien Wähler, Peter Aichinger, die Prognose für Turner und ließ sich die Gelegenheit zu einem Seitenhieb auf den Grünen Kuhn nicht entgehen: „Bei Herrn Kuhn, der praktisch sein ganzes politisches Leben als Berufspolitiker verbracht hat – Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal – und dementsprechend in Bund und Land parteipolitisch aktiv war, ist sein hoher Bekanntheitsgrad erklärbar.“ Turner dagegen sei erst im Frühjahr 2012 auf der politischen Bildfläche in Stuttgart erschienen, dafür sei sein Bekanntheitsgrad erstaunlich hoch: „Das spricht für seine Dynamik und seine Resonanz in der Bevölkerung.“

Wilhelm und Rockenbauch sehen Luft nach oben

Die von der SPD nominierte parteilose Kandidatin Bettina Wilhelm liegt mit Abstand auf Platz drei, gibt das Rennen jedoch keineswegs verloren: „Ich bin von Null gestartet und lege seitdem täglich zu.“ Im Vergleich zu früheren Umfragen hätten Kuhn und Turner verloren, sie hingegen habe hinzugewonnen: „Wenn dieser Trend bis zum Wahltag bestehen bleibt, ist es wegen der vielen unentschlossenen Wähler noch möglich, die Konkurrenten zu überflügeln.“ Turner liege deutlich unter dem Anteil, den er wegen der Unterstützung durch CDU, Freie Wähler und FDP eigentlich haben müsse. „Ich werde kämpfen und noch deutlicher herausstellen, dass ich für ein soziales Stuttgart stehe“, so Wilhelm.

Auch der SPD-Kreisvorsitzende Dejan Perc sieht seine Kandidatin auf dem Weg nach oben. Wilhelm gewinne täglich Stimmen dazu. „Und wir können noch viele Wähler mobilisieren“, meinte Perc. Deshalb werde Wilhelm bis zum Wahltag noch stärker auf die Bürger zugehen. „Kuhn liegt wegen seines hohen Bekanntheitsgrads vorne, für Turner ist die Prognose eine Ohrfeige“, so der SPD-Kreisvorsitzende.

Hannes Rockenbauch , der für das parteifreie Bündnis Stuttgart Ökologisch Sozial (SÖS) antritt, sprach von einem „insgesamt tollen Umfrageergebnis“: Nun müssten die Wähler nicht taktisch abstimmen, sondern könnten ihrem Herzen folgen. „Es zeigt sich, dass der von der CDU nominierte und von FDP und Freien Wählern unterstütze Bewerber keinen Stich macht.“

Er selbst werde zum zweiten Wahlgang nur dann antreten, „wenn ich die Chance habe, OB zu werden“, sagte der Stadtrat. Für ihn seien zwei Punkte besonders erfreulich: „Es gibt auf jeden Fall einen zweiten Wahlgang, keiner wird beim ersten Wahlgang durchmarschieren. Und: es gibt eine breite Mehrheit jenseits des schwarzen Filzes.“ Sein eigenes Wählerpotenzial sei aber noch nicht ausgeschöpft: „Verglichen mit den Werbeetats der anderen aussichtsreichen Mitbewerber sind meine prognostizierten 13 Prozent ein hervorragendes Ergebnis, das wir aber bis zum Wahlabend noch deutlich steigern werden.“

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