StZ und StN: Gemeinsame Aktion für Bedürftige 300 Laptops für benachteiligte Kinder

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Kinder aus ärmeren Familien ohne Internetzugang sind in Coronazeiten vom Unterricht ausgeschlossen. Dank der großzügigen Leserspenden von über einer halben Million Euro können jetzt 300 Laptops angeschafft werden.

Nicht alle Kinder haben zu Hause einen Computer und Eltern, die ihnen bei den Schulaufgaben helfen können. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Nicht alle Kinder haben zu Hause einen Computer und Eltern, die ihnen bei den Schulaufgaben helfen können. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Erik sieht in den nächsten Tagen über eine Lernplattform endlich seine Lehrerin wieder – auf seinem neuen Laptop. Dank der großzügigen Spenden der Leser und Leserinnen von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten für die Corona-Soforthilfe konnte Eriks Mutter einen Laptop für ihren Sohn kaufen. Auf dem Konto der Corona-Soforthilfe von Hilfe für den Nachbarn und der Aktion Weihnachten sind bisher 569 063 Euro eingegangen. Das übertrifft alle Erwartungen. Die Spende hilft Kindern wie Erik, denn so konnte seine Mutter, die mit ihrem Sohn ins Frauenhaus flüchten musste, schnell und unbürokratisch Hilfsmittel für das Lernen beantragen. Jetzt ist er wieder dabei in der virtuellen Klasse und freut sich.

Online-Kontakt mit der Lehrerin

Wie bei vielen Kindern, die in schwierigen Verhältnissen leben oder deren Eltern kein Geld für den Kauf eines Computers haben, hat sich der improvisierte Schulalltag von Erik seit Wochen holprig gestaltet. Die Lehrerin schickte seiner Mutter die Aufgabenblätter aufs Handy. Sie leitete sie ans Büro der Frauenhausmitarbeiterinnen weiter, die druckten sie aus, und wenn Erik die Aufgaben gelöst hatte, fotografierte seine Mutter die Blätter mit ihrem Handy und schickte sie an die Lehrerin. Nach den Osterferien hat seine Klassenlehrerin begonnen, über eine Lernplattform direkt Online-Unterricht mit ihren Grundschülern zu machen. Für Erik war dies das Aus. „Die Schließung der Schulen ist ein großer Einschnitt in die Bildungsbiografie der Kinder“, stellt Andrea Bosch vom Verein Frauen helfen Frauen fest.

„Es fehlt die Tagesstruktur, es fehlen die Menschen, es fehlt der schulische Rahmen“, klagt Petra Schilde, die als Sozialpädagogin bei der Caritas Familien betreut. Sie büffelt beispielsweise mit einer 17-Jährigen auf deren Hauptschulabschluss im Juni. „Alles läuft über meinen Rechner, und dann treffen wir uns am Neckar oder im Kurpark und lernen. Das Wetter der letzten Wochen ist ein wahres Geschenk.“ Petra Schilde hat sich auf ihr Diensthandy und auf ihr privates Handy jeweils eine Lern-App heruntergeladen, und so können Kinder, die von Haus aus keine digitalen Medien besitzen, zusammen mit ihr üben.

Auch die Caritas hat dank der Corona-Soforthilfe von StZ und StN eine Spende für einen Fonds erhalten, aus dem sie bedürftigen Kindern und Jugendlichen Laptops und Drucker finanzieren kann, damit diese am ausgelagerten Schulalltag teilhaben können. Gleiches gilt für die Evangelische Gesellschaft (Eva), die in Stuttgart 300 Familien pro Jahr ambulant bei der Erziehung betreut. Hinzu kommen mehrere stationäre Einrichtungen, in denen Kinder von sechs Jahren an sowie Jugendliche und junge Erwachsene bis zu ihrem 21. Lebensjahr wohnen. Als Soforthilfe stellen Hilfe für den Nachbarn und die Aktion Weihnachten aus dem gemeinsamen Spendentopf das Geld für insgesamt 300 Laptops bereit.

Arbeitsblätter per Post schicken

Für viele dieser Kinder und Jugendlichen kam die Schließung der Schulen und die Verlagerung des Unterrichts ins Internet in den vergangenen Wochen fast einem Schulausschluss gleich. „Viele Eltern haben mangelnde Deutschkenntnisse oder können aufgrund ihres Bildungsstandes nicht helfen“, berichtet Claudia Beilke. Die Sozialpädagogin betreut für die Eva Familien im Hallschlag und in Münster. Zusammen mit ihren Kolleginnen hat sie bisher Aufgabenblätter für die Schüler im Büro ausgedruckt und sie ihnen mit sicherem Abstand durch die Tür ausgehändigt. Die ausgefüllten Blätter gehen per Post an die Lehrer zurück. „Der fehlende Kontakt zwischen Lehrern und Schülern ist ein Problem“, berichtet sie. „Alle freuen sich, dass sich jetzt etwas tut.“

Kinder und Jugendliche, die in den altersgemischten Wohngruppen leben, haben ebenfalls keinen Zugang zum Internet, es sei denn über ihr Handy. Das jedoch taugt nicht für die Schulprogramme. Sie können allenfalls den PC des Betreuerbüros kurzzeitig mitbenutzen. Bei acht jungen Bewohnern, die alle Schulaufgaben oder Online-Unterricht machen sollen, ein Unding. Regine Esslinger-Schartmann arbeitet in einer Einrichtung der Eva und ist für 22 Kinder und Jugendliche zuständig. „Es gibt so viele unterschiedliche Anforderungen. Auch Auszubildende wohnen hier, und die etwas älteren Schüler müssen im Internet recherchieren können“, schildert sie die Situation, die seit Wochen mehr als unbefriedigend war.

Unbürokratische Hilfe ist nötig

Die Spenden für die digitale Ausrüstung der Schüler in Corona-Zeiten ist umso dringlicher, da Hilfen über das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundesfamilienministeriums eher zäh fließen. „Man muss nachweisen, weshalb man einen PC benötigt, und dann kommt vielleicht eine Unterstützung“, weiß Andrea Bosch aus ihrer Beratungsarbeit beim Verein Frauen helfen Frauen. Und das dieser Tage beschlossene Hilfspaket der Bundesregierung, das 150 Euro Zuschuss für den Kauf von digitalen Medien vorsieht, greift zeitlich und finanziell zu kurz. Die Schüler benötigen schnelle Hilfe, damit sie nicht komplett abgehängt werden.

Wenn Sie helfen wollen, bitten wir um Spenden auf das Konto:

Empfänger: Hilfe für den Nachbarn e.V. IBAN: DE53 6005 0101 0002 2262 22Baden-Württembergische BankKennwort „Corona-Soforthilfe“

Hilfe für den Nachbarn

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"Hilfe für den Nachbarn e.V."
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Das Spendenkonto:
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