Seither heißt in ihrem Fall, dass sie sechs Wochen auf der Drogenentgiftungs- und Motivationsstation (Demos) verbracht hat. 21 Plätze gibt es dort für Menschen, die von illegalen Substanzen wie Opiaten, Cannabis, Kokain, Amphetaminen oder Metaphetaminen abhängig sind oder trotz Substitution einen gefährlichen Beikonsum beispielsweise an Alkohol haben. In Bad Cannstatt ist diese Abteilung vor 25 Jahren als eine von fünf Modell-Stationen eröffnet worden und hat seitdem einen Paradigmenwechsel eingeleitet. „Früher war man der Überzeugung, dass Opiatabhängige charakterschwach sind und man sie nur richtig erziehen müsste. Heute weiß man, dass Drogensucht eine Krankheit ist, die Behandlung braucht“, sagt Dr. Maurice Cabanis. Er ist leitender Oberarzt der Klinik für Suchtmedizin und Abhängiges Verhalten.
Nur fünf Prozent schaffen Abstinenz
Die Station Demos ist eine geschlossene Abteilung, in der Patienten langsam und schonend unter ärztlicher Beobachtung entgiftet werden. Suchtmediziner und Ärzte aus der Schmerzambulanz, der inneren Medizin, Chirurgen, Orthopäden, Psychologen, Sozialarbeiter, Ergotherapeuten, Kunsttherapeuten und Physiotherapeuten arbeiten interdisziplinär zusammen, und schon während des Aufenthalts in der Klinik leitet das Team eine Weiterbehandlung und -betreuung für die Zeit nach dem stationären Aufenthalt in die Wege. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, eine Rehabilitation in Stuttgart zu machen und Kontakte zu Beratungsstellen, der Wohnungslosenhilfe, zu Suchtmedizinern oder Arbeitshilfeträgern herzustellen.
„Wir versuchen, den Menschen möglichst viel zu geben, denn die große Herausforderung ist es, Suchtkranke überhaupt in die Klinik zu bekommen“, sagt Maurice Cabanis. Anders als vor 25 Jahren sei auch die Erwartung, alle Klienten auf immer von der Droge wegzubekommen, der Einsicht gewichen: „Nur fünf Prozent aller Abhängigen schaffen ein abstinentes Leben. Man sollte den Erfolg also nicht vornehmlich daran messen, ob die Klienten anschließend abstinent leben, sondern daran, ob sich deren Lebenssituation verbessert hat, ob sie wieder arbeiten, ihre Kinder versorgen können und wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben“, so der Oberarzt.
Psychiatrische Erkrankungen unentdeckt
10 000 Behandlungen, einige davon mehrfach, fanden bei Demos in den vergangenen 25 Jahren statt. Immer wieder ist das Konzept erweitert worden, zum Beispiel um die Behandlung von Paaren oder auch schwangeren Frauen.
Das „Herausragende“ der Station sei, so Cabanis, dass man sich an den Bedürfnissen der Klienten ausrichte. Katrin, die ehemalige Patientin, versichert: Ich habe mich gut aufgehoben gefühlt. Ich wusste, dass ich mich immer wieder an die Mitarbeiter wenden konnte.“ Auch an neuen Erkenntnissen müsse man sich orientieren: „Bis zu 50 Prozent der Opiatabhängigen haben Missbrauch oder Gewalt erfahren, und viele ihrer psychiatrischen Zusatzerkrankungen bleiben unerkannt“, sagt Cabanis. Demos wird also weiterhin im Wandel bleiben.