Suche nach Gewerbestandorten Wirtschaft fordert flotte Standortsuche

Hier wird nach Flächen gesucht. Foto: StZ
Hier wird nach Flächen gesucht. Foto: StZ

Nach Ansicht der Industrie- und Handelskammer Ludwigsburg braucht die nördliche Region eher heute als morgen neue Gewerbegebiete.

Ludwigsburg: Markus Klohr (mk)
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Ludwigsburg - Getrag? Nach Untergruppenbach gezogen. Bosch? Neuansiedlung in Abstatt. Jochen Haller, Chef der Bezirkskammer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ludwigsburg, würde am liebsten keine einzige Firma aus dem Landkreis mehr ziehen lassen. „Im Südkreis Heilbronn ist in den vergangenen Jahren viel entstanden“, sagt Haller. Jetzt müsse die Region Stuttgart endlich nachziehen, „wenn wir nicht in der Attraktivität als Standort zurückfallen wollen“.

Er begrüße ausdrücklich, dass der Verband Region Stuttgart inzwischen fünf neue Standorte für größere Gewerbeschwerpunkte entlang der Autobahn 81 auserwählt habe. Allein: die Zeit dränge erheblich. „Die Nachfrage ist groß, wir brauchen diese Gebiete möglichst am besten schon vorgestern“, sagt Haller.

In der Sitzung der Regionalversammlung am Mittwoch will der Chefplaner des Verbands Region Stuttgart (VRS), Thomas Kiwitt, einen großen Schritt vorankommen. Fünf Standorte in der nördlichen Region, allesamt im Kreis Ludwigsburg, sollen eine einzige Fläche ersetzen, die wegen mangelnder Kooperation der Kommunen nie ausgewiesen wurde: Zwischen Pleidelsheim und Murr waren rund 75 Hektar Fläche als Gewerbeschwerpunkt für die ganze Region reserviert. Doch der Standort fand keine Unterstützung, wurde nach Ansicht von Haller „über Jahre hinweg torpediert“.

So sehr Jochen Haller den Chefplaner Kiwitt lobt („Er ist zwei Jahre lang über die Dörfer gegangen und hat Flächen gesucht“), ein kleines Fragezeichen setzt er durchaus – und zwar bei der Frage, ob die jahrelange Debatte über das Gebiet Pleidelsheim/Murr unbedingt nötig war. „Vielleicht hat die Region etwas zu lange an dem Standort gehangen.“ Die Diskussion über das Areal sei schon 20 Jahre alt. Die mangelnde Kooperation der Kommunen sei ebenfalls keineswegs neu. Er wolle aber nicht an der Vergangenheit hängen: „Besser spät als nie“, lautet Hallers Fazit.

„Wir wollen die Fläche nicht auf Teufel komm raus durchsetzen“, hatte der Planungsdirektor Thomas Kiwitt schon vor Jahren betont. Jetzt hat die Regionalverwaltung ein Einsehen: Die Fläche soll komplett aus dem Regionalplan getilgt werden. Das bedeutet, dass sie planungsrechtlich als nicht überbaubar gilt.

Immerhin: an Stelle der verlorenen 75 Hektar hat die Region insgesamt 108 Hektar an fünf neuen potenziellen Standorten gefunden (siehe Grafik). Der Holzweiler Hof bei Großbottwar (15 Hektar) kommt aus VRS-Sicht ebenso in Frage wie das neue Gebiet am Gröninger Weg zwischen Ingersheim und Bietigheim-Bissingen (17 Hektar), das erweiterte Bosch-Areal bei Schwieberdingen (26 Hektar), das Gebiet am Kreuz Autobahn/B 10 zwischen Münchingen und Kallenberg (25 Hektar) sowie die Erweiterung des Laiern-Areals zwischen Bissingen und Tamm (25 Hektar).

Mit Sicherheit wird sich die Flächensumme noch deutlich verkleinern – nach der jetzt beginnenden öffentlichen Anhörung. Zumindest beim Holzweiler Hof ist mit heftigem Widerstand zu rechnen. Eine Bürgerinitiative geißelt bereits seit Jahren den Flächenverbrauch. Dass hier die Debatte besonders heikel ist, weiß auch Jochen Haller. Er betont aber, dass gerade im Bottwartal viele Firmen in den südlichen Landkreis Heilbronn umgezogen seien. „Das muss aufhören“, sagt der IHK-Chef.




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